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Keiner war dabei: Kriegsverbrechen auf dem Balkan vor Gericht
 
 
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Keiner war dabei: Kriegsverbrechen auf dem Balkan vor Gericht [Gebundene Ausgabe]

Slavenka Drakulic , Barbara Antkowiak
3.5 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (11 Kundenrezensionen)
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Produktbeschreibungen

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Buchnotiz zu : Frankfurter Allgemeine Zeitung, 02.06.2004
Karl-Peter Schwarz hat "ein außerordentlich wichtiges und zutiefst verstörendes Buch" gelesen, eines, das wohlfeile Gewissheiten zerschellen lässt. Denn wie sehr sind wir es gewöhnt, in den Mördern der Balkankriege fanatische Nationalisten zu sehen, und wie leicht fällt deshalb die Annahme, wir selber wären ganz anders. Slavenka Drakulics Erfahrungen beim Kriegsverbrechertribunal in Den Haag offenbaren eine andere Realität: Die Täter handelten nicht aus nationalistischer und auch sonst aus keiner Überzeugung, sie töteten, weil ihnen das Vermögen zur Empathie fehlte. Drakuli hat beobachtet, wie die Mörder verschiedener Herkunft in Gefangenschaft ohne Schwierigkeiten zu Kameraden wurden; sie alle hatten Menschen liquidiert, aber nicht aus Hass, sondern aus moralischer Indifferenz. Damit, so der Rezensent, schreibe die Autorin das verdrängte "Grauen" in die Wahrnehmung der Balkankriege ein - und das gehe über jeweilige Ideologien hinaus. Seit zwölf Jahren, schreibt Schwarz, versuche sich die kroatische Autorin dem "Ungeheuren", das in ihrer Heimat geschah, zu nähern. Die Stärke von Drakulics Texten bestehe in ihrem "außerordentlichen Einfühlungsvermögen" - es dient ihr dazu, Menschen zu entschlüsseln, die keines besitzen.

© Perlentaucher Medien GmbH

Pressestimmen

"... ein Buch von besonderer Intensität. So schwer das Thema auch ist, Drakulic schreibt geradezu schwebend leicht, mit einem meisterlichen Sinn für Details und Komposition. Immer wieder dringt sie durch die Oberfläche hindurch und vermag die tragischen Widersprüche, ja Absurditäten und allzu menschlichen Seiten des Bürgerkriegs zu benennen. Drakulic aber ist nicht allein eine wunderbare Schriftstellerin. Die Kroatin versucht zu verstehen, was sie selbst erlebt hat." Marc-Christoph Wagner, Rheinischer Merkur, 05.08.2004

"Slavenka Draculic leistet mit dem Buch zweifelsohne einen wichtigen Beitrag zu der Publizistik über die jüngsten Kriege und deren Folgen auf dem Balkan. Sie nimmt in ihrer Arbeit gleichermaßen die Rolle einer objektiven Beobachterin, einer mitfühlenden Mutter und Frau sowie einer gebildeten Zeitgenossen ein. Dies ist besonders wichtig, da die Balkankriege mit ihrem Gräueln allmählich aus dem europäischen Bewusstsein verschwinden." Andrea Dunai, Das Parlament, 15./22.03.04 "The war is not over - das lernen wir, wenn wir diese wichtigen Reportagen lesen." Carl Wilhelm Macke, Tages-Anzeiger-Zürich, 22.03.04 "Drakulics Buch ist mehr, als es vorgibt zu sein. Das zeigt sich nicht nur in einem wunderbaren, subtilen Doppelporträt von Slobodan Milosevic und seiner Frau Mira Markovic, das den bislang wohl intimsten Einblick in das Wesen des Architekten des jugoslawischen Zerfalls gibt." Patrik Volf, Falter, 26.03.04 "Es kommt nicht so oft vor, dass man ein Buch zu lesen beginnt und es nicht mehr aus der Hand legen möchte. Slavenka Drakulics engagierter Bericht "Keiner war dabei" gehört zu jener raren Spezies Literatur, die in klarer und eindringlicher Sprache jene Hintergründe des Zerfalls Jugoslawiens beleutet, die von dem Internationalen Tribunal in Den Haag abgehandelt werden. [...] Hier erlebt man Drakulic als eine Schriftstellerin von Graden. Ein Buch, das man tief beeindruckt schließt." Wolfgang Petritsch, Die Presse, 03.04.04 "...ein außerordentlich wichtiges und zutiefst verstörendes Buch - es trägt zur Zersetzung der bequemen Denkmuster bei, die das Grauen aus der Wahrnehmung des jüngsten europäischen Krieges ausfiltern." Karl-Peter Schwarz, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 02.06.2004

