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Kundenrezensionen

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- Der lebendige Prophet der Vernichtung (Amerikas) -

Ein Mann wird durch die bei einem Bandenkrieg "übrig gebliebenen" Millionen aus seinem gewohnten Leben geworfen: Eine philosophische und moralische Betrachtung über Gewalt und Tod, aber auch des Lebens und seiner Werte: ein lang nachwirkendes Hörbuch, großartig gelesen von Christian Brückner.

Am 24. Februar 2008 war es wieder soweit. Glanz, Glimmer und Stars bei der Oscar-Preisverleihung in Los Angeles. Ein Film räumte kräftig ab: Vier Oscars für "No Country for Old Men" (bester Film, Javier Bardem als bester Nebendarsteller, bester Regisseur und bestes adaptiertes Drehbuch von Joel und Ethan Coen). Das Buch zu diesem Film schrieb ein ebenfalls preisgekrönter Schriftsteller: der 73-jährige Cormac McCarthy, der 2007 eine der wichtigsten Auszeichnungen in den USA erhielt - den Pulitzer-Preis.
Zuletzt brillierte McCarthy in deutschen Landen mit seinem Endzeitdrama "Die Straße". Bereits 2006 schrieb er den ebenso brillanten wie schockierenden texanischen Psychothriller-Roadmovie-Western "Kein Land für alte Männer", der nun auf Deutsch erschien.

Der Handlungsablauf ist in wenigen Sätzen erzählt: Der 36-jährige Vietnam-Veteran und Hobby-Jäger Lleweyln Moss stößt in der Wüste zufällig auf den Schauplatz eines blutigen Massakers: Drei zerschossene Autos, kiloweise Heroin, ein halbes Dutzend Tote und ein Koffer mit 2,4 Millionen Dollar, den er an sich nimmt. Fortan wird er von zwei konkurrierenden Drogenbanden und einem psychopathischen Killer mit diabolischem Abrechnungswahn - Anton Chigurh - gejagt: eine Eskalation der Gewalt im Zeichen des Drogenkrieges an der texanisch-mexikanischen Grenze um 1980.
Der alte Sheriff Bell - ein hoch dekorierter Weltkriegsveteran - ist dem Massaker nicht gewachsen und kann nur hilflos zuschauen.

Gewalt, Blut, jede Menge Leichen und Schilderungen furchtbarer Grausamkeiten in gewohnt lakonischer Sprache, die jeden Satz in Stein meißeln, bestimmen große Teile des Hörbuchs, das einem Gemälde Caravaggios alle Ehre macht. Dem gegenüber stehen grandiose - in ihrer Detailgenauigkeit fast naturalistische - Beschreibungen der texanischen Landschaft, bemerkenswerte Dialoge über Gott und die Welt und tief melancholische Überlegungen zum Zustand der amerikanischen Gesellschaft.

Sheriff Bell, aus dessen Sicht erzählt wird, verkörpert in seinen bemerkenswerten inneren Dialogen die typischen Themen von Cormac McCarthy: die Möglichkeit des Neuanfangs, die Lügen und die Wahrheit, das Reflektieren der eigenen Geschichte, Liebe, Respekt und Treue, Schuld und Sühne und gleichzeitig das Nicht-mehr-Verstehen der moderne Welt. "Irgendwo da draußen gibt's einen wahrhaftigen, lebendigen Propheten der Vernichtung, und dem will ich mich nicht stellen. (...) Und ich glaub, dafür müsste man seine Seele aufs Spiel setzen. Und das tu ich nicht. Heute glaub ich, dass ich das vielleicht nie getan hätte." So lautet das hilflose Resümee des Sheriffs. Seine Botschaft: Die neuen Zeiten sind schlecht für alte Männer, die im Geist des alten Amerika groß geworden sind.

