Meine zweite Urlaubslektüre war Claudio Paglieri, der sowieso seit "Kein Espresso für Commssario Luciani" einer meiner Lieblingskrimiautoren ist! Obwohl er seinen anorektischen, miesepetrigen Commissario diesmal ganz schön weit von Genua wegführt und die Handlung meist zu einer Jahreszeit spielt, die selbst im heißesten Sommerurlaub eine erfrischende Gänsehaut bereitet.
Auch wieder ein Krimi für Leute, die nicht immer das ewig gleiche Commissario-Klischee aufgetischt bekommen wollen und keine Lust haben, dass zur Begründung der wildesten Verbrechen stets das Mafia-As aus dem Ärmel gezaubert wird. Es gibt auch genug andere Kriminalität und Korruption in unserem liebsten Urlaubsland.
So nett, genussfreudig und intuitiv Nelly Rosso ist, so kantig, genussfeindlich und verkopft ist Marco Luciani. Trotzdem ist er einem sympatisch, wohl, weil er so aufrichtig und ernsthaft nach dem rechten Weg sucht. Das ist irgendwie rührend. Witzigerweise haben Nelly und Luciani denselben Arbeitsplatz (das Polizeipräsidium im Foce-Viertel, habe ich mir auch angeguckt!), und sie scheinen sich dort auch zu begegnen ;-)
In "Keine Pizza für Commissario Luciani" (Focaccia hätte besser gepasst), greift Paglieri ein brisantes Thema auf: Kunstraub. Unglaublich raffiniert erzählt er aus verschiedenen Perspektiven von einem in den 60ern begangenen Kunstraub, der nun, 50 Jahre später, zwei Todesopfer fordert, die scheinbar nichts miteinander zu tun haben. Alles wird schön schnell zu den Akten gelegt (dafür gibt es in Italien Prämien, wie wir erfahren), aber unser guter Luciani hat sich mal wieder an einem Detail festgebissen, das ihm nicht einleuchtet, und lässt nicht locker, bis er nicht hinter des Rätsels Lösung gekommen ist. Parallel dazu hat er wieder mal einige private Probleme und Problemchen zu meistern, so zum Beispiel den Rauswurf aus seiner Wohnung, den Kummer um seinen (im letzten Band) ermordeten Vize Giampieri, eine Glutenallergie (wegen der er seine geliebte Focaccia nicht mehr essen darf) etc.
Was Paglieri auch in diesem Band wieder mal grandios macht, ist, neben, über, in der Handlung ein Motiv zu variieren, dass es eine reine Freude ist. In diesem Fall: "Gerechtigkeit" (nicht von ungefähr ist das geraubte Kunstwerk eine Statue der Gerechtigkeit). Und natürlich schreibt er einfach mit einem grandios trockenen und politisch oft wenig korrekten Humor.
Am Ende hat man eine spannende und witzige Lektüre genossen, viel über Italien erfahren, und ist zu dem Schluss gekommen, dass es manchmal nicht so einfach ist, darüber zu entscheiden, was nun eigentlich gerecht ist.