Zugegeben: Bei 'Kennwort Schweres Wasser' handelt es sich um keinen Kriegsfilm-Klassiker. Dennoch hatte der auf einer wahren Geschichte basierende Film hierzulande bislang eine sträflich fragwürdige Veröffentlichung erfahren: In den seltenen TV-Ausstrahlungen, die ich kenne (die Kinoversion ist mir nicht bekannt) erschien der Film stets in einer um 15 Minuten gekürzten Fassung und durch das auf 1,85:1 zurecht gestutzte Format ging viel von der tollen Kameraführung verloren. Die DVD bietet die vollständige Kinofassung im Original-Breiwandformat und siehe da, ich hatte das Gefühl, einen neuen, besseren Film zu sehen. Die gekürzte Ausstrahlung (110 Min.) schleppte sich stets dahin und oft kam der Verdacht auf, das wichtige Handlungsfäden fehlten, die auch zur Handlungs-Motivation der Charaktere (vor allem Kirk Douglas) beitrugen. Bei der DVD wurden die bislang fehlenden Szenen - und dies ziehe ich einer Neusynchro vor - im Original beibelassen und deutsch untertitelt. Spannend zu sehen, was die Deutschen Verantwortlichen verantwortungslos alles rausgenommen haben: Nach einem gescheiterten Anschlag der Widerständler lässt ein deutscher Offizier gleich einige Bürger Telemarks erschießen. Wollte man durch Kürzungen die Nazi-Vergangenheit beschönigen oder was? Für mich ist das Herausnehmen der Szene genauso fragwürdig wie alle anderen: Neben einer spannenden und wichtigen Szene, in der Kirk Douglas in die Gefangenschaft der Deutschen gerät, fehlen sämtliche Szenen, die die vor allem auf Sex beruhende Beziehung des von Kirk Douglas und Ulla Jacobsen gespielten Expaares näher beleuchten. Ganz schön gewagt für das Entstehungsjahr 1965, aber nie freizügig! Interessanterweise fügt Regisseur Anthony Mann ('El Cid') im einstündigen, interessanten Making of (von 1965) hinzu, dass die Liebesgeschichte historisch verbürgt ist. So stellt sich die Frage, warum man hier die Schere eingesetzt hat, zumal gerade diese Szenen Douglas' Handlungsweise, warum er sich den Widerständlern anschließt, viel verständlicher macht. Zwar hat der Film meiner Meinung nach immer noch Lücken und kann die Spannungskurve nicht ganz aufrecht halten, dennoch gewinnt der Kriegsfilm durch die hinzu kommenden Szenen um einiges an Qualität. Auch die hervorrangede Cinematografie an den Original-Locations in Norwegen und mit tollen fiktiven Ski-Sequenzen, ist jetzt in der vollen Breitwandversion zu bewundern. Also: Kein Klassiker, aber wer nicht gerade 'Die Kanonen von Navarone' oder 'Gesprenge Ketten' erwartet, der wird bestens unterhalten und auf ein noch wenig bekanntes Kapitel der braunen Vergangenheit aufmerksam gemacht. Und das 'Making of' von 1965 ist zwar recht promo-lastig, dennoch sehr interessant anzuschauen und ein wirklich historisches Filmdokument. Es besteht aus mehreren Teilen, und das Interview mit dem jungen Richard Harris hebe ich besonders hervor. Auch sagt Anthony Mann, dass Harris und Douglas (der Mann ja bei 'Spartacus' feuerte) oftmals aneinander gerieten, was allerdings ihrer auch nicht gerade freundliche Beziehung im Film zugute kam.