Aus der Beratung im Krisenmanagement ist mir das Thema "Scheitern" sehr gut bekannt. Leider habe ich den Teil für meine Kunden, wie man den souveränen Umgang damit lernen könne, nicht wirklich gefunden. Trotzdem hat mir das Buch insgesamt sehr gut gefallen.
Warum? Es zeigt deutlich auf, dass es in unserer Zeit für jeden, immer und überall die Möglichkeit gibt zu scheitern. Vorhaben, die nicht wie gedacht verlaufen, oder die Krise in der Mitte des Lebens, ob man denn wohl alles richtig gemacht habe bzw. vielleicht doch vieles falsch, oder aus Angst gar nichts zu entscheiden und trotzdem in der Furcht zu leben, dass auch diese (Nicht-)Entscheidung falsch sein kann.
FAZIT: Was scheitern bedeutet ist eine Frage der eigenen individuellen Bewertung. Selbst Menschen mit Bilderbuchkarrieren und großem Vermögen stellen sich manchmal die Frage, ob Sie nicht gescheitert sind, da sie irgendwann erkennen, dass sie eine andere Vorstellung von ihrem Leben hatten oder auch etwas ganz anderes hätten machen können, was ihnen mehr Glück, Zufriedenheit, Freiheit gebracht hätte.
Sehr schön und ausführlich ist auch die Entwicklung und Historie des Denkens über das persönliche Scheitern dargestellt. Was früher gottgegeben war wurde erst mit der Möglichkeit zu denken, man könne seine persönliche Zukunft selbst gestalten, auch gleichzeitig eine Möglichkeit um zu scheitern.
Der Schwerpunkt des Buches liegt in vielen Geschichten aus der Vergangenheit über meist bekannte Persönlichkeiten oder Romanfiguren, die speziell unter dem Gesichtspunkt des Scheiterns auf eine sehr interessante Art beleuchtet werden. Das Ganze ist unterhaltsam zu lesen.
Kurz ist der wichtige Punkt der Gefühle zum Zeitpunkt des Scheiterns gestreift. Mit wenigen Worten, jedoch sehr klar wird herausgearbeitet, dass das Scheitern für den betroffenen Menschen meist bedeutet seine bisherige Handlungsweise und damit meist auch sich selbst in Frage zu stellen. In dieser Situation, wo er scheinbar alles falsch gemacht hat, gerade dann ist es am Notwendigsten eine neue Orientierung zu finden. Doch wie und wohin? Haben doch seine ganze Erfahrung nur zum Scheitern geführt. Gerade in dieser Zeit ist ein guter Freund, eine beste Freundin von unschätzbarem Wert.
Das Thema "sich etwas vormachen" ist elegant verpackt dargestellt, da es ein wichtiges Kriterium für das Scheitern ist. Scheitern bedeutet nicht schon eine andere Vorstellung von der künftigen Entwicklung zu haben, als die, die dann kommt. Wirkliches Scheitern ist häufig darauf zurück zu führen, dass liebgewonnene jedoch unpassende Verhaltensweisen nicht aufgeben werden, die Situation nicht objektiv zu betrachtet wird, die vorhandenen Rahmenbedingungen und Veränderungen nicht zu akzeptiert werden und weil teilweise sogar in eine Scheinwelt abgetaucht wird.
Auch wird auf das Lernen durch das Scheitern eingegangen. Ebenfalls wird die Chance beschrieben, gestärkt aus der Krise herauszukommen. Dies wird von den Gescheiterten fast ausschließlich nur dann so gesehen, wenn sie sich nach der Krise sichtbar erholt haben.
So macht das Buch, nachdem es aufzeigt, das Scheitern heutzutage jeden Menschen treffen kann, etwas ironisch bzw. mit Humor darauf aufmerksam, dass nach dem Scheitern die Möglichkeit besteht beim nächsten Mal besser zu scheitern. Das mag zwar etwas beruhigen, hilft jedoch nicht wirklich. Damit bleibt es wie es schon immer war: Über das Scheitern spricht es sich am leichtesten, wenn man nicht oder nicht mehr davon betroffen ist.