Eben habe ich "Kein Abschied für immer" zu Ende gelesen, hab es in einem Stück gelesen, ohne abzusetzen. Vielen, vielen Dank für dieses wunderbare Buch! Es hat mich ganz tief berührt und berührt mich noch immer, schwingt nach als ein stilles, starkes, trauriges, glückliches Gefühl im Herzen. Es ist unglaublich, wie Margot Berger das Thema Tod und Trauer und Verzweiflung und Verlust und Loslassen beschreibt - aber eben mehr als bloß be-schreibt. Die innige Verbundenheit auf den ersten Seiten zwischen Tessa und Lika, die selbstverständliche Kommunikation, die Freude, als aus dem gefürchteten Fohlen "unser Fohlen" wurde. Und dann das Unsagbare. Dieser wahnsinnige plötzliche Tod, das Nicht-Wahrhaben-Wollen, das beinahe Abgestorbensein von Tessa. Wie sie über die virtuelle Welt zum ersten Mal ihre Gefühle, ihre Trauer in Worte fassen kann. Die Stelle, wo sie sich selbst wie einen Baumstamm ohne Äste beschreibt, der eigentlich alles zum Leben hat und doch nicht leben kann, hat mir die Tränen in die Augen getrieben, ebenso die ersten Zeichen von Mitgefühl und Verständnis, für die sie ihr Herz öffnen kann, ebenfalls aus dem Netz.
Bei diesem Buch stimmt einfach alles. Kein einziges Mal hat man das Gefühl, dass für eine Phase ihrer Trauer oder ihres Erlebens zu wenig oder zu viel Raum da ist. Es ist so wie es ist, und auch wenn es einen als Leser fast zerreißt und man sich nichts sehnlicher wünscht, als dass sie ihr Herz und ihre Seele für das kleine Fohlen Mumin öffnet - es ist stimmig, so, wie die Autorin es beschreibt. Die abgrundtiefe Trauer, die das Herz betäubt, die eine 'Trennwand' zwischen Tessa und das Fohlen schiebt, zwischen sie und die übrige Welt, den üppigen Frühling und die anderen Menschen, die so lebendig, so weit weg von Tod und Verzweiflung sind.
Und so wunderbar und lebenswichtig das Internet für Tessa ist, um über diesen Weg den Faden zum Leben in den Händen zu behalten, so unglaublich dicht sind die Stellen, wo ihr bewusst wird, dass sie den Weg ins reale Leben wieder beschreiten muss. Wie wunderbar schafft Margot Berger es, in der Szene mit den beiden Erdbeerpflückerinnen mit wenigen Worten den Stellenwert einer wirklichen Berührung, Begegnung und wahrhaft ausgesprochener Worte aufzuzeigen. Tessas Wunsch hinterher, die Menschen aus dem Netz kennenzulernen, und die tatsächliche Begegnung mit Maja, das Begraben ihrer Andenken an Lika und das Loslassen-Können - all dies ist so berührend, so stimmig und lässt einen tief durchatmen. Dass erst das Loslassen oder Freigeben des geliebten Wesens ihr Herz wieder öffnen kann für das Fohlen, es ist so klar und ergreift den Leser aufs tiefste, umso mehr auch deutlich wird, dass Tessa nicht am Ende, sondern am Anfang dieses Prozesses steht.
Ich wünsche diesem Buch viele, viele junge LeserInnen! Die sich mitnehmen und berühren lassen, und die einen Ort finden für ihre eigenen Gefühle von Trauer und Schmerz, aber auch von Mitgefühl und Liebe. Denn die Liebe ist letztendlich das, was in dieser dichten Geschichte überall und äußerst vielschichtig zum Tragen kommt.