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Kein neues Menschenbild: Zur Sprache der Hirnforschung (edition unseld)
 
 
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Kein neues Menschenbild: Zur Sprache der Hirnforschung (edition unseld) [Taschenbuch]

Peter Janich
4.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (4 Kundenrezensionen)
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Produktinformation

  • Taschenbuch: 191 Seiten
  • Verlag: Suhrkamp Verlag; Auflage: Originalausgabe (23. März 2009)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3518260219
  • ISBN-13: 978-3518260210
  • Größe und/oder Gewicht: 17,6 x 10,8 x 1,6 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (4 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 104.152 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

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Peter Janich
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Produktbeschreibungen

Pressestimmen

»Die beeindruckenden Erkenntnisfortschritte der neueren Hirnforschung sollen keineswegs kleingeredet werden. Aber ein »neues Menschenbild« begründen diese Erkenntnisse nicht, wie Janich mit bezwingender Logik darlegt. Dass die naturalistischen Hohepriester der Hirnforschungsdebatte ihre mühsam errungene Deutungshoheit freiwillig aus der Hand geben werden, ist freilich nicht zu erwarten. Janich hat indessen das argumentative Niveau neu definiert, an dem sich alle künftigen Diskussionsbeiträge messen lassen müssen.«

(Michael Pawlik Frankfurter Allgemeine Zeitung )

»...er notiert ›zur Sprache der Hirnforschung‹ etliche Mängel und resümiert, die Hirnforschung sei mit ihrer Vorstellung vom Menschen als menschlicher Maschine im Jahr 1748 stehen geblieben oder auf es zurückgefallen. Sie müsse daher erst einmal sprachliche und wissenschaftstheoretische Hausaufgaben erledigen, statt mit dem Anspruch einer neuen All-Erklärungstheorie aufzutreten.«

(Norbert Copray Publik-Forum )

Kurzbeschreibung

Die gegenwärtige Debatte um die Hirnforschung und ihre Folgen für unser Menschenbild, für Gesetzgebung, Rechtsprechung, Erziehungsstile und Geschichtsverständnis spielt sich in einer wenig reflektierten Sprache ab. Von neurophysiologischen Termini bis zur populärphilosophischen Rede über Kognition, Willensfreiheit und Selbstbewußtsein, von der wissenschaftstheoretischen Diskussion über Erfahrung, Experiment, Beweisen und Widerlegen bis zu weltanschaulichen Anrufungen von Werten reicht die Bandbreite sprachlicher Mittel. Polemische Schärfe und begriffliche Oberflächlichkeit sind die komplementären Züge eines Aufeinandereinredens und Aneinandervorbeiredens, denen philosophisch mit Sprachkritik zu begegnen ist. Zwar sind die diskutierten Fragen sicher keine reinen Sprachprobleme. Aber ohne Klärung der sprachlichen Verhältnisse sind sie gar nicht zu klären. Dies gilt nicht nur für die öffentlichen Diskurse über so genannte Körper-Geist- oder Leib-Seele-Probleme, sondern auch für Ansprüche und Ergebnisse der Fach-, im besonderen der Neurowissenschaft. Sie rühren in klärungsbedürftiger Weise an unser traditionelles Menschenbild ebenso wie an unser Wissenschaftsverständnis. Peter Janich analysiert die Verwendung einiger der häufigsten bisher kaum zureichend definierten Begriffe auf sprachtheoretische Fallen hin. Ferner werden »naturalistische« Ansätze der Neurowissenschaft untersucht und auf dem Hintergrund einer kulturalistischen Theorie gedeutet. Denn eine Wissenschaft, die das Subjekt, als das sie selbst agiert, zugleich leugnet, gerät in einen grundsätzlichen Widerspruch. »Die Hirnforschung darf sich nicht in einen Durchführungswiderspruch verwickeln (wie wenn jemand in brüllender Lautstärke behauptet, er flüstere gerade; die Experten nennen solche Widersprüche performativ). Sonst dementiert sie sich selbst, indem sie den Menschen als Objekt so beschreibt, daß er nicht mehr als Subjekt eben diese Wissenschaft und eben diese Beschreibung hervorbringen kann.«

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Kundenrezensionen

Die hilfreichsten Kundenrezensionen
25 von 29 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Format:Taschenbuch
Die Zeit war überfällig, dass sich deutschsprachige Philosophen kritisch mit der Diskussion um die Hirnforschung und das "neue Menschenbild" auseinandersetzen, von der in den letzten Jahren kaum ein Feuilleton verschont blieb.

Nach den etwas trockenen ersten beiden Kapiteln, in denen Janich sein "sprachkritisches Programm" vorstellt, widmet er sich schließlich der Hirnforschung. Dabei geht es erstens um ihre Objektsprache, mit welcher sich auf den Forschungsgegenstand bezogen wird (also z.B. das Gehirn, Nervenzellen), zweitens um die Parasprache, in der programmatisch und populär über Hirnforschung gesprochen wird (siehe Feuilletons) und drittens um die Metasprache, in der es um die Methoden und die Wissenschaftstheorie der Hirnforschung geht.

Diese Unterscheidung ist hilfreich, um die Unterschiede zwischen den tatsächlichen Ergebnissen der Forschung, den persönlichen Ansichten der Forscher und schließlich den Theorien verstehen zu können. Dabei erhärtet sich der Verdacht, dass so mancher Hirnforscher etwas als ein Ergebnis seiner Disziplin ausgibt, was es gar nicht ist oder womöglich gar nicht sein kann.

