Keine halben Küsse mehr!: Roman und über 1 Million weitere Bücher verfügbar für Amazon Kindle . Erfahren Sie mehr

Möchten Sie verkaufen? Hier verkaufen
Keine halben Küsse mehr!
 
 
Beginnen Sie mit dem Lesen von Keine halben Küsse mehr!: Roman auf Ihrem Kindle in weniger als einer Minute.

Sie haben keinen Kindle? Hier kaufen oder eine gratis Kindle Lese-App herunterladen.

Keine halben Küsse mehr! [Taschenbuch]

Lorelei Mathias , Gertrud Wittich
3.4 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (5 Kundenrezensionen)

Erhältlich bei diesen Anbietern.


‹  Zurück zur Artikelübersicht

Produktbeschreibungen

Pressestimmen

„Ein witziges, unterhaltsames Buch, das bis zum Ende spannend bleibt.“ (www.trashionista.com )

Kurzbeschreibung

Jede Menge Männer. Und (fast) jeder eine Niete.

Manchmal kann schon ein Date das Leben einer Frau komplett verändern. Aber was passiert, wenn man gleich 28 Dates hat – an einem Abend? Amelie Holden hat sich diese Erfahrung nicht ausgesucht, eigentlich hat sie nach einer gescheiterten Beziehung den Männern sogar vollkommen abgeschworen. Doch dann muss sie eine Werbekampagne für eine Speed-Dating-Agentur kreieren und datet – selbstverständlich – rein beruflich. Manchmal lässt sich allerdings das Berufliche nicht so leicht vom Privaten trennen. Und manchmal findet man das Glück, wo man es am wenigsten erwartet …

Ein hoch unterhaltsamer Roman: zu Tränen rührend und zum Brüllen komisch!

Klappentext

"Ein witziges, unterhaltsames Buch, das bis zum Ende spannend bleibt."
trashionista.com

Über den Autor

Lorelei Mathias, geboren 1981 in der Nähe von London, studierte Literatur und Philosophie. Nach einem kurzen Aufenthalt in Australien ist sie nach London zurückgekehrt, wo sie in einer Werbeagentur arbeitet. „Keine halben Küsse mehr“ ist ihr erster Roman.

Leseprobe. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.

