Lili und ihr Bruder Loïc waren einfach unzertrennlich, mochten die gleiche Musik, die gleichen Bücher, hatten eine wunderschöne Kindheit und waren auch noch im Teenageralter die besten Freunde.
Eines Tages allerdings verschwindet Loïc einfach, macht sich auf und davon, und Lili ist untröstlich, wird magersüchtig, will nicht mehr leben. Was sie rettet, ist die erste Postkarte von Loïc, ein Lebenszeichen, das sie aus ihrem tiefen Loch reißt. Sie nimmt eine Stelle als Supermarktkassiererin an, zieht dafür nach Paris, besucht mit Kollegen Partys.
Doch bei all dem leeren Selbstdarstellungsgerede fehlt ihr etwas, die kleinen Liebeleien, auf die sie sich einlässt, geben ihr hinterher immer nur ein Gefühl des Ausgenutztseins. Und eines Tages macht sie sich auf in die Normandie, wo Loïcs letzte Karten abgestempelt waren, um ihren Bruder zu suchen ... und entdeckt etwas, das ihre Eltern ihr verschwiegen haben ...
Ein kleines Büchlein, das mit weniger Leerzeilen noch mal deutlich kürzer ausgefallen wäre, mich aber auch ziemlich berührt hat.
Der Schreibstil ist sehr einfach gehalten, manchmal nervt die Aufzählung der Waren, die Lili auf ihrem Kassenband vorfindet, mit sämtlichen Markennamen, andererseits spiegelt das auch ihren Kosmos, ihre Lebenswirklichkeit. Zwischen den Zeilen spürt man die Liebe zu ihrem Bruder und ihre Verzweiflung, weil er nicht mehr da ist, gleichzeitig ist er in ihrem Kopf ständig präsent.
Ein wenig gestört haben mich ein paar Dinge, die ich unrealistisch fand, aber das "Gefühl" stimmt, obwohl die Erzählweise ganz unpathetisch ist.