Keraban als Puppentrickfilm! Na das kann ja etwas werden - so in etwa waren meine Gedanken zum Film als ich ihn zum ersten Mal im Jahre 2000 sah. Ich erwartete also eine ziemlich sterile Darstellung einer gestrafften Story, umgesetzt mit Puppen. Aber nach ein paar Minuten hatte ich die Puppen ziemlich verdrängt: Witzige Dialoge, ein aufwändig gestalteter Hintergrund in jeder Etappe der Reise und spritzige Szenenwechsel und Schnitte. Und die Geschichte? Sie beinhaltete so ziemlich alles, was man in 80 Film-Minuten unterbringen kann, es gibt also einen hohen Wiedererkennungsfaktor des Buches.
Wir starten in Konstantinopel, wo wie bekannt die Steuer von 10 Para zum Überqueren des Bosporus erhoben wird. Um diese zu sparen macht Keraban seine berühmte Umrundung des Schwarzen Meeres. Dazu kommt noch die Hochzeit von Achmet und Amasia, die in zwei Monaten heiraten wollen und die Intrigen der Gegenspieler. Wie im Buch macht sich Keraban mit seinem Freund Van Mitten und den Dienern der beiden auf die Reise von Konstantinopel nach Skutari. Natürlich lehnt auch im Film Keraban die Eisenbahn als neumodisch und entsetzlich ab - in eine Erfindung des Teufels würde er sich nie setzen! Also geht es los mit der Kutsche in Richtung Russland. Dazwischen kommt noch die Entführung Amasias mit ihrer Dienerin und die Odyssee der Reisenden durch das wilde Anatolien. Gerade hier hat der Film eine Dynamik, die ich so noch nicht in Puppentrickfilmen erlebt habe. Und wenn dann in einer wilden Schießerei, bei der man sogar die Schusswirkung erkennt, im Ergebnis auch noch Verletzte zurückbleiben, dann wirkt das Ganze ziemlich authentisch. Den Rest der Geschichte werden ihr bestimmt kennen ...
Um es Kurz zu machen: Ich habe mich sehr gefreut, dass ich den Film jetzt kaufen konnte. Ein Film für jüngere Zuschauer, bei dem Vati und Mutti (oder Oma und Opa?) ruhig mal mit hinsehen sollten - viel Spaß also!