Auch wenn Kevin Moore, besser bekannt als Keb Mo, schon ein oder zwei Platten vor dem nach ihm benannten Album aufgenommen hat, wird seine OKeh Scheibe (wohl irgendwie trotzdem zurecht) als Debut gehandelt. Es gab seinerzeit einen ziemlichen Wirbel um die CD, die von der Fachpresse mit excellenten Reviews geradezu überhäuft wurde. Moore wurde als neuer Hoffnungsträger des Blues gefeiert, als erster Bluesman des 21. Jahrhunderts, ja, als Nachfolger Robert Johnsons. Dies ist natürlich, wie die vorliegende Scheibe beweist, hanebüchener Unsinn. Die hier vertretenen Songs sind nett, gefällig, gut gespielt und äußerst sympathisch, aber weitgehend vollkommen unbluesig. Bezeichnenderweise stammten die Lobeshymnen auch nicht aus der Blues-Fachpresse, sondern den einschlägigen Popblättchen, deren Rezensenten DeFord Bailey für ein Getränk und Charley Patton für einen amerikanischen General halten.
Fakt ist immerhin: Moore hat eine warme, angenehme Stimme, ist ein ordentlicher Picker, East Coast Style, wohlgemerkt, nicht Mississippi; hat ein gutes Gespür für originelle Texte und erfüllt optisch das Klischee des pre-war travelin' bluesman. Ein tiefes Blues- bzw. Soulfeeling hat er leider nicht aufzuweisen, weshalb er von den beiden Robert Johnson Nummern lieber die Finger gelassen hätte. Stattdessen spielt er gefälligen, folkigen Rootspop, massentauglich aufbereitet und äußerst eingängig. "Keb Mo" ist dementsprechend eine Scheibe geworden, die irgendwie jedem gefallen wird und auch im Radio nicht deplaziert sein wird. Große Tiefe, Ecken und Kanten, bleibende Eindrücke und Blues sucht der Hörer hier allerdings vergeblich.