1. KAPITEL

Ticktack

»Jetzt reicht's mir aber! Wie lange kann es dauern, von Highgate Village bis hierher zu kommen?! Laut Fahrplan genau zehn Minuten! Und wie lange stehe ich mir hier schon die Beine in den Bauch?! Und diese blöde Blechschüssel will und will einfach nicht auftauchen!«
Amelie Holden merkte, dass sie mit ihrer Schimpftirade die Aufmerksamkeit aller Umstehenden auf sich gezogen hatte. Mit einem tiefen Seufzer ließ sie ihre schweren Einkaufstüten, Schal, Mantel und Sporttasche auf den Gehsteig vor der Bushaltestelle Highbury Corner plumpsen und bedachte den Obdachlosen, der es sich in dem Bushäuschen gemütlich gemacht hatte, mit einem gereizten Blick. Er prostete ihr verschmitzt mit seiner Bierdose zu. Ach, verzieh dich, dachte sie. Bloß weil du nicht gaaanz dringend vor fünf Minuten irgendwo hättest sein müssen. Wieder einmal.
Wieso, fragte sich Amelie ernsthaft, log die Anzeige eigentlich immer? Wieso stand da »Old Street, 10 Minuten«, wo man doch sehen konnte, wie die Zeit verrann? Sie hatte schließlich eine Uhr. Es war zum Verzweifeln - sie wieder einmal, sie und ihre verdammte Unpünktlichkeit. Und da stand ja immer noch Old Street, 10 - o nein, was war das denn? 14 Minuten! Ja, verging die Zeit denn langsamer? Fuhr der Bus etwa rückwärts??!
Amelie durchwühlte hektisch ihre Tüten auf der Suche nach ihrem Handy. Hastig tippte sie eine Textnachricht ein, immer mit einem Auge auf der Anzeigetafel.
Clairey - ist nicht so, als ob ich's diesmal nicht echt versucht hätte. Wäre pünktlich gewesen - überpünktlich sogar. Stehe aber jetzt schon seit buchstäblich sechs Jahren an dieser saublöden Bushaltestelle und warte auf den saublöden 271er. Komme sobald menschenmöglich. Wenn ihrs eilig habt, bestellt ruhig schon. Werde mich dann mit Erdnüssen begnügen, wie immer. Am x x x
Sie drückte auf »Senden« aber nichts geschah. Ach ja! Ihre Zahlkarte war ja leer. Und sie war nicht dazugekommen, sie aufzuladen.
»Scheiße«, zischte sie. »Das ist mal wieder typisch.«
In diesem Moment tauchte ein 43er auf, und Amelie überlegte kurz, ob sie nicht einfach den nehmen sollte, bloß um nicht länger hier rumstehen zu müssen. Der Bus würde sie ihrem Ziel - Hoxton - zumindest ein wenig näher bringen. Aber nein. Das hatte sie einmal gemacht und bitter bereut. Sie war an einer ihr völlig unbekannten Haltestelle ausgestiegen und hatte von dort eine Ewigkeit gebraucht, um zu ihrem Ziel, dem Hoxton Square, zu finden. Am Ende war sie dann noch später angekommen, als wenn sie auf den 271er gewartet hätte. Nein, so war's besser.
Und sie hatte die Geschenke schon eingepackt, das war wenigstens etwas. Meist hantierte sie nämlich noch im Bus mit Schere und Tesa herum. Aber die Karte! Ja, die Karte könnte sie jetzt schnell schreiben, während sie wartete. Eifrig begann sie in ihrer überquellenden Handtasche zu kramen, wühlte sich durch Berge von zerzausten Tempos, Haftzettelchen und Schminkzeug. Sie konnte die Karte mit den Fingerspitzen fühlen, ganz unten steckte sie. Da half alles nichts: Amelie ging in die Hocke und begann die Karte freizulegen, indem sie Schicht für Schicht abtrug und um sich herum auf dem Gehsteig ausbreitete. Da war zunächst einmal ein Paar braune Handschuhe (einer aus Leder, der andere aus Samt), ein Notizbüchlein (dessen Seiten alle vollgeschrieben waren), ein rosa Mini-iPod (mit leerer Batterie) und eine Bürste (sowie der dazugehörige abgebrochene Griff). Ja, jetzt konnte sie die Karte sehen. Doch gerade, als sie im Begriff war, sie herauszunehmen, nahm sie aus den Augenwinkeln wahr, wie die Leute um sie herum sich in Bewegung setzten. Offenbar war »Old Street, 14 Minuten« auch gelogen gewesen. Wie durch Zauberhand hatte sich der verschollene 271er materialisiert.
Hektisch begann sie, alles zusammenzuraffen und in ihre Tasche zurückzustopfen. Nach dem dritten Fehlversuch, den Reißverschluss der Handtasche zuzubekommen, gab sie auf, ließ das verflixte Ding offen und erhob sich. Gerade kletterte eine alte Dame mit Shopping-Trolley in den Bus, und zu ihrem Erstaunen und ihrer Empörung sah Amelie, dass der Busfahrer Anstalten machte, ihr die Tür vor der Nase zuzumachen. Und nicht etwa, weil der Bus schon zu voll war. Nein, dieser Fahrer gehörte zu der Sorte, der das Zittern bekommt, wenn mehr als zwei Leute im Gang stehen, weil das die Versicherung nicht mehr abdeckt. Während sich also die alte Dame mit diebischer Genugtuung auf den letzten freien Sitzplatz sinken ließ und zu dem wütenden, fassungslosen sechsundzwanzigjährigen Mädchen namens Amelie Holden hinausgrinste, das, mit Taschen beladen, zornig herumfuchtelte, ging die Bustüre, einen Millimeter vor Amelies Nasenspitze, auch schon zu. Amelie machte einen letzten Versuch, das Herz des Busfahrers zu erobern: Sie
schlug mit der flachen Hand an die Türscheibe. Aber der Bus hatte sich bereits in Bewegung gesetzt.
»Scheiße!«, wiederholte Amelie aus tiefstem Herzensgrunde, trat zurück und ließ sich entnervt auf die Wartebank plumpsen. Verdammte Busfahrer, dachte sie, sagte es aber nicht, denn sie wusste, wenn sie nicht wieder einmal versucht hätte, in letzter Minute alles mögliche gleichzeitig zu erledigen, dann säße sie jetzt in diesem Bus. Prost Neujahr!, dachte sie zynisch und spürte dabei, wie ihr zwei Tage alter Katzenjammer - der Preis einer feuchtfröhlichen Silvesternacht - jäh wieder zum Leben erwachte.

