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Doch es sind nicht nur strategische, religiöse und ökonomische Interessen, die den Konflikten ihre besondere Brisanz verleihen. Es ist auch der Freiheitsdrang der kaukasischen Völker. Zunächst gegen die Unterwerfungsversuche der Zaren, dann gegen die Sowjetisierung und nun gegen die zwar geschwächte, aber noch immer starke russische Großmacht.
Der Kaukasus wird daher "eine offene Frage in der künftigen Gesellschaft und Geschichte Russlands bleiben", so Lerch. Über die Gründe und Ursachen dafür, die teilweise tief in der Vergangenheit wurzeln, berichtet er in seinem Buch. Dabei geht es ihm nicht darum, in allen Einzelheiten die oft schwierige gemeinsame Geschichte der kaukasischen Völker und ihres Zusammenlebens mit den Russen darzustellen, sondern die großen Linien in Historie, Politik und Kultur nachzuzeichnen, die das Verstehen der Konflikte erleichtern sollen. Ein Anspruch, dem das Buch in hervorragender Weise gerecht wird. --Stephan Fingerle
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Doch in den anderen kurzen Kapiteln, die sich jeweils einer kaukasischen Region widmen, bleibt Lerch oft bei Andeutungen. Er nennt beispielsweise die in Armenien politisch sehr einflussreichen Daschnaken, geht aber nicht ausführlicher auf ihre Ziele und ihre Arbeitsweise ein. An manchen Stellen hat er schlicht falsch recherchiert. So schreibt er, dass das deutsche Gymnasium in Jerewan von der Bevölkerung sehr geschätzt würde. Es gibt in Jerewan kein deutsches Gymnasium. Es gibt Schulen, an denen Deutsch gelehrt wird und eine Waldorfschule, die auch schon von der deutschen Botschaft mit Schulmaterialien unterstützt worden ist. Außerdem unterrichten an der normalen staatlichen Mittelschule 5 zwei deutsche Lehrerinnen. In diesem Jahr wurde ein College für Fremdsprachen als Vorbereitung für die Fremdsprachenhochschule eröffnet. Deutsche Gymnasien sind das nicht, weder geschätzte noch verachtete.
An manchen Stellen kann man merken, dass sich die Kenntnis des Autors auf eine recht geringe Zahl an Gesprächen stützt. Das ist bedauerlich, wenn auch teils verständlich, da nicht viele kritische Zeitschriften und Zeitungen existieren, aus denen man sich Informationen beschaffen kann.
Es ist begrüßenswert, dass mit "Der Kaukasus" ein Buch zur Kaukasusproblematik erhältlich ist. Wer sich aber wirklich mit den Konflikten befassen will, der muss sich weiterhin noch andere Informationsquellen suchen, was nicht leicht ist.
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