... und vor allem ihre Schattenseiten sieht man bei diesem Roman ganz besonders.
Christan Jentzsch, der schon zahllose Shadowrun-, Warhammer-, Warhammer40k- und weitere Fantasy-/SF-Romane verhunzt hat, hat auch hier wieder erbarmungslos zugeschlagen.
Ich habe - wie immer - zuerst die englische Originalfassung gelesen; diese hätte 4 Sterne bekommen, da es sich um eine nette Geschichte mit recht guten Charakteren handelt. Lediglich kenne ich es von Kenson nicht, daß seine Figuren derart naiv und vertrauensduselig durch die 6. Welt fallen, das kostet ihn den einen Stern - mit so einem Verhalten würde man schon heutzutage ja nicht einmal in Frankfurt länger als ein paar Stunden auf den Straßen überleben ;-)
Ansonsten ist das Buch recht nett, knüpft schön an die Vorgängerromane an und endlich kommt man hinter das Große Ganze, das bei den beiden Vorgängerromanen schon immer mal am Horizont gelauert hat, aber nie wirklich greifbar wurde.
Was Jentzsch sich mit seinen Übersetzungen jedoch manchmal denkt (falls er überhaupt selber übersetzt und nicht einfach ungeprüft den Text per copy/paste in die Google-Übersetzungsmaschine reinfüttert...), ist mir jedoch ein Rätsel. Abgesehen von der Unzahl Druck- und Rechtschreibfehler (für die man durchaus die Lektorin mitverantwortlich machen könnte) fallen einem die unmöglichsten Sachen auf:
- logische Fehler - z.B. ist es laut Jentzsch in Seattle vormittags um 11 schon stockdustere Nacht; in der Originalausgabe steht aber eindeutig die Zeitangabe mit dem Kürzel "p.m." - Post meridiem, also nachmittags/abends. Lernt man im Schulenglisch schon in der 5. Klasse.
- Unbedingte Vermeidung von Umgangssprache - ein locker dahergesagter Satz in Umgangssprache wird in akkurates Hochdeutsch übersetzt - da geht der ganze Flair verloren, denn Gossenabschaum unterhält sich eben entsprechend...
- Ganze Absätze werden völlig sinnentfremdet übersetzt - so wird das hochspannend beschriebene "taktische" Eindringen in eine Wohnung zum unkoordinierten unbekümmerten Hineinstolpern und es verliert sich dadurch jede Stimmung
- Das Spiel, auf dem die Romane basieren, heißt Shadowrun. Die Akteure sind und bleiben demnach Shadowrunner. RUN. RUNNER. Nix Läufer. Läufer sind Teppiche.
Die Untaten ließen sich hier noch beliebig weiter aufzählen, daher ändert sich nichts an meiner grundsätzlichen Empfehlung: Romane, die von diesem Mann übersetzt werden: Finger weg! Lest, soweit die Sprachkenntnisse ausreichen, die Originalversionen; wer nicht so gut Englisch kann, lest die Bücher lieber gar nicht, man kriegt einen völlig falschen Eindruck.
Fazit: Kenson 4, Jentsch -2