Eine halbe Stunde später platzte Amelie mit zerzausten braunen Locken und hochroten Wangen ins Shish Bar & Grill.
»Sorry, Herzchen, alles Gute zum Geburtstag! Sorry, aber der Bus war die reinste Katastrophe. Ich hab versucht, dir eine SMS zu schicken, aber ich hatte leider keinen Saft mehr auf dem Handy.«
»Läufst immer noch mit leerer Prepaidkarte rum, was?«, sagte Claire, ihre älteste und beste Freundin gutmütig, während sie sich umarmten. Amelie war mit Claire und deren Lebensgefährten, Dan, zu einem späten Lunch verabredet, um Claires Geburtstag zu feiern, bevor die beiden zu einem romantischen Kurzurlaub nach Paris aufbrachen.
»Ja, ja. Aber ich habe mir fest vorgenommen, sobald wie möglich einen festen Vertrag mit einer Telefongesellschaft abzuschließen! Sobald ich dazu komme! Was wollt ihr trinken?«
»Wir haben uns schon eine Flasche Pinot bestellt«, sagte Dan. »Nimm dir ein Glas und trink mit! Wir haben noch nicht richtig bestellt, erst mal nur Knoblauchbrot, du kannst also noch in die Speisekarte schauen - aber lass dir nicht zu viel Zeit, Schätzchen, wir müssen schließlich unseren Zug kriegen.«
Solche Kommentare war Amelie gewöhnt, die bekam sie oft zu hören. Sie wusste selbst, dass sie die Königin der Unentschlossenen war. Hätte es eine diesbezügliche Olympiade gegeben, sie hätte locker die Goldmedaille gewonnen, ganz besonders in der Disziplin »Essensbestellung in Restaurants«. »Nein, nein, ich mache ganz fix, versprochen. Ich weiß sowieso schon, was ich möchte, ehrlich. Will nur noch sehen, was sie sonst noch haben.«
Mit dem Gedanken, dass sie definitiv Lust auf einen Salade Niçoise habe, bummelte Amelie durch die Speisekarte. Aber was nahmen die anderen beiden? Davon hing alles ab.
»Ich nehme eine Pizza, die Vier-Jahreszeiten, und Dan nimmt ein Steak«, sagte Claire hastig, denn sie wusste, dass davon alles abhing.
»Wenn das so ist, dann nehme ich Pasta. Oder Lasagne. Nein, nein - doch den Salade Niçoise. Genau. Das ist es. Ich habe mich entschieden.«
Der Kellner tauchte an ihrem Tisch auf. Sie nannten ihre Bestellung, Amelie zuerst. Als der Kellner, ein schüchterner italienischer Jüngling, alles notiert hatte, las er ihre Wünsche noch einmal laut vor.
»Ja, genau, danke schön«, sagte Dan. Der Kellner lächelte und wandte sich zum Gehen.
»Ach«, stieß Amelie plötzlich hervor. Ihr war eingefallen, dass sie ja immer noch unter diesem Kater litt, der jämmerlich nach Kohlehydraten maunzte. »Momentchen noch. Nein. Sorry, dass ich so eine Nervensäge...

Auszug aus Keine halben Küsse mehr! von Lorelei Mathias, Gertrud Wittich. Copyright © 2008. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.