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Kundenrezensionen

Die hilfreichsten Kundenrezensionen
17 von 18 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Ein Kunde
Format:Gebundene Ausgabe|Von Amazon bestätigter Kauf
Drakulic' Buch betrachtet vor allem Täterfiguren des Kriegs in Kroatien und Bosnien, die in den Prozessen von den Haag zu Gericht stehen oder gesucht werden: den kleinen Mitläufer, der aus Angst um das eigene Leben tötet, die hetzerische Politikerin, die Armeeführer. Die Geschehnisse in Haag werden mit den Ereignissen im Krieg verflochten, die die Autorin meistens sehr überzeugend aus Gesprächen, Zeitungsmeldungen und Zeugenaussagen in eine Erzählung verwandelt.

Einer der Höhepunkte etwa ist die kurze, aber fürchterlich beklemmende Beschreibung des schicksalhaften Zusammentreffens von Ratko Mladic und dem niederländischen UNO-Truppenkommandanten, kurz vor dem Massaker von Srebrenica, basierend auf einem Video. Etwas weniger überzeugend ist das, wenn ihre Prosa in reine Spekulation abgleitet - wer was wann gedacht oder gefühlt hat, überhaupt wenn es sich um Angeklagte auf der Flucht oder um Tote handelt, kann sie kaum wissen. Ein etwas schaler Beigeschmack bleibt auch bei der Erzählung über den reuigen Srebrenica-Mittäter Drazen Erdemovic, dessen widersprüchliche Zeugenaussagen in diversen Prozessen unerwähnt bleiben. Dass er nach dem Kampf für so ziemlich alle Parteien des Bosnienkrieges noch immer als im Grunde netter Kerl geschildert wird, der halt zur falschen Zeit am falschen Ort war, löst auch etwas Kopfschütteln aus.

Das Buch ist daher wohl nicht als Reportage zu verstehen, sondern eher als Sammlung von "realitätsbasierten Erzählungen".

Die Autorin geht erfreulicherweise mit der bis heute nichtexistenten Vergangenheitsbewältigung der Kroaten (wonach es überhaupt keine kroatischen Kriegsverbrechen gab und selbst die übelsten Mörder Helden des Vaterlands sind) genauso hart ins Gericht wie mit der wehleidigen Opferpropaganda in Serbien.

Nach all dem Irrsin wirkt dann die schlussendliche Beschreibung des Lebens im Gefängnis in Haag umso bizarrer; Drakulic bleibt trotz oder wegen ihrer so intensiven Beschäftigung auf die Frage nach dem "warum" nur die Antwort "für nichts".

Wer sich für Tragödie am Balkan der 1990er-Jahre interessiert, wird an diesem Buch nicht vorbeikommen.
War diese Rezension für Sie hilfreich?
3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Erschreckend 30. August 2007
Format:Gebundene Ausgabe
Slavenka Drakulic hat ein beeindruckendes Buch geschrieben über Menschen die zu Monstern wurden. Als Aufhänger nimmt sie die Prozesse in Den Haag und Kroatien, die sie teilweise beobachtet hat. Ihre Eindrücke und Schilderungen über diese Menschen sind sehr eindringlich beschrieben. An manchen Stellen hat man jedoch das Gefühl, dass sie zuviel reininterpretiert, teilweise sogar Sätze formuliert, die die Verbrecher im Kopf hatten. An diesen Stellen merkt man dann doch die Literatin, vor allem wen sie über Gespräche zwischen Mladic und seiner Tochter berichtet, über Gedanken der selbigen vor ihrem Selbstmord. Dies wirkt manchmal konstruiert da mir da, im Gegensatz zum Anfang des Buches, das persönliche Beobachten der Personen fehlt. Mladic ist ja bekanntlich flüchtig.