Dem Übersetzer der ungekürzt gelesenen Romanvorlage - Nicolaus Stingl - gilt gleichfalls Anerkennung, hat er doch beinahe Unmögliches geleistet: Er musste den Roman nicht nur aus dem Amerikanischen, sondern auch aus dem Texanischen übersetzen, und zwar aus einem Texanisch, das vor allem aus Sprach-Vermeidungen besteht: stoisch knapp, schlicht und beinahe fast schon stumpf.

Der akustischen Adaption wiederum gilt besondere Aufmerksamkeit und Achtung, wird sie doch von keinem anderen als der deutschen Stimme Robert De Niros, Robert Redfords, Peter Fondas oder Marlon Brandos, dem Deutschen Hörbuch Preisträger 2005 - Christian Brückner - gelesen.
Brückner eröffnet dem Hörer mit seinem unverwechselbaren Timbre, einen ganz neuen, äußerst intensiven Zugang zu dem Roman um die Faszination des Bösen. Er weiß sich in jede Person intensiv hineinzuversetzen und ihr einen spezifischen Akzent zu verleihen, so dass sie sich für den Hörer beinahe physisch fühlbar mitteilt.
Egal, ob die absolute Gefühlskälte Chigurhs oder die verzweifelte Intensität der jungen Frau von Moss - Carla Jean -, Brückner ist ein "Stimmenspieler". Seine heiserbrüchige, kratzig-spröde Stimme ist unvergleichbar vielschichtig und ausdrucksvoll und kennt eine Unmenge von Zwischentönen: sanft und energisch, warm und weich, rau und klar. Er arbeitet Nuancen heraus, die sich beim stillen Lesen so oft gar nicht erschließen.
Für die Vortragskunst dieses ungeheuer intensiven Buches des amerikanischen Pulitzer-Preisträgers gibt es nur eine Wertung: Prädikat für herausragende Vorlesekunst.