1. KAPITEL

Ticktack

»Jetzt reicht's mir aber! Wie lange kann es dauern, von Highgate Village bis hierher zu kommen?! Laut Fahrplan genau zehn Minuten! Und wie lange stehe ich mir hier schon die Beine in den Bauch?! Und diese blöde Blechschüssel will und will einfach nicht auftauchen!«
Amelie Holden merkte, dass sie mit ihrer Schimpftirade die Aufmerksamkeit aller Umstehenden auf sich gezogen hatte. Mit einem tiefen Seufzer ließ sie ihre schweren Einkaufstüten, Schal, Mantel und Sporttasche auf den Gehsteig vor der Bushaltestelle Highbury Corner plumpsen und bedachte den Obdachlosen, der es sich in dem Bushäuschen gemütlich gemacht hatte, mit einem gereizten Blick. Er prostete ihr verschmitzt mit seiner Bierdose zu. Ach, verzieh dich, dachte sie. Bloß weil du nicht gaaanz dringend vor fünf Minuten irgendwo hättest sein müssen. Wieder einmal.
Wieso, fragte sich Amelie ernsthaft, log die Anzeige eigentlich immer? Wieso stand da »Old Street, 10 Minuten«, wo man doch sehen konnte, wie die Zeit verrann? Sie hatte schließlich eine Uhr. Es war zum Verzweifeln - sie wieder einmal, sie und ihre verdammte Unpünktlichkeit. Und da stand ja immer noch Old Street, 10 - o nein, was war das denn? 14 Minuten! Ja, verging die Zeit denn langsamer? Fuhr der Bus etwa rückwärts??!
Amelie durchwühlte hektisch ihre Tüten auf der Suche nach ihrem Handy. Hastig tippte sie eine Textnachricht ein, immer mit einem Auge auf der Anzeigetafel.
Clairey - ist nicht so, als ob ich's diesmal nicht echt versucht hätte. Wäre pünktlich gewesen - überpünktlich sogar. Stehe aber jetzt schon seit buchstäblich sechs Jahren an dieser saublöden Bushaltestelle und warte auf den saublöden 271er. Komme sobald menschenmöglich. Wenn ihrs eilig habt, bestellt ruhig schon. Werde mich dann mit Erdnüssen begnügen, wie immer. Am x x x
Sie drückte auf »Senden« aber nichts geschah. Ach ja! Ihre Zahlkarte war ja leer. Und sie war nicht dazugekommen, sie aufzuladen.
»Scheiße«, zischte sie. »Das ist mal wieder typisch.«
In diesem Moment tauchte ein 43er auf, und Amelie überlegte kurz, ob sie nicht einfach den nehmen sollte, bloß um nicht länger hier rumstehen zu müssen. Der Bus würde sie ihrem Ziel - Hoxton - zumindest ein wenig näher bringen. Aber nein. Das hatte sie einmal gemacht und bitter bereut. Sie war an einer ihr völlig unbekannten Haltestelle ausgestiegen und hatte von dort eine Ewigkeit gebraucht, um zu ihrem Ziel, dem Hoxton Square, zu finden. Am Ende war sie dann noch später angekommen, als wenn sie auf den 271er gewartet hätte. Nein, so war's besser.
Und sie hatte die Geschenke schon eingepackt, das war wenigstens etwas. Meist hantierte sie nämlich noch im Bus mit Schere und Tesa herum. Aber die Karte! Ja, die Karte könnte sie jetzt schnell schreiben, während sie wartete. Eifrig begann sie in ihrer überquellenden Handtasche zu kramen, wühlte sich durch Berge von zerzausten Tempos, Haftzettelchen und Schminkzeug. Sie konnte die Karte mit den Fingerspitzen fühlen, ganz unten steckte sie. Da half alles nichts: Amelie ging in die Hocke und begann die Karte freizulegen, indem sie Schicht für Schicht abtrug und um sich herum auf dem Gehsteig ausbreitete. Da war zunächst einmal ein Paar braune Handschuhe (einer aus Leder, der andere aus Samt), ein Notizbüchlein (dessen Seiten alle vollgeschrieben waren), ein rosa Mini-iPod (mit leerer Batterie) und eine Bürste (sowie der dazugehörige abgebrochene Griff). Ja, jetzt konnte sie die Karte sehen. Doch gerade, als sie im Begriff war, sie herauszunehmen, nahm sie aus den Augenwinkeln wahr, wie die Leute um sie herum sich in Bewegung setzten. Offenbar war »Old Street, 14 Minuten« auch gelogen gewesen. Wie durch Zauberhand hatte sich der verschollene 271er materialisiert.
Hektisch begann sie, alles zusammenzuraffen und in ihre Tasche zurückzustopfen. Nach dem dritten Fehlversuch, den Reißverschluss der Handtasche zuzubekommen, gab sie auf, ließ das verflixte Ding offen und erhob sich. Gerade kletterte eine alte Dame mit Shopping-Trolley in den Bus, und zu ihrem Erstaunen und ihrer Empörung sah Amelie, dass der Busfahrer Anstalten machte, ihr die Tür vor der Nase zuzumachen. Und nicht etwa, weil der Bus schon zu voll war. Nein, dieser Fahrer gehörte zu der Sorte, der das Zittern bekommt, wenn mehr als zwei Leute im Gang stehen, weil das die Versicherung nicht mehr abdeckt. Während sich also die alte Dame mit diebischer Genugtuung auf den letzten freien Sitzplatz sinken ließ und zu dem wütenden, fassungslosen sechsundzwanzigjährigen Mädchen namens Amelie Holden hinausgrinste, das, mit Taschen beladen, zornig herumfuchtelte, ging die Bustüre, einen Millimeter vor Amelies Nasenspitze, auch schon zu. Amelie machte einen letzten Versuch, das Herz des Busfahrers zu erobern: Sie
schlug mit der flachen Hand an die Türscheibe. Aber der Bus hatte sich bereits in Bewegung gesetzt.
»Scheiße!«, wiederholte Amelie aus tiefstem Herzensgrunde, trat zurück und ließ sich entnervt auf die Wartebank plumpsen. Verdammte Busfahrer, dachte sie, sagte es aber nicht, denn sie wusste, wenn sie nicht wieder einmal versucht hätte, in letzter Minute alles mögliche gleichzeitig zu erledigen, dann säße sie jetzt in diesem Bus. Prost Neujahr!, dachte sie zynisch und spürte dabei, wie ihr zwei Tage alter Katzenjammer - der Preis einer feuchtfröhlichen Silvesternacht - jäh wieder zum Leben erwachte.

