Janich attestiert den Naturwissenschaften eine Sprachvergessenheit: "Hirnforschung muß sogar in ihren harten naturwissenschaftlichen Teilen zur Kenntnis nehmen, daß sie selbst im Medium der Sprache stattfindet" (88), schreibt er und stellt zugleich fest, wie wenig in den verschiedenen Beiträgen mit klarer Begrifflichkeit und sauberer Trennung der Ebenen, auf denen geschrieben wird, gearbeitet wird. Diese Feststellung sowie sein Grundanliegen vermag Janich in dem 192-Seiten-Buch durchaus plausibel darzustellen. Auch erfreut die Feststellung, dass "die Lebenswelt mit ihrer Alltagssprache und mit ihrer sozialen Praxis (...) durch die Wissenschaft unhintergehbar" (177) sei.
Im Zentrum des Buches stehen die Analysen von 3 wesentlichen Ebenen des Diskurses: der Objektsprache (auf der die naturwissenschaftlichen Sachverhalte dargestellt werden), der Parasprache (die Ausdruck des Selbstverständnisses, der Programme und Ansprüche beinhaltet) und der Metasprache (die Reflexion der anderen beiden Ebenen). Auf allen 3 Ebenen findet Janich klärende und präzisierende Worte, die durchaus lesenswert sind.
Das vollmundige Fazit lautet: "Die Hirnforschungsdebatte verpaßt eine Lösung des Körper-Geist-Problems, weil sie dem Dogma verfallen ist, in den exakten Wissenschaften könne es nur logische und kausale Verhältnisse geben. Wird dagegen das Treiben der Hirnforschung durch vernünftiges Handeln von Menschen mit berücksichtigt, also der Mensch nicht nur als Objekt, sondern als Subjekt der Hirnforschung miteinbezogen, kann auch die Zweckrationalität ihren Platz in der Debatte einnehmen, die sich nur gegenüber der eigenen tatsächlichen Praxis täuscht. (...) Die Hirnforschungsdebatte ist ein ideologisches Überbauphänomen, das nur die eigene zugrunde liegende Praxis mißversteht." (176) Dieses Fazit wird jedoch argumentativ nicht eingeholt.
Dass Janich wesentliche Reflexionsarbeit nicht leistet, zeigt sich in den Einzelanalysen der drei Ebenen. Letztlich behauptet er lediglich, dass die beschreibende Ebene der Naturwissenschaften nicht den Mensch insgesamt erklären könne. Sein Grundargument, dass Naturwissenschaften mit Sprache arbeiten, diese Bedingtheit aber nicht selbst reflektieren würden, leuchtet durchaus ein. Aber es genügt nicht, um den Reduktionismus zu widerlegen, dem die Schwächen der Sprache durchaus bewusst sein kann, ohne vom grundlegenden Standpunkt abrücken zu müssen.
Argumente des Reduktionismus tauchen schlichtweg keine auf, damit produziert Janich keine redliche Kritik, sondern eher ein einseitgies Plädoyer. Er betont etwa, dass die Vollzugsebene ungleich der (naturwissenschaftlichen) Beschreibungsebene sei, geht aber mit keinem Wort darauf ein, wie Reduktionisten genau die von Janich postulierten Unterschiede nivellieren wollen. Auch die Differenz von Objekt- und Subjektebene stellt er mit klingenden Beispielen dar, ohne die Reduktionsvorgehensweise zu erwähnen.
Damit bietet Janich keinen seriösen Beitrag zur Debatte. Nebenbei muss auch erwähnt werden, dass sich Janich auch von nicht-reduktiver Seite aus angreifbar macht, wenn er gegen typische philosohpsche Vertreter dafür argumentiert, dass eine klare und kontextunabhängige Begriffsdefinition möglich sei, mittels der dann Sprachprobleme zu lösen sein. Gerade die aktuellen Vertreter einer unabhängigen Subjektseite würden Janich hier widersprechen.
Völlig offen bleibt, wie sich Janich das Verhältnis von Subjekt- und Objektseite vorstellt. Sicherlich muss er in diesem Buch keine Lösung für alle Probleme bieten, es ist aber für die geringe Argumentationstiefe durchaus typisch, dass er hier nicht mehr bietet.