Fazit:
"Kein Land für alte Männer " ist harter Kriminalstoff, aber kein Trash oder Schund. Und das liegt daran, dass Cormac McCarthy ein begnadeter Erzähler und Stilist ist.
Ein apokalyptischer Western des Pulitzer-Preisträger, mit Christian Brückner als Sprecher ein ungeheuer eindringliches Werk, das wie ein Sog den Hörer in seinen Bann zieht.
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am 5. September 2013
Lakonisch, präzise, leidenschaftslos. Das Buch ist noch genauer auf den Punkt gebracht, als andere McCarthy-Werke, was wohl auch daran liegen mag, dass es eines seiner Spätwerke ist. Im Alter hat man eben nicht mehr den unbegrenzten Atem und holt nicht mehr so weit aus. Absolut fesselnd ist es trotzdem und man legt es nicht mehr aus der Hand, wenn man die Lektüre begonnen hat. Der psychopathische Killer hat in seiner Kaltblütigkeit und Konsequenz mehr Ähnlichkeit mit dem ersten Terminator, als mit jedem anderen irren Mörder der Literaturgeschichte. Und diese zwangsläufige Bestimmtheit seines Handelns verhindert auch, dass das Grauen Überhand nimmt. Es tut dem Werk keinen Abbruch, dass die Fronten nicht geklärt sind (und bis zum Schluss auch nicht hinlänglich geklärt werden), dass die Figuren nicht tiefenpsychologisch gezeichnet sind, oder dass die Guten (wenn es die denn gibt), zuschauende Randfiguren bleiben müssen. Es wird schnörkellos erzählt, die Gewaltszenen ohne Pathos dargestellt. Das hilft allerdings nur, wenn man den Film noch nicht gesehen hat. Sonst überlagert die viel zitierte Macht der Bilder einfach die aus dem Gelesenen abgeleitete Vorstellungskraft. Und wenn wir beim Film sind: Der Roman liest sich über weite Strecken wie ein Drehbuch, ein beschriebener Film.
Stilistisch ist das Werk eher eine Erzählung. Nur Plot und Dialoge! Deshalb war der Stoff auch so gut für die Verfilmung geeignet. Beschreibungselemente gibt es nicht, die Reflektionen beschränken sich auf den Abschluss, wenn versucht wird, Fäden zusammen zu bringen, die man unverknüpft lassen sollte. Auf den letzten Seiten verliert der Roman an Kraft. Einfach rechtzeitig aufhören zu lesen; man merkt leicht wann.
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am 26. April 2016
Erst Film, dann Buch, dann Hörbuch - alles KLASSE, wenn man nicht unbedingt auf das "gute Ende" hofft (oder hoffen will, weil: man an das Gute glaubt). Nun, so gut ist das Leben selten, schon eher ungerecht, vor allem aber ohne Gnade, wenn du Fehler machst.
Der Sprecher (einfach genial, wenn Christian Brückner liest) lässt einem nicht aus dem Bann. Wo hat man das noch, dass Hören ein Genuss ist.
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am 10. März 2008
Llewlyn Moss, gerade unterwegs um Antilopen an der mexikanischen Grenze zu jagen, stoesst per Zufall auf das Ergebnis einer Herointransaktion, bei der ganz offensichtlich alles schief gelaufen ist: durchsiebte Fahrzeuge, ueberall Blut, Waffen und kugelzerfetzte Leichen. Nur ein Ueberlebender (vielmehr ein Halbtoter), der nur nach Wasser fraegt und sonst nicht viel zur Aufklaerung beitraegt. Moss nimmt das Geld an sich - zwei Millionen Dollar - und verschwindet so unauffaellig wie er gekommen ist. Zwar ist er ein hartgesottener Kerl, dennoch ertraegt er den Gedanken an den verdurstenden Mexikaner nicht und kehrt deshalb mitten in der Nacht mit einer Wasserflasche an den Tatort zurueck. Nun ist er jedoch nicht mehr alleine, denn offenbar hat sich die fehlgeschlagene Transaktion in bestimmten Kreisen herumgesprochen. So geraet er in den Fokus eines Suchtrupps von Banditen, auf der Suche nach dem Heroin, dem Geld, oder beidem. Dies ist dann der Startschuss zu einer moerderischen Verfolgungsjagd zwischen Moss, den Heroindealern, einem psychopatischen Killer, einem Privatdetektiv und natuerlich der Polizei. Wie schon oefter bei McCarthy - und so auch hier -, entwickelt sich die Handlung entlang dieses Flucht- bzw. Jagdszenarios; d.h. wir haben es mit einem klassischen "Road Movie" zu tun.

"No Country For Old Men" ist in jeder Hinsicht ein spektakulaeres Buch - spannend, reisserisch, unterhaltsam und origninell. Alle Zutaten fuer ein gelungenes Lesevergnuegen sind dabei; ein erstklassiger Thriller und ein wahrhaft moderner Hard-Core Western. McCarthy's (Anti-)Helden benehmen sich genauso, wie man es von modernen Cowboys erwartet: sie sind alle und staendig schwer bewaffnet, reiten auf Pferden, spucken aus und tragen breitkrempige Huete. Sie fahren Off-Road Fahrzeuge (wenn sie nicht gerade reiten), steigen in Motels ab und haben immer grandiose Sprueche auf Lager: "Its' just a bunch of Mexican drugrunners. They were. They aint now. I aint sure what you're sayin. I'm just saying that whatever they were the only thing they are now is dead," oder auch: "If the heroin is missing and the money is missing then my guess is that somebody is missing. I'd say that's a reasonable guess."

Wie schon in anderen Veroeffentlichungen von McCarthy, lebt das Buch vom typischen McCarthy Erzaehlstil: detaillierte Beschreibungen von scheinbar unwichtigen Details, mit sehr knapper und distanzierter Sprache. Der eingefangene texanische Lokalkolorit in der Sprache ist wohl vollumfaenglich nur dem amerikanischen Leser zugaenglich - seine Wirkung auf uns verfehlt es dennoch nicht. "If you knew there was somebody out here afoot that had two million dollars of your money, at what point would you quit lookin for em? That's right. There aint no such a point." Es bleibt abzuwarten, wie sich dies dann in der deutschen Uebersetzung liest - dort koennte viel verloren gehen.

