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Einige nicht minder wichtige Aspekte vernachlässigt Schultke allerdings. Machtpolitisches Kalkül bewog die kriegsgebeutelte UdSSR, sich in ihrem Einflussbereich ein Glacis zu schaffen, besonders unter dem Eindruck der Remilitarisierungs- und NATO-Anbindungsbestrebungen der BRD, und so wurde die Demarkationslinie faktisch zur Staatsgrenze. Dabei war von Anfang an der polizeiliche Schusswaffengebrauch vorgesehen. Alle diesbezüglichen (auch im Buch dokumentierten) Verordnungen stehen jedoch, zumindest dem Wortlaut nach, in auffälligem Kontrast zum gerne kolportierten Wildwest-Manier assoziierenden Begriff "Schießbefehl". Ein damit zusammenhängendes Problem ist juristischer Art: Die angeklagten Mauerschützen beispielsweise sind, damals nach DDR-Recht handelnd, heute nach bundesrepublikanischen Gesetzen verurteilt worden. Grundlage: die sogenannte "Radbruchsche Formel", nach der "unrichtiges Recht" dann vorliege, wenn ein positives Gesetz in unerträglichem Maße zur Gerechtigkeit in Widerspruch steht. Gustav Radbruch hatte seine rechtsphilosophische Anschauung jedoch angesichts der Erfahrungen im Dritten Reich entwickelt. Der Vergleich der DDR mit Hitlerdeutschland und die daran anknüpfende Rechtsauffassung ist aber heikel.
Trotz dieser Mängel ist das Buch empfehlenswert, da es in knapper Form Einblick ins Thema gibt, statistisches Material und Dokumente liefert und Kontroversen durchaus zulässt. --Jürgen Grande
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