ich verstehe nicht, weshalb der ein oder andere von "gutem Ton" und "gutem Bild" spricht. Weder das eine noch das andere ist zeitgemäß produziert worden. So klingen viele Mitschnitte der 8-tägigen Clubtour, welche auf der Bonus-DVD vertreten sind, deutlich besser als der Kampnagelmitschnitt, dessen Quelle wohl eher das Beschallungsmischpult war: kein bis kaum Reverb, schlechte Balance und insgesamt sehr topfig und indirekt klingend. Die Streicher - die die ganze Sache nicht wirklich rausreißen, sind entweder zu laut oder zu leise. Ein rein akustisches Set der Band allein hätte mir besser gefallen. Wo doch auch Akkordeon, Glockenspiel und sogar Trompete von der Band betätigt werden - auch hier leider schlecht gemischt! Was verdammt nochmal spricht gegen eine anständige Post-Production, wo doch jedem von vornherein klar ist, daß ein Mitschnitt nie so klingen kann wie im Saal selbst? Hier entsteht für mich der Verdacht, daß das Hauptaugenmerk wohl eher darauf lag, alles noch rechtzeitig zu Weihnachten auf den Markt zu schmeißen (wenns hilft Grand Hotel van Clef besser über die Runden zu bringen, sei's verziehen...). Die überwiegend positive Resonanz gibt ihnen ja offensichtlich Recht (siehe z.B. Rolling Stone, kulturNews und notes). Auch das Bild: immer widerkeherend gleiche Kameraperspektiven, verwackelt und dunkel und dann noch im Format 4:3. Glücklicherweise ist es dunkel genug, sodaß man die schwarzen Balken links und rechts nicht so wahrnimmt. Die Atmo im Saal ist nur beim Beifall present und gegen Ende des Konzerts, sowohl Backstage als auch im Saal hört man plötzlich nichts mehr. Musik lebt vom Klang, Klang schafft Atmosphäre, aber die fehlt mir hier. Es muß ja nicht 5.1 Surround sein (kann man zurecht drüber streiten), aber wenigstens ein gutes luftiges und differenziertes Stereo-Klangbild hätte ich vorausgesetzt bei einem Team mit solcher Erfahrung. Ob der soooo positiven Krtik, die mich verleitete diese DVD zu kaufen, bin ich was das reine Kampnagelkonzert betrifft schwer entäuscht. Der Idee wegen würden noch zwei Punkte bleiben. Die Bonus-DVD jedoch hebt dann wieder die Stimmung und man muß dann obendrein erkennen, daß die Band elektrisch einfach mehr zu bieten hat, als die doch recht dünn wirkenden akustischen Arrangements von Kampnagel (aus denen man mehr hätte machen können...). Die Konzertmitschnitte der achtägigen Tour werden eingerahmt durch Interviews mit allen Bandmitgliedern und Club-Besitzern und Bookern. Dieser ganz eigene Charm der dort ensteht entspricht der Band weit aus mehr als das Kamnagel-Konzert. Stromgitarren statt Streicher!