Schön, dass es doch noch Menschen in Ex-Jugoslawien gibt, die ihre jüngste Vergangenheit reflektieren. Dies sollte viel stärker stattfinden, damit es in Zukunft nicht mehr zu solchen Gewaltexzessen kommt. Traurig ist, dass sie in Kroatien ob ihrer Aufrichtigkeit in diesem Buch sehr angefeindet wird. Den Menschen fällt es schwer mit den durch ihre Landsleute verübten Gräueln umzugehen. Man war immer nur "böse" weil es die anderen auch waren.

Solche Literatur sollte Pflicht für alle Schüler auf dem Balkan werden.
War diese Rezension für Sie hilfreich?
3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von TomLub
Format:Gebundene Ausgabe
Slavenka Drakulic schildert berichtsartig einzelne Verhörsituationen vor dem Kriegsverbrechertribunal in Den Haag.
Dabei wird nach der sächliche Schilderung ziemlich flott versucht, ein Bild von dem Menschen hinter der Anklagebank zu zeichnen - und manches Mal merkt man, dass die Autorin sonst eher Romane schreibt.

Nichtsdestotrotz bekommt man bei einigen, bei aller Phantasie dennoch sehr realistischen Geschichten echte Gänsehaut. Das Buch stimmt nachdenklich und macht Appetit auf mehr Informationen zum Balkan-Konflikt.

Auch für mich als Kroaten war wichtig, von den Greueltaten des "eigenen Volkes" zu lesen.

Sehr gut geeignet für Balkanier, die nach geschichtlichem input dürsten - aber auch für den Nicht-Betroffenen ein sicher spannendes Erzählwerk, was der Krieg aus uns imstande zu machen ist.
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Als Geschichtestudent schärft man mit der Zeit seinen Blick für die politischen... Lesen Sie weiter...
Vor 7 Monaten von DrHackebeil veröffentlicht
Blick in seelische Abgründe
Das Zeugnis des Drazen Erdemovic ist das aufwühlendste in dieser Reihe von Charakterstudien. Ein einfacher Soldat, der Befehle befolgt hat, bis er eine Blase am Daumen hatte... Lesen Sie weiter...
Veröffentlicht am 5. August 2009 von C. Kästner
Enttäuschend
Ich persönlich finde das Buch wirklich enttäuschend, realitätsfern und nicht authentisch. Lesen Sie weiter...
Veröffentlicht am 4. Januar 2009 von plema
Keiner - unser aller zweiter Vorname ???
Erstmal möchte ich der Autorin Beifall zollen für ihren Mut zur Analyse nicht nur in Bezug auf den gegenständlichen Krieg sondern unserer ach so tollen Gesellschaft... Lesen Sie weiter...
Veröffentlicht am 21. April 2008 von Melancholy rose
Mutig und beeindruckend
Slavenka Drakulic beschäftigt sich mit der Frage, die uns Europäer spätestens seit dem Zweiten Weltkrieg quält: wie macht der Krieg aus ganz normalen Menschen... Lesen Sie weiter...
Veröffentlicht am 12. April 2006 von AKF
durchaus lesenswert
Jeder von uns hat seine Vorurteile und seine Meinung zum Krieg im ehemaligen Jugoslawien und mir kommt es vor, keiner wird mit diesem Buch zu 100% übereinstimmen können. Lesen Sie weiter...
Am 21. Januar 2006 veröffentlicht
zu unklar
so interressant das buch auch scheint und die rezensionen dazu sind fehlt mir in dem buch doch wesentliches. Lesen Sie weiter...
Am 7. November 2005 veröffentlicht
Das Böse ist die Abwesenheit von Mitgefühl!
Slavenka Drakulic forscht in diesem Buch nach den Ursachen der Kriegsverbrechen auf dem Balkan in den 90er Jahren des vergangenen Jahrhunderts. Lesen Sie weiter...
Veröffentlicht am 24. September 2004 von Helga König
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