M. Spitzer ist Herausgeber der Fachzeitschrift 'Nervenheilkunde', einer Zeitschrift für Neurologie und Psychiatrie. Dort veröffentlicht er eine Glosse namens 'Geist & Gehirn' ' jeweils kurze Geschichten, die die aktuelle neurologische Forschung, sozusagen das, was wir in den letzten Jahren oft 'Gehirnwissenschaft' nennen, aufgreifen und entweder nur beschreiben, oder aber, oft, auch die Implikationen für die Gegenwart und Zukunft beschreiben.
Vom Grundgedanken ein interessanter und wichtiger Ansatz ' ich war sehr neugierig darauf, diese verschiedenen Aspekte zu lesen und meine Allgemeinbildung in einem Feld zu erweitern, das mit der Tätigkeit als Psychotherapeut und als Trainer sicherlich diverse Überschneidungsbereiche hat.
Die für mich überraschende Erfahrung bei der Lektüre im Sommer 2011 war nun, dass praktisch jede wissenschaftliche Erkenntnis, die in der Zeit um 2000 herum 'neu & bahnbrechend' war, in den zehn seither vergangenen Jahren Eingang gefunden hatte in das Allgemeinwissen der heutigen Zeit.
Um einige Themen zu nennen: Werden wir bald keine Psychiater mehr brauchen, weil alle Störungen im Gehirn gesehen und in wenigen Jahren auch dort behoben werden können? Gibt es (ja, gibt es) einen Unterschied im Gehirn von Männern und Frauen? Haben wir einen freien Willen, oder was genau bedeutet es, dass schon bevor wir bewusst die Hand heben im Gehirn Nervenzellen 'feuern'?
Wer sich ein klein wenig mit der Thematik beschäftigt, in normalen Zeitungen dar-über kurze Berichte verfolgt oder auf Kongressen gelegentlich einmal auch in solchen Vorträge sitzt... ' für den sind 10 Jahre später die dargestellten Erkenntnisse und Befunde kaum einmal neu. Da ich dies zwar tue, jedoch in eher mäßigem Umfang, war ich überrascht, doch praktisch alle Themen bereits zu kennen.
Wenn man dies verallgemeinert, so lässt sich sagen, dass die Gehirnforschung ganz offenkundig ein zentrales, prominentes Forschungsfeld der letzten Jahre gewesen ist, und die wesentlichen Erkenntnisse aus dem Feld der wissenschaftlichen Labors heraus Ihren Weg in den Alltag von Menschen, die sich für diese Themen interessieren, gefunden haben.
Viele Ausätze sind dennoch lesenswert und (natürlich alle) klug, ich empfehle be-sonders die Überlegungen über die Möglichkeiten der Gen ' Analyse und den Implikationen, wenn man 'Defekte' schon im Mutterleib feststellen kann: eine Betrachtung aus dem Jahr 2000, heute so aktuell wie nur möglich.