Über Best Of Alben kann man ja immer geteilter Meinung sein. Gerne werden sie dafür genutzt alteingesessenen Fans noch mehr Geld aus den Taschen zu ziehen, bieten auf der anderen Seite gerade neueren Fans die Möglichkeit sich ein Überblick über das Schaffen einer Band zu beschaffen, ohne sich alle Alben kaufen zu müssen.
"Kein Blick zurück" von In Extremo macht da keine Ausnahme. Bis auf ein paar Ausnahmen befinden sich auf der CD die bekanntesten und größten Songs der Band die sie seit der "Weckt die Toten" Zeit aufgenommen habe.
Allerdings dürfte die CD die Lager noch mehr spalten, weil ein paar Songs komplett neu eingespielt wurden. Dabei handelt es sich um Ai Vis Lo Lop, Vollmond, Herr Mannelig, Pavane, Rotes Harr, Spielmannsfluch und Hiemali Tempore. Durch den neuen moderner klingenden Sound kann man den Stil der Songs nun am besten mit dem vergleichen, den die Band ab dem Album "Sieben" eingeschlagen hatte. Sicher interessant, wenn man die neueren Scheiben der Band mag und gerade die, die die Band durch die Singles "Erdbeermund" und "Küss mich" kennengelernt haben, werden sich darüber freuen. Diejenigen die gerade den rohen Klang von früher lieben werden sich allerdings mit grauen abwenden.
Natürlich ist auch dieses Best Of mit ein paar neuen Liedern geschmückt, um um die Gunst des Käufers zu ringen. Bei "Kein Sturm hält uns auf" handelt es sich um eine typische InEx Mitgröhlnummer, während "Alte Liebe" eine langsame, aber nicht ruhige, Nummer ist. Beide Songs sind zwar nettes Beiwerk, doch ein wirklich Kaufgrund für die Platte sind sie nicht.
Vielversprechender ist da schon die Zusatz-CD der limited Edition, die in einem schicken Digipack daherkommt. Acht Songs, von anderen Musikern und Gruppen eingespielt. Bis auf Silbermond, die "Die Gier" sehr originalgetreu umsetzen, dabei aber überraschenderweise zu überzeugen wissen, haben die anderen Künstler eine völlig andere Version des ausgesuchten Liedes geschaffen. Blind haben aus "Ave Maria" eine typische Rocknummer gemacht, während Grave Digger dem "Rattenfänger" einen gehörigen Schuss Heavy Metal verpassen. Auch sehr gelungen ist die Version von "Spielmann". Das letzte Eichhorn singt nur von einem Klavier begleitet. Emotion pur.
Allerdings gibt es einen Totalausfall, nämlich die völlig langweilige Technoversion von "Rasend Herz", die nichts weiter als ein billiger Remix ist.
Fazit:
Qualitativ ist die Platte vollkommen in Ordnung, doch ohne die Zusatz-CD der limitierten Version hätten es auch die neu eingespielten Songs nicht geschafft darüber hinwegzutäuschen, dass es sich bei "Kein Blick zurück" um ein typisches Best Of handelt. Wer schon alle Platten hat und kein Freund des neuen Stils von InEx ist, kann die Scheibe getrost im Regal stehen lassen. Wer die Band noch nicht so gut kennt und sich einen Überblick über ihre Arbeit verschaffen will, kann einen Blick riskieren.