Gegen Ende nimmt die Geschichte noch eine Wendung. Die Gewalt als reines Spektakulum wird zurueckgefuehrt auf das was sie ist: Zerstoerung, Leid und Elend. Gleichzeitig tritt auch das McCarthy'sche Hauptmotiv wieder in Erscheinung - die Unausweichlichkeit des Schicksals und des Todes. Der Killer als Verkoerperung des Untergangs, dem wir alle geweiht sind. Letztlich geht es um das menschliche Schicksal ganz allgemein, das ausgedrueckt ist in der Schluesselaussage des Killers: "Every moment in your life is a turning and every one a choosing. Somewhere you made a choice. All followed to this. The accounting is scrupulous. The shape is drawn. No line can be erased" - sagts und erschiesst eine voellig Unbeteiligte. Ab hier tritt das reisserische Element in den Hintergrund, und allgemeine Ueberlegungen zum Thema Schicksal und Tod greifen Raum. Hier wird dann wieder die Groesse von Cormac McCarthy spuerbar.

Die Unausweichlichkeit des menschlichen Schicksals, manifestiert im Schicksal der Beteiligten: Sie alle haben an einem Punkt ihres Lebens eine Entscheidung getroffen, die sie in die vorliegende Handlung schicksalshaft verwickelt - und alle haben dafuer einen Preis zu bezahlen, unabhaengig von ihrer spezifischen Schuld. No line can be erased. Jede Entscheidung ist endgueltig, alles hat seine Konsequenz, nichts kann ungeschehen gemacht werden. Der Mensch ist schuldig als Mensch und deshalb unausweichlich dem Tod geweiht. Alle Handlungen sind schicksalshaft und alles endet mit dem Tod - ohne Gnade. The accounting is scrupulous.

"No Country For Old Men" ist wie geschaffen fuer eine Verfilmung und man koennte beinah meinen, McCarthy haette es geradezu darauf angelegt, einen Roman zu schreiben, der dann als Hollywood Filmvorlage endet. Und wenn schon! McCarthy hat einen grossartigen Thriller vorgelegt, der alle Beduerfnisse an einen modernen Western befriedigt. Trotzdem "No Country For Old Men" nicht die literarischen Hoehen erreicht, die andere seiner Buecher erreichen, gibt es eine klare Leseempfehlung und 5 Sterne; es ist einfach zu spannend, zu cool, zu krass, zu unterhaltend - zu gut. Die Verfilmung von "No Country For Old Men" hat uebrigens mehrere Oscars gewonnen - bei dieser Romanvorlage ist das auch kein Wunder!
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am 23. Dezember 2011
Cormac McCarthy's "Kein Land für alte Männer" ist etwas trügerisch. Oberflächlich betrachtet ist es die nackte, schonungslose Geschichte eines Mannes auf der Flucht vor einem kaltblütigen Killer und eines älteren Sheriffs, der versucht herauszufinden, was eigentlich vor sich geht.

Es ist aber auch ein Buch darüber, wie unsere Definition des "Bösen" mit jeder Generation gewalttätiger und düsterer wird - und wie wir uns in diesem System selber versuchen zu identifizieren. Weiterführend geht es auch um Verantwortung: gegenüber der Familie, der Gesellschaft, sich selbst gegenüber.

Der Plot an sich ist schnell erzählt. Llewelyn Moss, der an der amerikanisch-mexikanischen Grenze auf der Jagd ist, findet zufällig in der weiten Ebene einige Fahrzeuge, mehrere Tote, in vielen Blöcken abgepacktes Heroin und Bargeld in Millionenhöhe. Moss nimmt das Geld und von da an ist es eine blutige Jagd: psychopathische Killer, mexikanische Drogendealer und ein entschlossener Sheriff sind jeweils aus eigenen Gründen hinter Moss her.

