In der 50teiligen Filmedition "Grosse Kinomomente" ausgewählt vom Kultur Spiegel befinden sich interessanterweise auch 4 Filme, die keine Jugendfreigabe erhielten. Es handelt sich um die Filme "Reservoir Dogs", "Hard Candy", "Shortbus" und "Ken Park".
"Ken Park" ist der 2002 nach "Kids" und "Bully" gedrehte bislang letzte Teil von Larry Clarks Teenage Trilogy, den er gemeinsam mit dem Kameramann Ed Lachman realisiert hat.
Lachman stand für Filme wie "Virgin Suicides", "London kills me", "Erin Brokovich" oder "Dem Himmel so fern" hinter der Kamera.
Die Gemeinschaftsarbeit "Ken Park" ist ein sogenanntes Coming of Age Drama und erzählt vom tristen Leben einiger pubertierender Jugendlicher in einer typisch kalifornischen Kleinstadt namens Visalia.
Ken Park, ein junger Skater, schiesst sich in der Eingangssequenz eine Kugel in den Kopf.
Danach werden 4 weitere Jugendliche vorgestellt, die mit Ken befreundet gewesen sind. Der sensible Claude (Stephen Jasso) leidet unter den Verhöhungen und Gewaltausbrüchen seines gestörten, alkoholkranken Vaters.
Peaches (Tiffany Limos) wird von der Liebe ihres Vaters, einem Bibelfanatiker, erstickt. Er sieht in ihr das Ebenbild der verstorbenen Mutter.
Shawn (James Bullard) hat sowohl eine Beziehung zu einem etwa gleichaltrigen Mädchen als auch heimlich zu deren attraktiven verheirateten Mutter.
Tate (James Ransone) hat morbide sexuelle Vorlieben, wenn er sich befriedigt. Er lebt bei seinen wohlhabenden Großeltern, die er hasst...
"Ken Park" zeigt knallharte Realität des modernen Lebens in der amerikanischen Provinz. Die Jugendlichen fahren Skateboard, trinken, haben Sex und ziehen gelangweilt um die Häuser.
Konfrontiert sind sie mit einem noch unzufriederenen familiären Umfeld, diese Erwachsenen, die ihren unerfüllten Befriedigungen nachtrauern.
Der Film zeigt Sexualität, die Szenen stehen allerdings m.E. sämtlich im Dienste des Films und seiner Aussage. Das Teenager-Drama ist aufrüttelnd, provokant und schockierend. Die risikoreiche Gratwanderung zwischen Anspruch und Voyerismus gelingt den Machern bestens.
Obwohl Clark und Lachman auf eine straffe Dramaturgie verzichten und episodenhaft erzählen, strahlt das Gezeigte sehr bald eine bedrohliche Intensität aus. Die Kluft zwischen Eltern und Kindern ist kaum überbrückbar, die Generationen haben hier das Verständnis füreinander verloren - die konstruktive Flucht bzw. Befreiung ist in der sexuellen Handlung gegeben, die noch ein Miteinander oder ein Sich binden ermöglicht.
Wer sich nicht an expliziten Sexszenen stört, der wird in "Ken Park" eine sehr interessante bittere Bestandsaufnahme der Gesellschaft finden.
"Kids" mochte ich nicht, aber "Ken Park" lohnt sich...