Umut ist 17, Moslem und macht eine Ausbildung in einem Kaufhaus. Allerdings ist der sanfte, hübsche Junge alles andere als ein Traumsohn für seinen konservativen, streng gläubigen Vater Arif, der sein ganzes Leben komplett nach den Maximen des Imamen ausrichtet. Hauptkonflikt: Umut liebt Weihnachten über alles! Der geschmückte Baum, Kerzen, Geschenke, der Duft von Plätzchen, die gelebte Gemeinsamkeit in der Familie, all das begeistert den Jungen mit Faible fürs Dekorieren.
Doch Arif zeigt wenig Toleranz für Fantasiefeste der Christen, auch wenn es zu Ehren eines von Muslimen anerkannten Propheten ist. Er sieht sich überall in Gefahr, womöglich von den Christen missioniert zu werden. Unter seiner extremen Haltung leiden alle Familienmitglieder. Doch Mutter Hülya schweigt, und die taktisch geschickte Schwester Ayla schlägt den Vater mit seinen eigenen Waffen. Nur Umut widersetzt sich offen. Meistens, wenn es um Weihnachten geht.
Als sein Ausbildungsleiter bei einer Betriebsversammlung verkündet, dass wegen des Vorweihnachtsgeschäfts - immerhin eine der umsatzstärksten Zeiten überhaupt - besonderer Einsatz, vermutlich sogar an Heilig Abend, gefordert ist, sieht man überall lange Gesichter. Nur Umut ist begeistert! Er darf an Weihnachten arbeiten? Herrlich! Wenn aus jedem Lautsprecher süßlich deutsche Weihnachtslieder flöten, während sich gestresste Menschenmassen durch weihnachtlichen Chinakitsch und Pseudo-Schnäppchen arbeiten, blüht der Weihnachtsjunkie auf. Sein Traum wäre ein geschmücktes Weihnachtszimmer wie aus dem Märchen. Very British. Very Umut-ish.
Als sich abzeichnet, dass sein Vater keinerlei Weihnachtsartikel in der Wohnung dulden wird, sieht Umut nur eine Möglichkeit. Mutig nimmt er sein Leben in die eigenen Hände... Ist er zu weit gegangen? Oder wird es am Ende doch noch ein Weihnachtswunder geben?
Eine wundervolle Weihnachtsgeschichte, die mit viel Fingerspitzengefühl Islam und Christentum kritisch unter die Lupe nimmt und für Versöhnung unter den Religionen wirbt. Es geht um die wahre Bedeutung von Weihnachten. Um das, was wirklich wichtig ist. Und am Ende stellt sich heraus, dass hinter der Festivität etwas zutiefst Menschliches steht, jenseits der eigenen religiösen Verortung.
Lale Akgün wurde 1953 in Istanbul geboren. Bereits im Alter von neun Jahren emigrierte sie mit ihrer Familie nach Deutschland, wo sie Medizin und Psychologie studierte. Später wurde sie Bundestagsabgeordnete, migrationspolitische Sprecherin sowie Islambeauftragte der SPD. Nach "Tante Semra im Leberkäsland", "Der getürkte Reichstag" und "Aufstand der Kopftuchmädchen" ist nun ihre erste Weihnachtsgeschichte im Aufbau-Verlag erschienen. Lale Akgün lebt mit ihrer Familie in Köln.