McCarthy's Sätze sind knapp, aber poetisch. Ich brauchte ein paar Seiten, um mit seinem besonderen Schreibstil vertraut zu werden, aber von da an ging die Story bis zu ihrem etwas zu abrupten Abschluss mit halsbrecherischer Geschwindigkeit vorwärts. Sheriff Bell erkennt schließlich, dass diese "neue Welt", der er sich gegenüber sieht, in der Tat "kein Land für alte Männer" ist.

Für diejenigen, die McCarthy bisher noch nicht gelesen haben, ist "Kein Land für alte Männer" vermutlich sein zugänglichstes Buch; und gleichzeitig ein guter Startpunkt, bevor man tiefer in seine etwas unzugänglicheren Werke wie "All die schönen Pferde" oder "Die Abendröte im Westen" eintaucht.
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am 2. September 2013
There's a killer on the road. Er tötet am liebsten mit einem Bolzenschussgerät, und das beim geringsten Anlass. Wem das Sujet bekannt vorkommt, der hat vermutlich den Film der Coen-Brüder "No country for old men" gesehen, 4 Oscars. Und wird trotzdem oder gerade deshalb Gefallen an der Romanvorlage finden.

Der junge Ehemann, Mechaniker und Hobbyjäger Llewyllyn Moss findet bei einem Jagdausflug in die texanische Wüste vier Erschossene, einen schwer verletzten Mexikaner, der ihn um Wasser bittet, und einen Pick-up pickepackevoll mit Heroin. Und dann liegt da noch ein Koffer mit 2 Millionen Dollar. Er nimmt das Geld mit in den Wohnwagen zu seiner Frau Carla Jean und macht sich nachts erneut auf den Weg, einen Kanister Wasser im Gepäck. Gut gemeint und ehrenhaft gehandelt - und Anfangspunkt einer gnadenloser Jagd mit tödlichen Konsequenzen. Denn dort draußen lauert schon Anton Chigurh, Profi im Töten und in Seelenlosigkeit. Und es scheint nichts zu geben, was der alte, müde Sheriff Ed Tom Bell gegen ihn ausrichten könnte.

Ein Buch mit einer Atmosphäre wie eine Platte von Calexico oder Giant Sand und eine Lektion in Lakonie. Liebe bleibt Bastion und Verheißung, doch die Luft flirrt vor Resignation.
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TOP 1000 REZENSENTam 16. Mai 2015
In Deutschland erschien zuerst 2007 die Oscar-prämierte Verfilmung der Coen-Brücder zu diesem 2005 herausgebrachten Buch des Pulitzer-Preisträgers Cormac Mc Carthy, Jahrgang 1933. Die deutsche Übersetzung des Romans durch Nikolaus Stingl folgte im März 2008.

Sheriff Bell erzählt in den 13 Kapitel-Eingängen von seinem Alltag mit Verbrechen und gibt dabei Einblicke in sein Seelenleben. Er ist der Ermittler in diesem besonders frustrierenden und nicht gelösten Kriminal-Fall, der für ihn auch das Ende seiner beruflichen Laufbahn markiert: weil sich das Land ganz offenbar zu sehr für so alte Männer wie ihn verändert hat: brutaler und gewissenloser. Die wilde Verfolgungsjagd von Drogendealern und dem Bolzenschuß-bewehrten 'apokalyptischen Reiter' und skrupellosen Killer Chigurh, die zahlreiche fies gemeuchelte Opfer fordert, kann dieser brave Polizist überhaupt nicht verhindern, auch den schließlichen Tod des Hobbyjägers Moss nicht, der zufällig den umkämpften Koffer mit 2,4 Millionen Dollar entdeckt und leider an sich genommen hatte. Damit ändert und verkürzt sich dessen vormals glückliches Leben entscheidend, und diese seine Entscheidung kostet schließlich auch noch seiner Frau das Leben, weil Chigurh zwar pervers und verrückt, aber leider auch prinzipientreu ist.

