Welch eine Erweiterung des Musikerlebnisses durch das "auf-der-Bühne-dabeisein" dank DVD!
Jahrelang glitten sozusagen die "Standards" in die Ohren und das Hirn fantasierte die Bilder eines am Flügel "sehr schön" oder "genial" Jazz spielenden berühmten Mannes mit guter, aber gesichtsloser Band. Nie hatte ich die Chance, diesen meinen Jazzpiano-"Gott" live zu sehen, - ein Buch brachte mir gar nichts und was nützten mir Zeitungsartikel?
Nun beame ich K.Jarret und seine Partner an die Wohnzimmerwand, schalte die Soundanlage auf "Halle in New York" und bin bei der Entstehung eines bekanntlich je solitären Improvisationsstückes dabei, bekomme die Interakton mit Bassist u. Drummer mit, sehe, daß K.J. am Flügel über den Tasten stehend.... "arbeitet", die Musik aus dem Kopf - oder den Händen? unter dem - im Zusehen nachzuvollziehenden - Stöhnen gebärend, gar nicht so leicht-spielerisch, wie beim reinen hören vermutet werden könnte, sondern wie musiksüchtig, musikverrückt, der nicht weiß, wie er wieder runterkommen soll, weil jedes Stück ja auch mal aufhören muß...
Dank dieser DVD verstehe ich endlich, wie ein westlicher Musikschamane aussieht, der aus banalen "Musik-Stückchen" wie in Trance seine innere Sicht der Musik: JAZZ gebiert, seine Reise, seinen TRIP, und wir sind irgendwie dabei.
Wir SEHEN am Gesicht, den Händen, dem Musikakt: das kann man nicht lernen.
Pardon für den schwülstigen Text. Aber diese und andere Jazz-DVD's machen klar, daß reine Jazz-Hör-CD's im Vergleich zu DVD's langweilig sind, denn - Jazz jedenfalls! versteht sich besser, wenn wir der Entstehung, der Improvisation jeweils zu-Sehen können.