Bei der Kein Buch-Serie bin ich mir nicht so sicher, ob all die lobenden Stimmen auch wirklich von Leuten stammen, die sich die Zeit für die Bearbeitung nahmen. Wenn im Vorspann steht, dass dieses Produkt süchtig machen kann, dann möchte ich gerne einem Kein Buch-Abhängigen begegnen. Ihn zu erkennen sollte nicht allzu schwierig sein, muss er doch immer und überall ein Buch, Schere, Lineal, Klebstift, Schreibwerkzeug und ein paar Münzen auf sich tragen. Zudem muss er ebenso mit dem Neid der Besitzlosen und der Last von Anerkennung umgehen können. Sehr viel mehr steht in der Gebrauchsanweisung nicht. Außer der Mixtur, die laut den Herstellern aus 80% Fußball, 8% Mut, 5% Rasen, 4% Senf und 3% Spielerfrauen besteht. Die Überprüfung überlasse ich gerne anderen.
Zum Zielpublikum dieser Art von Humor gehöre ich offenbar nur beschränkt. Aber dafür erreichten mich die Kein Buch-Macher mit gestalterischen Mitteln. Karin Diederichsen überrascht mit einer großen Bandbreite schöpferischer Ideen, von denen wohl einige in meinem Gedächtnis hängen bleiben. Aber ich werde keine neuen Trinkspiele ins Programm aufnehmen, pfannenfertige Spielpläne nicht durch eigene ersetzen, keine Argumente gegen Frauenfußball suchen, die Inneneinrichtung meiner Wohnung nicht durch eine Torwand ergänzen, den Ersatzspielern keine Lektüretipps geben und eine Buchseite auch nicht als Erfrischungstuch nehmen, nur weil darauf eine Zitrone abgebildet ist.
Noch einige weitere Hinweise auf den Inhalt: Tanzschritte für Freudenjubel, Barcodes und Ausweise für die VIP-Lounge basteln, Papierflieger falten, Klugscheissersprüche sammeln, Bildergeschichte zeichnen, neue Fußballregeln erfinden, Gelb-Rot-Karte kreieren, mit Schlüsselszenen das Gedächtnis trainieren, selber eine Mauer aufbauen und auf den Fernseher kleben.
Mein Fazit: Geboten werden in diesem "Kein Buch 90 Dinge, die Fußball immer und überall zu einer runden Sache machen. Möglich, dass die Macher damit erneut einen Bestseller landen. Für wenig wahrscheinlich halte ich, dass es bei den Käufern zu den Kreativitätsschüben kommt, die offenbar mit diesem Buch ausgelöst werden sollen. Müsste ich den konkreten Nutzen bewerten, würde ich mich für maximal zwei Sterne entscheiden. Aber da nicht alles Sinn machen muss und ich offensichtlich nicht im Zentrum der Zielgruppe stehe, gibt es eben drei Sterne. Auch wegen der Gestaltung.