Besonders gut haben mir die einerseits aus der praktischen Lebenswelt gegriffenen Beispiele gefallen, andererseits auch die neurowissenschaftlichen Bezüge. Man merkt, dass sich der Philosoph eingehend mit der Materie beschäftigt hat und nicht aus dem Lehnstuhl daherredet. Janichs Kritik ist wichtig, weil auch die neurowissenschaftliche Forschung eine Sprachpraxis ist, die sich einer kritischen Analyse stellen muss -- schließlich wollen wir nicht sinnlos aneinander vorbei faseln, sondern uns gegenseitig verstehen und unser Wissen vermehren.

Wer schön länger den Verdacht hatte, dass an der Diskussion über das "neue Menschenbild" etwas faul ist, dem wird bei der Lektüre so einiges klar werden und Janich zustimmen: "Kein neues Menschenbild".
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8 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Format:Taschenbuch
Janich attestiert den Naturwissenschaften eine Sprachvergessenheit: "Hirnforschung muß sogar in ihren harten naturwissenschaftlichen Teilen zur Kenntnis nehmen, daß sie selbst im Medium der Sprache stattfindet" (88), schreibt er und stellt zugleich fest, wie wenig in den verschiedenen Beiträgen mit klarer Begrifflichkeit und sauberer Trennung der Ebenen, auf denen geschrieben wird, gearbeitet wird. Diese Feststellung sowie sein Grundanliegen vermag Janich in dem 192-Seiten-Buch durchaus plausibel darzustellen. Auch erfreut die Feststellung, dass "die Lebenswelt mit ihrer Alltagssprache und mit ihrer sozialen Praxis (...) durch die Wissenschaft unhintergehbar" (177) sei.

Im Zentrum des Buches stehen die Analysen von 3 wesentlichen Ebenen des Diskurses: der Objektsprache (auf der die naturwissenschaftlichen Sachverhalte dargestellt werden), der Parasprache (die Ausdruck des Selbstverständnisses, der Programme und Ansprüche beinhaltet) und der Metasprache (die Reflexion der anderen beiden Ebenen). Auf allen 3 Ebenen findet Janich klärende und präzisierende Worte, die durchaus lesenswert sind.

Das vollmundige Fazit lautet: "Die Hirnforschungsdebatte verpaßt eine Lösung des Körper-Geist-Problems, weil sie dem Dogma verfallen ist, in den exakten Wissenschaften könne es nur logische und kausale Verhältnisse geben. Wird dagegen das Treiben der Hirnforschung durch vernünftiges Handeln von Menschen mit berücksichtigt, also der Mensch nicht nur als Objekt, sondern als Subjekt der Hirnforschung miteinbezogen, kann auch die Zweckrationalität ihren Platz in der Debatte einnehmen, die sich nur gegenüber der eigenen tatsächlichen Praxis täuscht. (...) Die Hirnforschungsdebatte ist ein ideologisches Überbauphänomen, das nur die eigene zugrunde liegende Praxis mißversteht." (176) Dieses Fazit wird jedoch argumentativ nicht eingeholt.

Dass Janich wesentliche Reflexionsarbeit nicht leistet, zeigt sich in den Einzelanalysen der drei Ebenen. Letztlich behauptet er lediglich, dass die beschreibende Ebene der Naturwissenschaften nicht den Mensch insgesamt erklären könne. Sein Grundargument, dass Naturwissenschaften mit Sprache arbeiten, diese Bedingtheit aber nicht selbst reflektieren würden, leuchtet durchaus ein. Aber es genügt nicht, um den Reduktionismus zu widerlegen, dem die Schwächen der Sprache durchaus bewusst sein kann, ohne vom grundlegenden Standpunkt abrücken zu müssen.

Argumente des Reduktionismus tauchen schlichtweg keine auf, damit produziert Janich keine redliche Kritik, sondern eher ein einseitgies Plädoyer. Er betont etwa, dass die Vollzugsebene ungleich der (naturwissenschaftlichen) Beschreibungsebene sei, geht aber mit keinem Wort darauf ein, wie Reduktionisten genau die von Janich postulierten Unterschiede nivellieren wollen. Auch die Differenz von Objekt- und Subjektebene stellt er mit klingenden Beispielen dar, ohne die Reduktionsvorgehensweise zu erwähnen.

Damit bietet Janich keinen seriösen Beitrag zur Debatte. Nebenbei muss auch erwähnt werden, dass sich Janich auch von nicht-reduktiver Seite aus angreifbar macht, wenn er gegen typische philosohpsche Vertreter dafür argumentiert, dass eine klare und kontextunabhängige Begriffsdefinition möglich sei, mittels der dann Sprachprobleme zu lösen sein. Gerade die aktuellen Vertreter einer unabhängigen Subjektseite würden Janich hier widersprechen.

Völlig offen bleibt, wie sich Janich das Verhältnis von Subjekt- und Objektseite vorstellt. Sicherlich muss er in diesem Buch keine Lösung für alle Probleme bieten, es ist aber für die geringe Argumentationstiefe durchaus typisch, dass er hier nicht mehr bietet.
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7 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von R. Hauser
Format:Taschenbuch
In der Zeitschrift "Gehirn & Geist" haben 2004 elf "führende" (deutsche) Neurowissenschaftler unter dem Titel "Manifest" eine meiner Meinung nach hanebüchene und höchst unwissenschaftliche Vorstellung präsentiert von dem, was die Neurowissenschaft in der näheren und ferneren Zukunft bringt. Dort wird ein neues Menschenbild gefordert. Peter Janich bezieht sich darauf und kommt im Wesentlichen zum Schluss, dass diese Neurowissenschaftler erst sauber wissenschaftlich sprechen lernen sollen, bevor sie nach einem neuen Bild des Menschen schreien. Seine Forderungen an eine wissenschaftliche Sprache sind zwar manchmal unrealistisch hart, aber trotzdem höchst lesens- und bedenkenswert.
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