Wie wäre Ihr Leben verlaufen, wenn Ihnen in Ihrer Jugend statt der ersten Zigarette oder dem ersten Bier ein Bekannter Heroin angeboten hätte? Vielleicht hätten Sie auch nicht '"Nein"' gesagt. Mit den 'coolsten' Leuten rumhängen, vermeintlich '"das Bewusstsein erweitern"', ein Leben abseits vom Angepasstsein führen, abseits der verstaubten Ideale, die einem das Elternhaus anbietet... Den meisten von uns ging es kaum anders als der 14-jährigen Muriel Scheu, die uns in "'Kein ganzes Halbes"' aber nicht nur an ihren Jugenderinnerungen, sondern auch am (erwachsenen) Leben mit der Sucht und den Versuchen, sich wieder aus ihr zu befreien, teilhaben lässt.
Was als 'therapeutisches' autobiografisches Schreiben begann, ist zu einer lesenswerten Roman-Biografie geworden. Mit einem Humor, den man erst mit zeitlichem Abstand und Reife erreicht, nimmt sie uns mit auf eine Reise zu verschiedenen Stationen ihres bewegten Lebens. Anders als seinerzeit Christiane F. beschränkt sich Muriel Scheu auch nicht darauf, vom Leben und Leiden mit der Sucht zu berichten, sondern erzählt von ihren zahlreichen Reisen, von der Liebe, von Sex, von Begegnungen mit Promis, und und und. Das macht das Buch immer wieder überraschend und ein Stück weit auch zu einem Generationen-Portrait. Sprachlich vielseitig, bisweilen lyrisch, ist Scheus aufmerksamer und selbstkritischer Rückblick auf die eigene Vergangenheit jederzeit spannend, persönlich - auf jeden Fall lesenswert!