Manfred Stelzig ist ein in der Fachwelt bekannter und anerkannter Psychotherapeut. Seine Spezialdisziplin ist das Psychodrama, jene von Moreno entwickelte Methode, die es Patient und Therapeut ermöglicht, psychische Zustände und Krisen in einen ganz bestimmten Ausdruck zu bringen und die Geschichte des Problems darzustellen. Über viele Jahre war Stelzig Lehrbeauftragter am berühmten Moreno-Institut in Überlingen am Bodensee. Seit 1991 leitet er den Sonderauftrag für Psychosomatische Medizin an der Universitätsklinik für Psychiatrie und Psychotherapie in Salzburg. Er ist besonders in Österreich ein mittlerweile bekannter Mann, weil er zusätzlich zu seinen zahlreichen wissenschaftlichen Beauftragungen und Tätigkeiten immer wieder populärwissenschaftliche Bücher schreibt, in denen er versucht, einem breiten Publikum zu vermitteln, was zur seelischen Gesundung nötig und möglich ist, zuletzt das Buch "Was die Seele glücklich macht" , das zum Bestseller avancierte.
In dem vorliegenden Buch "Keine Angst vor dem Glück" , das sich nahtlos an seinen Vorgänger anschließt, mit einigen unvermeidlichen Wiederholungen, geht Manfred Stelzig insbesondere der Frage nach, wie es kommt, dass trotz aller Fortschritte und Vereinfachungen, die die Menschen in den letzten Jahrzehnten in ihrem Alltag erfahren haben, sie dennoch immer unglücklicher und unzufriedener zu werden scheinen. Die Menschen, so sagt er, haben das Glück regelrecht verlernt, und sie haben stattdessen vielfältigen Techniken entwickelt, ihr persönliches und berufliches Unglück anderen zuzuschieben und für alles und jedes in ihrem Leben einen Schuldigen zu suchen, statt bei sich selbst anzufangen. Mit dieser Suche nach den Schuldigen verbringen manche Menschen ihr ganzes Leben, statt sich auf die Suche nach einer Lösung ihres Problems zu machen.
Die Menschen bleiben so oft ihr ganzes, immer länger werdendes Leben gefangen im Negativen, was natürlich ihrer Seele immer mehr schadet und so mit jedem weiteren Lebensjahr, mit jeder weiteren - negativ gedeuteten Erfahrung - ihren Zustand und ihre Lebensqualität verschlechtert.
Stelzig beschreibt zunächst in 20 kurzen, sehr gut lesbaren und verdaulichen Kapiteln das Phänomen der "Angst vor dem Glück", wie sich die Menschen durch verschiedene Haltungen, z. B. Opferrolle, Peterprinzip, der Vorstellung von der Erbsünde und letztlich über allem die Angst vor dem Tod, selbst und ihrem Glück im Wege stehen. Sehr hilfreich sind weiterhin 18 "Übungen zum Aufbau des Seelenhauses" und insgesamt 88, das Buch abschließende, in sich gut aufgebaute "Tipps für die seelische Gesundheit", mit zahlreichen sehr praktischen und auch praktikablen Hinweisen für den Alltag.
In Zwischenkapiteln erklärt er, auch hier sehr verständlich, psychologische, neurologische und chemische Erkenntnisse, die zum Verständnis des Problems nötig sind.
Alles in allem ein guter Ratgeber, dem man viele Leser wünscht und vor allen Dingen viele Nutzer. Denn ich kenne Menschen, die in den letzten 20 Jahren Hunderte solcher Ratgeber gelesen haben, deren persönliche Befindlichkeit sich aber nicht geändert hat, weil sie nie bereit waren, den ersten Schritt zur Veränderung zu tun.
Unabhängig von anderen, die Lebenssituation eines Menschen zweifellos prägenden und beeinflussenden sozialen Komponenten, ist es möglich, sein persönliches Glück zu finden. Das ist übrigens ein altes Wissen der Religionen, aber mit dem Verlust von deren Deutungskraft ist die Deutungshoheit an die Therapeuten übergegangen. Ob die Menschen insgesamt glücklicher werden ? Wenn ich in meinem Lebensumfeld mich umschaue, beschleichen mich da erhebliche Zweifel.