Als Heinichen-Fan wartet man fieberhaft auf den nächsten Roman und dann ist man zum ersten Mal schwer enttäuscht. Die permanente linksgestrickte politische Botschaft als Seitenfüller und die ständigen Berlusconi-Prügel ermüden, schlimmer: sie langweilen.
Überhaupt unterzieht Heinichen die meisten Charaktere, die so klar gezeichnet waren in den anderen Romanen, einer Komplettsanierung, die ihnen leider nicht bekommt, ob das nun den neuerlich fremdgehenden Proteo oder Galvano betrifft. Tobte Proteo in "Die Toten vom Karst" noch vor Wut und Eifersucht, als der Versicherungsvertreter Laura umgarnt, so nimmt er es in "Keine Frage des Geschmacks" nachgerade locker hin, sie nackt auf dem Schiff eines Gigolos aus dem Hafen segeln zu sehen.