Philippe Liorets ergreifendes Familiendrama mit leichten Thriller-Untertönen ist einer der großen Geheimtipps des Jahres 2007. Es ist eine realistisch erzählte Geschichte, nüchtern und unauffällig inszeniert, aber mit fabelhaften Akteuren, die allesamt völlig glaubwürdig sind. Es ist ein Film der ruhigen Töne, der dennoch straff inszeniert ist, wodurch keine Langeweile aufkommt. Das Highlight des feinfühligen Streifens ist jedoch ganz klar Hauptdarstellerin Mélanie Laurent, die für ihre Rolle den César als beste französische Nachwuchsaktrice erhielt.
"Keine Sorge, mir geht's gut" (OT: Je vais bien, ne t'en fais pas) handelt von der 19-jährigen Lilli (Mélanie Laurent), die nach einem Spanienurlaub mit der Tatsache konfrontiert wird, dass ihr geliebter Zwillingsbruder Loic nach einem Streit mit ihren Eltern von Zuhause abgehauen ist. Lilli ist zu Beginn völlig perplex, verfällt nach einer Weile aber in eine tiefe Depression und muss nach einem Schwächeanfall in psychiatrische Behandlung gegeben werden, da sie schon seit Tagen nicht mehr gegessen hat. Sie erhält nun immer wieder Postkarten ihres Bruders, der von unterschiedlichen Orten in Frankreich schreibt. Nachdem sich ihre Lage gebessert hat, macht sie sich auf die Suche nach ihm. Dabei macht sie die Bekanntschaft mit Thomas (Julien Boisselier), der sich in Lilli verliebt hat.
Mehr sollte man auch wirklich nicht über die Handlung erfahren, da der Film einige interssante Wendungen nimmt, die scheinbar leider nicht jeden überzeugen. Der Schluss des Films ist immer wieder ein Kritikpunkt, da er in gewisser Weise die Glaubwürdigkeit der Handlung aufs Spiel setzt. Wenn man sich jedoch auf den Film einlässt, offenbart das Ende einen überraschenden emotionalen Punch, der lange nachwirkt. Der Film ist enorm eindringlich, u.a. da er so authentisch wirkt. Es fällt sehr leicht sich mit den Charakteren zu identifizieren, Durchschnittsmenschen, die mit sehr realen Problemen konfrontiert werden. Die Dialoge wirken authentisch, wie aus dem Leben gegriffen.
Ohne Zweifel ist es jedoch Mélanie Laurent, die den Film zu etwas ganz Besonderem macht. Laurent, die zu den begabtesten Jungdarstellerinnen Frankreichs zählt, liefert hier eine Galavorstellung ab. Eine Tour de Force, die den Zuschauer unweigerlich in den Bann zieht. Sie wirkt auf der einen Seite enorm fragil und verletzlich, hat aber auch eine sehr starke, souveräne und selbstbewusste Persönlichkeit. Jede Emotion wirkt bei ihr hundertprozent authentisch.
Es ist nicht verwunderlich, dass Quentin Tarantino die hübsche Französin für die Hauptrolle in seinem grandiosen neuen Streifen "Inglourious Basterds" besetzt hat, da die Rolle in diesem Film ähnliche Qualitäten aufweist.
"Keine Sorge, mir geht's gut" ist eine absolute Empfehlung, ein Film, der unter die Haut geht und fasziniert. Der Schluss ist vielleicht nicht jedermanns Sache, jedoch fällt es schwer, sich der Emotionalität der Geschichte zu entziehen. Zudem liefern auch die anderen Darsteller um Laurent, besonders Kad Medra (Willkommen bei den Sch'tis) in der Rolle des Vaters (César als bester Nebendarsteller 2007), starke Performances.