In diesem Roman wird der Alltag eines jungen Mannes in Köln präsentiert: Ehe, Freunde, Wohnung, Straßen der Umgebung. Besonders die Ehe schildert Rolf Dieter Brinkmann (1940-1975) als Quälerei, von Mißtrauen und Haß ohne deutlich faßbare Motive bestimmt. Die Versuche des Zusammenlebens der beiden Partner scheitern, die Außenwelt drängt sie auseinander, reduziert sie schließlich auf sich selbst. Brinkmann verfolgt diesen Prozeß mit rücksichtsloser Konsequenz. Sein Roman schockiert. Er schwemmt Aggressionen und Wünsche hoch, Komplexe einer sich immer mehr brutalisierenden Sexualität. "Keiner weiß mehr", 1968 erschienen, ist Brinkmanns erstes Buch, das die Wut und die Empörung seiner Generation ausdrückte. Mit seiner in Deutschland damals bislang ungewohnten Radikalität wurde es von der Öffentlichkeit jedoch kaum beachtet, nur wenige Kritiker nahmen diesen Aufschrei wahr. Marcel Reich-Ranicki lobte allerdings nach der Erstveröffentlichung: "Kühn und radikal wie nur wenige Romane dieser sechziger Jahre". Daß dieses Frühwerk heute noch gelesen wird, zeigt, daß hier das Lebensgefühl einer neuen, noch nicht etablierten Generation formuliert wurde. Manfred Orlick, Halle