Oliver Tolmeins Buch bietet einen interessanten und anschaulichen Überblick über den Pflegenotstand und die Unterversorgung mit Schmerzmedikamenten sowie Palliativstationen und Hospizen.
Beim Thema Sterbehilfe macht er es sich aber eindeutig zu leicht: So lässt er völlig außer acht, dass das Leiden von fünf bis zehn Prozent aller Krebskranken auch durch noch so gute Schmerzmedikamente nicht gelindert werden kann. Diese Menschen sehnen deshalb den Tod als Erlösung ihrer Qualen herbei. Diese Zahlen bestätigen auch Palliativmediziner und Schmerztherapeuten hinter vorgehaltener Hand. Tolmein erwähnt ebenfalls nicht, dass manche Menschen die Begleitumstände ihres Sterbens als so entwürdigend empfinden, dass sie auch nicht mehr leben wollen. Ich habe mich auch gewundert, dass er dem niederländischen Modell ein ganzes kritisches Kapitel widmet, der Schweizer Regelung des begleiteten Suizids jedoch keine einzige Zeile. Die dortige Erfahrung, dass die bloße Aussicht auf ein sanftes und sicheres Medikament zur Selbsttötung sehr viele schwerstkranke Menschen beruhigt, sie "Ja" zum Leben sagen lässt und sie von einer Verzweiflungstat abhält, lässt Tolmein ebenfalls unerwähnt. Das ist mir zu einseitig.