_Zum Inhalt_
Band 5136 behandelt Kawasakis erfolgreiches Mittelklasse-Bread-and-Butter-Bike der Achtigerjahre: GPZ 500S, ab Bj. 1986 (Typ EX500A bis B5). Auf spätere Modellrevisionen ab 1994 bis zur Einstellung der Reihe 2003 (Typ EX500D/E) sind die Montage-Anleitungen und (Einstell-)Daten nicht in allen Fällen übertragbar, da sich die neueren Varianten in einigen wichtigen Kernpunkten von der Ur-GPZ unterscheiden. Der Teufel steckt hier im Detail, denn davon wurden eine Menge verändert, wiewohl der grundsätzliche Aufbau von Fahrwerk, Rahmen und Motor grundsätzlich identisch ausfallen. Korrekt müsste der Titel somit eigentlich "[...] Baujahr 1986 bis 1994" lauten.
Die Gliederung ist typischerweise immer gleich und beginnt ohne Einleitung mit der Modellübersicht und den technischen Eckdaten. Dass diese mittlerweile so nicht mehr stimmen, muss man stets berücksichtigen. Die technische Entwicklung ging auch innerhalb der EX500A-Reihe nicht spurlos vorbei, so ist die Leistung noch mit 27 PS angegeben, wiewohl die offene Version ganz legal mit TÜV- und Importeurs-Segen 60 PS raushauen darf. Auch die Bereifung ist längst nicht mehr Up-to-Date, statt der angegebenen 120er-Heckpellen sind mittlerweile 130er Pneus Usus geworden - mal abgesehen davon, dass zwischen damaligem und heutigem Material selbstverständlich Welten klaffen.
Dabei ist es natürlich nicht Sinn und Zweck einer Reparaturanleitung Tuning-Maßnahmen, um den Zossen aufzudonnern, das Wort zu reden, etwa den Austausch der Serien-Auspuffanlage gegen potente Brülltüten. Nicht einmal so sinnvolles Tweaking wie: Standard-Bremsleitungen weg - Stahlflex dran, oder auch das Ausrüsten der Telegabel mit progressiven Federn anstatt der linearen Gurken. Beides höchst Sicherheitsrelevante Maßnahmen. Schön wäre es dennoch gewesen, wenn man wenigstens in späteren Auflagen auf solche unlängst bekannt gewordenen Schwachstellen eingegangen wäre - vielleicht nebst Vorschlägen, wie man das Bike hier eventuell optimieren könnte.
Sei's drum. Auch so bietet das gute Stück genügend Rüstzeug, um selbst anspruchsvolle Projekte in Angriff nehmen zu können. Bis hin zum kompletten Zerlegen des Motors ist alles da, was man als ambitionierter Schrauber braucht. In erster Linie sind dies Fakten, Fakten, Fakten. Ohne Maße, Einstelldaten und Anzugsmomente ist man nämlich selbst bei weniger komplexen Aufgaben bald aufgeschmissen. Diese Sektion, am Ende des Buches, ist auch die am meisten genutzte. Kaum ein Wert, der nicht aufgeführt wurde - mit wenigen Ausnahmen, wie zum Beispiel die Anzugsmomente für Krümmer bzw. die Auspuffanlage insgesamt. Diese hat man entweder vergessen oder als unwichtig eingestuft, wobei ersteres wahrscheinlicher sein dürfte - trotz einiger Neuauflagen des Bandes.
_Fazit_
Die Reparaturanleitung richtet sich vornehmlich an versiertere Schrauber. Natürlich dürfen auch lernwillige Einsteiger gern einen oder mehrere Blicke hineinwerfen, um viel über das Was und Wie an ihrer (überdies recht bastelfreundlich konstruierten) GPZ zu erfahren. Ob sich die Investition lohnt, hängt also in erster Linie von bereits vorhandener (Werkstatt-)Ausrüstung, Fähigkeitsgrad und nicht zuletzt dem Willen ab, inwieweit man zukünftig Reparaturen vergleichsweise kostengünstig selbst erledigen kann. So gesehen hat man die Kohle mit einem gesparten Werkstattbesuch meist schon wieder raus - Spaß und Stolz bei und vor allem nach getaner Arbeit sind sowieso unbezahlbar.
Jürgen Pern - buchwurm.info Redaktion