Nach dem Tod seines Freundes Huma streift Kaz der Minotaur durch Ansalon. Von seinem eigenen Volk wird er wegen Fahnenflucht gejagt, doch auch die Ritter von Solamnia lassen auf einmal steckbrieflich nach ihm fahnden. Kaz will der Sache auf den Grund gehen und kehrt nach Solamnia zurück, obwohl ihm dort die Festnahme droht. Während Kaz mit seinem Reisgefährten, dem Kender Delbin Knotwillow, sich immer mehr auf die Quelle des Übels zu bewegt, ist ihm ein Exekutionstrupp der Minotauren dicht auf den Fersen.
"Kaz the Minotaur" ist die Fortsetzung zu "The Legend of Huma", das bei uns unter dem Titel Heldenlied 1 (Das Ehrenwort) und Heldenlied 2 (Verrat unter Rittern) erschienen ist. Richard Knaak vermeidet die Fehler des Vorgängerromans und erschafft eine Geschichte, die lange Zeit eine mysteriöse Aura ausstrahlt. Die Spannung wird langsam aufgebaut, während Kaz in das Innere Solamnias vordringt.
Das Problem ist nur, dass Kaz den größten Teil seiner Charakter-Entwicklung zu Beginn des Buches bereits hinter sich hat. Seine blutrünstigen Impulse hält er unter Kontrolle, er handelt strikt nach seinem hohen Ehrenkodex und er stürzt sich auch nicht mehr blindlings in ein Gefecht, sondern lässt mehr Vorsicht walten. So opfert Knaak die Charakterzeichnung einem in sich stimmigen Plot, was aber nicht unbedingt schlecht sein muss.
Am deutlichsten wird der bereits vollzogene Wandel von Kaaz in der Zusammensetzung seiner Reisegruppe, denn der alte Kaz hätte sich nie um einen Kender oder einen verwundeten Ritter gekümmert. Überhaupt haben wir hier wieder das Paradebeispiel für stereotype Charakterplatzierung in DL-Büchern. Wann immer einem Autor die eigene Geschichte zu düster oder gewalttätig erscheint, wird sofort ein Kender in die Geschichte eingebaut, der ein bisschen für Komik sorgen soll.
Ansonsten wirkt der Aufbau der Geschichte gut durchdacht und wie aus einem Guss, denn diesmal muss Knaak keine Ereignisse epischen Ausmaßes innerhalb von 300 Seiten durchpeitschen. Während Kaz durch die desolaten Ebenen von Solamnia reist, zieht Knaak stetig die Spannungsschraube an, bis Kaz schließlich in die Ordensfestung eindringt. Außerdem gibt es ein Wiedersehen mit bekannten Gesichtern, darunter Fürst Oswal und sein Neffe Bennett. Enttäuschend ist für mich lediglich, dass er am Schluss einen alten Feind aus der Versenkung holt, statt eine andere Erklärung für die mysteriösen Geschehnisse zu finden.
Fazit:
Insgesamt ein gutes, spannendes Buch, es punktet mit einer atmosphärischen Geschichte und leidet dafür an relativ flach wirkenden Figuren.