Aus der Amazon.de-Redaktion
Wie geht Weltmusik? Das vierte Album der Outlaws von der falschen Rheinseite, der schäl Sick Kölns, zeigt es. Man nehme für die Gesangsstücke indigene Leute, die mit ihren Dialekten und Stimmfärbungen den Sound ihrer Heimat pflegen -- Köln, Pazardzik oder Anafi -- und Lust auf die Konfrontation mit anderen Schubladen praktizieren. Köln, Bulgarien, Griechenland, Kurdistan, Ägypten oder Algerien liefern Songmaterial. Riddims aus der Karibik, Bluesharps mit Mississippi-Touch, 9/8-Takt und Polkagedudel sowie Afrobeat bzw. Stampftanz steuern das instrumentelle Geschehen. Dann haben wir noch Dudelsack, Zurna-Geqäke, Bauchtanz, türkische 6/8 mit englischen Lyrics und ein Lied über Marie, die Verkäuferin am Zülpicher Platz, Kasse Zwei. So eine Combo wie die Schäl Sick Brass Band besingt den Schnaps dann auch mindestens in drei Sprachen, macht sich über Aids her mit einer schnellen Nummer namens "Rubber-Dub" und stellt ausgerechnet den Rausschmeißer gleich an die erste Stelle des grandiosen Albums: Marschmusik nämlich. Zur "Anfangsverwirrung des Publikums", wie der Kommentar im vorzüglichen und lustigen Textheft behauptet.
--Uli Lemke
Blue Rhythm (06/02)
Süße Rosinen aus dem wilden Orient, dazu fettes Blech und Polka aus Köln mit multikulturellen Röhren: Schäl Sick Brass Band, die vierte. Das musikalische Spektrum der alternativen Karnevalskapelle ist bekanntermaßen so schräg wie vielseitig. Ivanka Ivanova singt bulgarische Traditionals in unberechenbaren Schäl-Sickschen Arrangements. Cool kommt auch Eric Zeilers Mundharmonika im "Belly Dance". Mit dem "Rubber Dub", den uns Ade Odukoya ins Ohr rappt, geht dann nichts mehr schief. Neben anderen Schmankerln zwischen Orient und Okzident noch eine Insel-Ode der griechischen Sängerin Kristi Stassinopoulou und eine Kölsche Interpretation algerischer Herzensstücke von Marcellus Seng. Fetzig.
© Blue Rhythm - Ulrike Ziegler