Guillaume Canets Kein Sterbenswort ist einer dieser Belohnungsfilme. So nenne ich sie jedenfalls. Man muss sich auf die Story einlassen und in den ersten 20 Minuten in Kauf nehmen, dass man etwas holprig und nur mit einer Portion Aufmerksamkeit in die Geschichte kommt. Aber dann beginnt eine rasante Achterbahnfahrt aus Spannung, Action, kreativen Ideen und einem roten Faden, der Haken und Purzelbäume schlägt, dass es einfach nur eine Freude ist, zuzuschauen.
Alexandre Beck ist Kinderarzt. Vor acht Jahren wurde seine Frau Margot getötet. Beck war dabei, wurde aber vom Täter bewusstlos geschlagen. Bis heute hat Beck diesen Schicksalsschlag nicht verwunden. Margot und er waren unsterblich ineinander verliebt. Als jetzt die Polizei vor Becks Tür steht, weiß er nicht, was das zu bedeuten hat. Man eröffnet ihm, dass in der Nähe des Tatorts zwei verscharrte Leichen gefunden wurden. Gleichzeitig weist man Beck darauf hin, dass zum damaligen Mord an seiner Frau noch immer Fragen offen sind. Vor allem Fragen, die ihn zum Verdächtigen stempeln würden. Aus dem Leichenfund erhofft man sich neue Spuren.
Becks Verwirrung steigt noch mehr, als er auf seinem Rechner eine Email erhält, die ihn über einen Link auf ein Video leitet, das ihm Margot zeigt. Die lebende Margot! In einer Aufnahme, die unmöglich sehr alt sein kann.
Beck nimmt die Spuren der Vergangenheit wieder auf und muss sehr schnell feststellen, dass ihm nicht nur die Polizei, sondern auch ein paar ziemlich unangenehme Zeitgenossen auf den Fersen sind. Beck ist rat- und fassungslos, weiß nicht, was mit ihm passiert. Nach und nach festigt sich in ihm die Gewissheit, dass Margot noch lebt. Kurz nachdem er Margots beste Freundin aufsucht, wird diese ermordet und Beck wird zum Hauptverdächtigen. Er flieht vor der Polizei und weiß sich keinen anderen Rat mehr, als einen Bandengangster um Hilfe zu bitten, dessen Kind er einmal behandelt hat. Mit dessen Hilfe erfährt Beck Dinge, die er vorher niemals geahnt hat. Er setzt die Scherben seiner Vergangenheit zu einem Bild zusammen und gerät in akute Lebensgefahr.
Kein Sterbenswort ist perfektes französisches Thrillerkino. Endlich mal wieder ein Film, bei dem man bis zur Auflösung nicht die geringste Ahnung hat, wie die Geschichte ausgeht. Oft denkt man: Ja! Jetzt habe ich es! Aber dann merkt man überrascht, dass man auf eine falsche Fährt gelockt wurde. Francoise Cluzet spielt den Alexandre Beck mit Herz und Seele. Dabei erinnert er in Aussehen und Spielweise immer ein bisschen an Dustin Hoffmann, jedenfalls wenn sie mich fragen. Der Film hat alles, was ein guter Thriller braucht, er ist genial gemacht und lässt auch mit ein paar hochkarätigen Stuntszenen aufhorchen. Dazu gibt es einen sehr interessanten Soundtrack, der für einen französischen Film nicht gerade typisch ist. Überstehen sie also den Anfang, lassen sie Alexandre Beck in aller Ruhe die Fäden der Geschichte in die Hand nehmen und dann folgen sie ihm auf einer Jagd nach der Wahrheit, die sie bestimmt nicht vergessen werden.