Ein Buch, in das man sich hineinlesen muss, weil nicht von Anfang an klar ist, was Gedanken sind, und was wirklich gesagt wird. Dialoge, die sich im Kopf zu Monologen ausweiten. Ein Gespräch zwischen Menschen, die es nicht gewohnt sind, sich auf diese Art zu offenbaren. Wenn man etwas über die Zeit weiss, kann man das Buch in einem größeren Kontext fassen. Aber auch wenn man das nicht tut, bleibt die persönliche Art der Bekenntnisse nahegehend, ganz zeitlos. Weil die Frage zeitlos ist: Der Widerspruch zwischen Anpassung und Selbstverwirklichung. Bei zwei Charakteren, die so auf das Absolute zielen wie Günderode und Kleist, entsteht daraus eine Art von Leiden, das untröstlich ist. Sie wissen, dass sie den Preis zahlen werden für ihre Unbedingtheit, und sie wissen auch, dass sie es nicht ändern können. Dass sie mit offenen Augen dem Untergang entgegensteuern, macht ihre Tragik aus, dass es für sie keinen Ort gibt, wo ihre Träume, ihre Utopien Platz fänden, dass es vielleicht nur irgendwann eine Zeit geben wird, in der zu Bedeutung gelangt, was sie gedacht haben. Zu spät für sie, die zwischen die Zeiten gefallen, die verloren gegangen sind. Eine Art von Trauer, die eine Saite in mir berührt hat, die immer noch nachklingt. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)