Eine halbe Stunde später platzte Amelie mit zerzausten braunen Locken und hochroten Wangen ins Shish Bar & Grill.
»Sorry, Herzchen, alles Gute zum Geburtstag! Sorry, aber der Bus war die reinste Katastrophe. Ich hab versucht, dir eine SMS zu schicken, aber ich hatte leider keinen Saft mehr auf dem Handy.«
»Läufst immer noch mit leerer Prepaidkarte rum, was?«, sagte Claire, ihre älteste und beste Freundin gutmütig, während sie sich umarmten. Amelie war mit Claire und deren Lebensgefährten, Dan, zu einem späten Lunch verabredet, um Claires Geburtstag zu feiern, bevor die beiden zu einem romantischen Kurzurlaub nach Paris aufbrachen.
»Ja, ja. Aber ich habe mir fest vorgenommen, sobald wie möglich einen festen Vertrag mit einer Telefongesellschaft abzuschließen! Sobald ich dazu komme! Was wollt ihr trinken?«
»Wir haben uns schon eine Flasche Pinot bestellt«, sagte Dan. »Nimm dir ein Glas und trink mit! Wir haben noch nicht richtig bestellt, erst mal nur Knoblauchbrot, du kannst also noch in die Speisekarte schauen - aber lass dir nicht zu viel Zeit, Schätzchen, wir müssen schließlich unseren Zug kriegen.«
Solche Kommentare war Amelie gewöhnt, die bekam sie oft zu hören. Sie wusste selbst, dass sie die Königin der Unentschlossenen war. Hätte es eine diesbezügliche Olympiade gegeben, sie hätte locker die Goldmedaille gewonnen, ganz besonders in der Disziplin »Essensbestellung in Restaurants«. »Nein, nein, ich mache ganz fix, versprochen. Ich weiß sowieso schon, was ich möchte, ehrlich. Will nur noch sehen, was sie sonst noch haben.«
Mit dem Gedanken, dass sie definitiv Lust auf einen Salade Niçoise habe, bummelte Amelie durch die Speisekarte. Aber was nahmen die anderen beiden? Davon hing alles ab.
»Ich nehme eine Pizza, die Vier-Jahreszeiten, und Dan nimmt ein Steak«, sagte Claire hastig, denn sie wusste, dass davon alles abhing.
»Wenn das so ist, dann nehme ich Pasta. Oder Lasagne. Nein, nein - doch den Salade Niçoise. Genau. Das ist es. Ich habe mich entschieden.«
Der Kellner tauchte an ihrem Tisch auf. Sie nannten ihre Bestellung, Amelie zuerst. Als der Kellner, ein schüchterner italienischer Jüngling, alles notiert hatte, las er ihre Wünsche noch einmal laut vor.
»Ja, genau, danke schön«, sagte Dan. Der Kellner lächelte und wandte sich zum Gehen.
»Ach«, stieß Amelie plötzlich hervor. Ihr war eingefallen, dass sie ja immer noch unter diesem Kater litt, der jämmerlich nach Kohlehydraten maunzte. »Momentchen noch. Nein. Sorry, dass ich so eine Nervensäge bin, aber könnte ich vielleicht doch lieber die Pizza haben? Eine Quattro Stagione, bitte«, sagte sie mit einem entschuldigenden Lächeln.
Claire und Dan wechselten einen gutmütig-entnervten Blick. Dan ergriff unter dem Tisch Claires Hand und drückte sie zärtlich. »Also, Amelie. Morgen geht's wieder in die Arbeit, nicht?«
»Erinnere mich bloß nicht daran! Und ihr dagegen werdet in ein paar Stunden in Paris sein! Ich bin fürchterlich neidisch.«
»Fängt diese Woche nicht auch dieses australische Wunderkind als neuer Creative Director bei euch an?«
»Erinnere mich daran bitte auch nicht! Duncan und mir graust es jetzt schon.«
»Ach, so schlimm wird's schon nicht werden«, beschwichtigte Claire optimistisch. »Man weiß ja nie, etwas frisches Blut kann eurer Werbeagentur vielleicht nur guttun. Ach ja, übrigens, wie war die Silvesterparty bei deiner Schwester?«
