Ich blute und fiebere seit der ersten Ausstrahlung von "Hotellounge" (damals mir untergekommen in "120 minutes" - bei einem Sender, welcher heute eventuell noch ein paar Handyklingeltöne verscherbeln darf) für dEUS. Dabei hatte ich zahlreiche Nebenprojekte sowie Verbleib der Ab- und Zugänge vor Augen. Dazu aber später mehr.
Zugegeben: Dieses Album ist Kompakt, manche würden dafür eventuell das Urteil "rundes Album" in den Raum werfen. Die Aufnahmequalität halte ich nicht für die beste, klar das ist persönlicher Geschmack - ich empfand beim ersten hören der Platte ständig ein "gleichenpegelige Dauerinstrumentierung". Es fühlt sich, bis auf wenige Ausnahmen z.B. "twice", oft "gleich zu" an - für mich einfach zu wenig Dynamik, fast schon matschig. Genau das ist es, was mit dem Abgang von Stef Kamil Carlens passiert ist. Auch wenn er nur an den ersten Platten beteiligt gewesen ist, so drängt sich mir der Verdacht auf, dass dieser Mann einfach der entscheidende Gegenpart von Barman bei dEUS gewesen ist - vom Debutalbum hinweg bis "the ideal crash" sind allesamt sensationell und trotz übriger rotierender Bandmitglieder (außer Klaas Janzoons) gehören diese 3 Platten für mich zum Besten was jemals auf eine CD gepresst wurde.
Dannach: Ruhe. Lange Zeit gibt es nichts mehr zu hören. Barman nimmt sich eine Auszeit um sein Regiedebut voranzutreiben. So weit so gut. Nach einer Kompilation und unendlicher Wartezeit folgen die zwei bisher schwächsten Alben. Nicht, das diese musikalisch besonders total vorbei waren, sie hatten aber nicht mehr das was die frühen dEUS ausmachte. Es war alles zu straight, sauber produziert, keine schrägen Backvocals mehr, von der Insturmentierung sicherlich gut, aber geniale schöne schräge Momente, die sich wie z.B. einem "instant street" in göttlichen Wohlgefallen auflösen, suchte ich vergebens. Ich will nicht meckern, eventuell ging es mir da wahrscheinlich anders, als viele anderen dEUS-fans. Handwerklich waren diese Alben sicherlich sauber gearbeitet - nur ich konnte nicht verstehen wo die früheren dEUS abgeblieben sind.
Und jetzt: Keep u close.
Wie gesagt finde ich es nicht so brilliant gemastert. Wurscht. Ich denke perfekt soll dieses Album von technischer Seite gar nicht sein. Ich bilde mir ein: dEUS wollen wieder zurück zum Anfang - einfach gute Musik machen, den eigenen geprägten Stil wieder spüren - und diesen weiterentwickeln. Zurückwurzeln (und das ohne Stef). Das Album dauert vermutlich auch ein paar Runden länger, bis es drin ist - es ist noch nicht völlig in meinem Ohr, das wird noch dauern. Aber ich spüre wieder das schmerzlich vermisste Herzblut. Ich glaube an dieses Album - und ich kann wieder an dEUS glauben. Keep u close ist sozusagen die Versöhnung für die letzten zwei Alben. Ich bin noch gespannt wie tief das geht. Und hoffe.