Ein echter Thriller, sehr spannend geschrieben in einer sehr präzisen und trockenen Sprache. Und das Beängstigende: Chigurh ist weiter unter uns, er kann nicht gefasst werden. (16.05.15)
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am 3. Januar 2013
Cormac McCarthy schreibt in diesem Buch mit einer erdrückend düsteren Atmosphäre, dass schon beginn klar ist das es für die Protagonisten kein HappyEnd geben wird. Das Überleben in der unwirtlichen Welt an der Grenze zu Mexiko, gejagt von Killern, Polizei und möchtegern Gangster endet in einer Spirale aus Gewalt die sich keiner der Figuren entziehen kann.

Aber es sind nicht unerfahrene "Frischlinge" die hier Jagt machen, sondern Alte Hasen dieses tödlichen Business und das Ende bleibt genauso düster wie es schon der Anfang des Buches war.

McCarthy hat sich mit diesem Buch und seinem zweiten Werk "Die Straße" selbst geadelt und in die Topliga der Bestseller-Autoren katapultiert. Hut ab für diesem Wortgewaltigen Werk!
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am 30. März 2011
McCarthy schafft es, die Apokalypse zu beschreiben oder gar herbeizuschreiben? Sein Roman "Kein Land für alte Maenner" ist ein duesteres Machwerk, das von Hass und Gewalt, Sinnlosigkeit und Mord, dem Fehlen von allgemein gueltigen Regeln erzaehlt und den Leser aufgrund seiner puristischen Erzaehlweise in seinen Bann zieht. Der Hobbyjaeger Moss stoesst auf einer seiner Jagden in der texanischen Wueste auf die Leichen eines Massakers, das zwischen 2 Drogenorganisationen stattgefunden hat. Moss findet dabei einen Koffer voller Dollars, den er an sich nimmt. Von nun an wird er von psychopatischen Killern verfolgt, die nur ihre eigenen fragwuerdigen 'kranken`Regeln kennen und alles daran setzen, das Geld zurueck zu bekommen. `Begleitet' wird das `Spektakel' von einem Sheriff, der sich dieser Situation nicht mehr gewachsen sieht und sich und seine Funktion als Waechter von Recht und Ordnung nicht mehr auszufuellen in der Lage ist. Er verkoerpert eine andere Zeit, in der noch eine Ordnung herrschte. Er resigniert und soll spaeter seinen Job quittieren, waehrend Moss ums Ueberleben kaempft. Die Charaktere des Romans sind einzigartig, dem Leser oftmals (und hoffentlich) fremd und dennoch Boten einer neuen Zeit, die auch uns hier in Europa erreichen kann. Auch wenn wir nach dem Lesen des Romanes inbruenstig hoffen, dass dieses niemals geschehen mag. Grosse Literatur ueber ein ehemals grosses Land, das sich selbst ueberlebt.
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am 16. August 2008
Der Film war grandios. Die Straße von Cormac McCarthy war eine unglaubliche Erfahrung. Das auf der Suche nach der Buchvorlage zu Film gekaufte Verlorene war packend und ernüchternd.
Und dann las ich No Country vor old men und danke den Cohen-Brüdern dafür das auf die Leinwand gebracht zu haben - aber grandios ist der Film nur wegen der Vorlage.
Erschütternd in der Brutalität, drastisch in der nüchternen Sprache, bildgewaltig, große Fragen behandelnd. Und nebenbei auch dieses seltsame Land mit seinen Wurzeln entlarvend, sezierend und es doch annehmend, so schicksalhaft, wie die Figuren eben auf den falschen Mann treffen.
Ein großartiger Autor, der mich wohl nicht los lässt, bis auch die letzte verfügbare Seite gelesen habe.
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