»Toll, echt toll«, antwortete Amelie. »Wirklich schade, dass ihr's nicht mehr geschafft habt. Hab mir nur leider eine ordentliche Alkoholvergiftung geholt. Mann! Bin gestern den ganzen Tag im Bett gelegen und konnte erst heute früh wieder was zu mir nehmen. Ich weiß nicht, was Lauren in den Punsch getan hat, aber es war sicher nicht etwas, das man oral zu sich nehmen sollte - mein Magen hat mir noch immer nicht verziehen!«
»Hier, iss ein bisschen Knoblauchbrot, das hilft«, sagte Dan kauend und schob ihr den Brotkorb hin.
»Und - irgendwelche netten Männer auf der Party?«, erkundigte sich Claire.
»Nicht dass ich wüsste. Aber ich bin im Moment sowieso nicht auf der Suche«, sagte Amelie, die am liebsten das Thema gewechselt hätte.
»Aber genau dann passiert's doch meistens, oder? Wenn man gar nicht auf der Suche ist«, bohrte Claire.
»Nicht dieses Jahr. Ich habe nämlich einen Vorsatz für dieses Jahr«, verkündete Amelie stolz.
»Und der wäre?«, fragte Dan, während Claire mit einem leicht besorgten Gesichtsausdruck zuhörte.
»Also, ich habe beschlossen, keine Halbheiten mehr zu machen. Alles oder nichts, das ist meine neue Devise! Ich habe da diesen Artikel gelesen, an Silvester, und der hat mich zum Grübeln gebracht. Dort stand, dass man sich statt auf viele kleine Dinge lieber auf eine einzige große Sache konzentrieren sollte. Also werde ich mich in diesem Jahr ganz auf meine Karriere konzentrieren. Natürlich werde ich mich weiterhin mit Familie und Freunden treffen, aber der Job wird bei mir an erster Stelle stehen.«
Claire und Dan tauschten wissende Blicke. Amelie nahm einen Schluck Wein und spürte, wie ihr Kater dankbar schnurrte.
Sie fuhr fort: »Und dann, nächstes Jahr, ist meine Wohnung dran. Das Jahr der Wohnung. Ich werde mir endlich Vorhänge zulegen, vielleicht ein bisschen Do-it-yourself probieren. Und dann, im Jahr drauf, kümmere ich mich um mein Liebesleben.«
»Amelie, wo hast du denn diesen Blödsinn gelesen?«, fragte Dan.
»Weiß nicht mehr. In einer Beilage oder so. Nein, jetzt mal ernst, wenn ich so zurückschaue und sehe, mit was für Idioten und Schwachköpfen ich letztes Jahr ausgegangen bin, und keiner davon konnte Jack das Wasser reichen. Nicht annähernd. Und wenn man bedenkt, wie viel Zeit dabei draufgeht, sich jedes Mal für ein Outfit zu entscheiden, über E-Mails und Textnachrichten zu brüten und der ganze Unsinn, Mann! Damit geht ja das halbe Leben drauf! Zeit, die ich viel konstruktiver nutzen könnte! Noch dazu, wo ich überhaupt noch keine Lust auf eine feste Beziehung habe.« Amelie hielt inne, stärkte sich mit einem Schluck Wein und stürzte sich ins Schlussplädoyer: »Na jedenfalls, mir ist Eines klar geworden: Ich kann was Besseres mit meiner Zeit anfangen. Ich will in meinem Leben noch so viel machen! Ich habe keine Lust mehr, meine Zeit mit irgendwelchen Typen zu verschwenden, bei denen ich von vorneherein weiß, dass sie überhaupt nicht zu mir passen.«
»Amelie«, quiekte Claire, »was redest du da für einen Blödsinn! Dieser Artikel ist doch bloß ein Vorwand: In Wahrheit bist du noch immer nicht über Jack weg. Herzchen, es wird Zeit, dass du den Mann vergisst. Das ist jetzt drei Jahre her. Drei Jahre. Versuch's doch mal damit: Hör auf, seinen Klon zu suchen. Hör auf, nach jemandem zu suchen, bei dem du das findest, was du in deiner einst perfekten Beziehung hattest. Bloß weil jemand anders ist als Jack, heißt das noch lange nicht, dass er nicht einen Versuch wert wäre.«
»Großer Gott!! Hier geht's doch nicht um Jack! Du hast mir überhaupt nicht zugehört, oder?«, rief Amelie erbost und atmete gleichzeitig auf, denn in diesem Moment wurde ihr Essen gebracht.

