Das Buch ist die Darstellung eines Schamanismus, der versucht, an die westlich-keltischen Traditionen anzuknüpfen, was an sich eine gute Sache ist. Es leidet aber an beträchtlichen Schwächen:
1. Die Übersetzung: Im dem ganzen Buch ist immer von Weihrauch die Rede, wenn geräuchert werden soll. Weihrauch war den Kelten sicherlich bekannt, aber er war keine wichtige Pflanze zum Räuchern. Wahrscheinlich wird im Original der Begriff "incense" verwendet, der Räucherung im Allgemeinen und Weihrauch im Speziellen meint. Der Übersetzer hat sich mit seinem Thema offensichtlich nicht intensiv befasst. Es ist zu vermuten, daß es (neben weiteren Flüchtigkeitsfehlern) noch weitere sinnentstellende Fehler gibt.
2. Das Buch setzt falsche Schwerpunkte. Über das Räuchern zum Beispiel wird gar nichts geschrieben. Dann heißt es über Bodhrans: "Trommeln dieser Art lassen sich leicht herstellen...", ohne das darüber weiter etwas geschrieben wird - eine ziemlich verwegene Aussage. Ein paar Seiten weiter wird dafür ausführlich die Herstellung eines Schildes beschrieben, wie ihn angeblich indianische Schamanen verwenden - aber von Druiden oder sibirischen Schamanen mit Schilden hat man noch nichts gehört. Für den Anfänger sind streng geführte Trancereisen hilfreich, für den Fortgeschrittenen nicht. Aber selbst die fortgeschrittenste Reise wird en detail aufgeschrieben.
3. Das Buch ist sogar gefährlich. Fortgeschrittene Techniken des Heilens wie die Extraktion und die Seelenrückholung werden auf jeweils zwei Seiten beschrieben. Beides sind für den Schamanen gefährliche Techniken und insbesondere bei der Extraktion wird der notwendige Schutz völlig vernachlässigt. Bei der Seelenrückholung wird auf ein Buch von Sandra Ingerman hingewiesen - besser wäre es gewesen, es dabei zu belassen, bei Interesse an dem Thema auf das Buch zu verweisen. Bei einer "Zerstückelungsreise" in die Unterwelt zu empfehlen, den von der Unterweltskönigin dargebotenen Trank des Vergessenes zu trinken, ist fahrlässig. Insbesondere wenn keinerlei Maßnahmen zur Sicherstellung der vollständigen Rückkehr in die alltägliche Realität ergriffen werden, auch das ist gefährlich.
4. Daneben ist das Buch einigermaßen uninspiriert geschrieben. Es versucht unsere heutige Buchweisheit über die Inselkelten mit bekannten schamanischen Techniken zu verknüpfen.Wenn man Bücher zu beiden Themen liest, ist man sicherlich schlauer. Es fehlt etwas lebendiges, z.B. eine "keltische" Idee des Schamanismus, die sich auf Aspekte oder Fragen übertragen lassen würde, die in dem Buch nicht behandelt werden.