»Amelie, es hängt alles von Ihnen ab.« Joshua Grants Stimme riss Amelie aus ihren Tagträumen und ins stressige Hier und Jetzt des Landes, in dem die Reklame blüht. Ihr zerstreuter Blick erfasste das Infoblatt, mit dem der neue Creative Director vor ihrer Nase herumwedelte. Sie zuckte zusammen. Damit bombardierte er sie schon seit Tagen. Ein Infoblatt nach dem anderen. Ungeachtet ihrer Reaktion fuhr Josh mit seiner Tirade fort.
»Holden, wir haben ein Problem.« Er legte eine wirkungsvolle kleine Pause ein. »Die Präsentation für den Klienten findet in weniger als vier Wochen statt, und was wir bis jetzt an Material zu bieten haben, würde nicht mal die jämmerlichste, verzweifeltste alte Jungfer dazu bringen, in die Puschen zu
kommen und sich auf die Suche nach einem Mann zu begeben. Nicht mal, wenn das Überleben der gesamten Weltbevölkerung davon abhinge!« Aufgeregt auf und ab gehend legte er den vierten Gang ein.
»Amelie, Sie müssen sich was einfallen lassen, was die Konkurrenz förmlich hinwegfegt.« In seine Augen trat ein träumerischer Ausdruck, und alles um sich herum vergessend schwärmte er: »Wir müssen die Leute davon überzeugen, dass sie einsam sind, selbst wenn sie's nicht sind. Wir müssen einen Weg in ihre Herzen finden, ihren Verstand, ihre Seele. Wir müssen sie davon überzeugen, dass sie einsam und allein sind und einer einsamen, leeren Zukunft entgegensehen ...«
Er holte tief Luft und blickte, am Fenster stehend, auf das hektische Treiben auf dem Soho Square hinab. Dann beendete er sein leidenschaftliches Plädoyer mit den Worten: »Wir brauchen eine Werbekampagne, die die Leute dazu zwingt, den Hintern hochzukriegen und sich ihren Mr oder ihre Mrs Right zu schnappen, bevor es zu spät ist ... bevor ihnen Pantoffeln wachsen, sie Moos ansetzen und für den Rest ihrer Tage vor dem Kamin sitzen und heiße Schokolade schlürfen!«
Amelie schaute ihren Partner Duncan an, der mit Hingabe sinnlose Schnörkel auf seinen Notizblock malte, und verdrehte die Augen. Da richtete er sich auf und schürzte höchste Aufmerksamkeit vor.
»Ich höre Sie ja, Joshua, ehrlich«, sagte Amelie. »Und wir sind ja auch an dem Fall dran. Aber glauben Sie nicht, wir brächten schneller was zustande, wenn Sie uns ein klitzekleines bisschen mehr in Ruhe lassen würden? Dann wären wir dieser Kampagne, von der offensichtlich unser Überleben abhängt, doch schon ein gutes Stück näher gekommen, oder?«
Josh, der sich von Amelies frecher Antwort nicht aus der Ruhe bringen ließ, warf das Infoblatt über Fast Love - Englands neuestes und ehrgeizigstes Speed-Dating-Unternehmen - auf den Schreibtisch und verzog sein Gesicht zu einem anzüglichen Grinsen. »Noch vier Wochen bis D-Day, Kleine. Dann strengen Sie Ihr hübsches Köpfchen mal schön an.«
Amelie verzog das Gesicht und blickte böse hinter der entschwindenden Gestalt im makellosen schwarzen Armani-Zwirn her. Zum zwölften Mal in diesem Jahr (dabei war erst Januar) fragte sie sich, wieso Josh - der frisch rekrutierte neue Creative Director der Agentur - ausgerechnet ihr gegenüber so herablassend war. Denn zu all den anderen Copywritern war er höflich und respektvoll - nur zu ihr nicht.
»Ach, komm, lass dich von dem doch nicht aus der Ruhe bringen«, riet Duncan, der spürte, wie verärgert Amelie war, diplomatisch. »Wir können nicht mehr tun, als unser Bestes geben.«
Auf Duncan war Verlass, wenn es galt, Amelies überschäumendes Temperament zu zügeln, das sie leider schon allzu oft in Schwierigkeiten gebracht hatte. Wo Amelie dazu neigte, sich zu sorgen und jede Kleinigkeit zu Tode zu analysieren, war Duncan das genaue Gegenteil: Er war die Ruhe selbst, immer optimistisch, diplomatisch und besaß eine wahrhaft engelsgleiche Geduld.
Doch diesmal schien es so, als ließe sich Amelies Temperament nicht mehr länger beschwichtigen. Zornig strich sie ein paar Locken, die sich aus ihrer wilden schokobraunen Mähne gelöst hatten, aus dem Gesicht und überflog das Infoblatt. Klar werden wir unser Bestes geben, dachte sie bei sich. Aber selbst wenn Joshua Grant in Sydney ein Wunderkind gewesen sein mag, das gibt ihm noch lange nicht das Recht uns zu behandeln, als wären wir geistig minderbemittelt. Und das noch bevor er ausgepackt, geschweige denn seinen Wert als Leitwolf unter Beweis gestellt hat.
In den drei Jahren, seit sie bei LGMK (Lewis Gibbs Myers Kirby Advertising) angefangen hatte, gab es kaum einen Fall, in dem sie und Duncan nicht die zündende Idee beigesteuert hätten, mit der sie am Ende der Agentur den Auftrag gesichert hatten. Amelie war sogar der Meinung, dass sie und ihr Partner Duncan - der Grafiker des Teams - die beste Kreativpaarung waren, die die Agentur besaß. Und wenn man das bedachte, dann war diese letzte Rede von Josh - und dieses blöde Infoblatt! - schon ein wenig merkwürdig.
»Aber jetzt mal im Ernst, Dunc, was für ein blöder Name ist das? Fast Love!«, beschwerte sich Amelie und blickte von dem Infoblatt auf. »Ich meine, wie sollen wir die Leute dazu kriegen, die Sache ernst zu nehmen - bei so einem Namen?! Und verrate mir eins: Funktioniert das wirklich, dieses Speed-Dating? Machen die Leute das? Ich dachte, das wär bloß ein urbaner Mythos!«
»Amelie, du lebst hinterm Mond. Das ist in der heutigen hektischen, karriereorientierten Zeit die beste Methode, um den Partner fürs Leben zu finden«, zitierte Duncan spöttisch.
»Wer sagt das?«
»Das steht hier in dieser Zeitschrift, Glamour: >Wie ich in drei Minuten den Mann meines Lebens fand<, sagt die >überglückliche Gemma aus Chiswick<. Und diese Sites, die ich durchforstet habe, die sind auch voll des Lobes. Da heißt es beispielsweise, dass SpeedDater Uk bis dato die erfolgreichste Firma war, dass Fast Love ihr aber allmählich den Rang abläuft. Die wollen die Nummer Eins werden. Und, wie Josh sagt, da kommen wir ins Spiel.«
»Speed-Dating ... Wie speedy, wie schnell ist das eigentlich? Und wie viele Dates kriegt man da pro Abend?«

‹  Zurück zur Artikelübersicht