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Der Kaufmann von Venedig ist als "problematisches" Stück bekannt - die Thematik um Geldverleiher und Antisemitismus verträgt sich nur schwer mit den märchenhaften Elementen der Romanze zwischen Portia und Bassanio, und einige Wendungen der Handlung wirken ein wenig willkürlich oder sogar grausam. Die Stärke von Radfords intelligenter und leidenschaftlicher Umsetzung liegt darin, dass er und die exzellente Besetzung die gegensätzlichen Facetten des Theaterstücks mit voller emotionaler Tiefe versehen, wodurch jede Frage, die das Stück aufwirft, aktuell und unausweichlich wirkt. Irons spielt besonders überzeugend: in seiner Brust wohnen sowohl Freundlichkeit als auch blinde Vorurteile - dadurch erscheinen die Auseinandersetzungen seines Charakters ebenso lebendig wie jene innerhalb des gesamten Stücks. --Bret Fetzer
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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
57 von 66 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Bewegend, genial,
Von
Rezension bezieht sich auf: Der Kaufmann von Venedig (DVD)
In Shakespeares Drama wird mehrfach davon gesprochen, dass der Jude Shylock von den Christen angespuckt wird. Was für einen Unterschied es ausmacht, wenn man das in der Verfilmung tatsächlich sieht - wie die guten Christen dem alten Mann ins Gesicht spucken. Man sieht es gleich in der Eröffnungssequenz des Films, man sieht es während des Films, und man sieht es wieder am Ende während der Gerichtsverhandlung. Am Verhalten der Christen hat sich nichts geändert; nur haben sie jetzt endlich eine Rechtfertigung für ihr Verhalten. Von Anfang an haben sie Shylock gedemütigt und ihn als Hund beschimpft; endlich verhält er sich wie einer.Beim Lesen des Dramas ist es mir noch nie so klar geworden wie bei dem Film, dass die abschließende Gerichtsverhandlung in mehr als einer Hinsicht eine Falle ist, in die Shylock tappt. Man bereitet eine Situation vor, in der der Jude als bösartiges Hassobjekt überhaupt erst erzeugt wird. Durch Al Pacinos herausragendes Spiel, aber auch durch kluge Regieentscheidungen fängt man wirklich zu zweifeln an, ob Shylock tatsächlich von Anfang an die Absicht hatte, von seinem Anspruch auf Antonios Fleisch Gebrauch zu machen. Vielleicht fasst er den Entschluss erst, als er von Jessica verraten worden ist und verzweifelt und einsam in seinem Haus zusammensinkt. Der Film schafft etwas ganz Außergewöhnliches: er verwandelt das Stück von einer schadenfrohen Verlach-Komödie in die Tragödie Shylocks, der sich von seinem Schmerz und seiner Rachlust hinreißen lässt. Interessant allerdings, dass dies nur auf der Ebene der Haupthandlung geschieht. - In der Nebenhandlung um den primitiv und selbstgefällig von seinen sexuellen Erfolgen prahlenden Prinzen von Marokko, in dem einem das Fremde in Gestalt eines Krummsäbel tragenden schwarzen Moslems erscheint, haben die Filmemacher offenbar kein Problem damit, die Karikatur des kulturell Anderen der Lächerlichkeit preiszugeben ... Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
33 von 38 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Ein göttlicher Al Pacino gibt einen tragischen Shylock,
Rezension bezieht sich auf: Der Kaufmann von Venedig (DVD)
Inhalt:Um für seinen Freund Bassanio (Joseph Fiennes) eine aufwendige Brautwerbung finanzieren zu können, nimmt der Kaufmann Antonio (Jeremy Irons) einen Kredit bei dem jüdischen Geldverleiher Shylock (Al Pacino) auf. Dieser verlangt aber keinen Zins sondern, für den Fall dass Antonio die Schuld nicht rechtzeitig bezahlt, ein Pfund von Antonios Fleisch. Shylock, der zeit Lebens unter den Repressalien seiner christlichen Mitbürger zu leiden hatte, ist voller Groll, denn nun ist auch seine einzige Tochter mit einem christlichen Liebhaber durchgebrannt. Als dann Antonio die Nachricht erhält, dass alle seine Schiffe gesunken sind und er die Schuld nicht zurück zahlen kann, scheint Shylock endlich zu seinem Recht und seiner Rache zu kommen. Aber da gibt es noch die kluge Portia, frisch vermählt mit Bassanio, die dem Geschehen eine andere Wendung gibt. Bewertung: Al Pacino wurde hier schon viel gelobt, und dieses Lob hat er tausendfach verdient! Man kann es gar nicht oft genug betonen, dass er allein dieses Shakespearestück zu einem atemberaubenden Filmerlebnis macht. Er charakterisiert Shylock auf sensible und überzeugende Weise, lässt den Zuschauer spüren wie verhärmt und unversöhnlich der alte Mann ist und wie tragisch und bedauernswert doch sein Schicksal. Al Pacino ist in jedem Moment der 126 Minuten der Meister dieses Filmes und Shylock Dank ihm der wahre "Held" des Stücks. Man mag Jeremy Irons vorwerfen, dass er die Rolle des Antonio nicht in ihrer ganzen Bandbreite ausgeschöpft habe und gewiss hat man auch Joseph Fiennes schon inbrünstiger spielen sehen, aber vielleicht liegt die vermeintliche Blässe dieser beiden großen Darsteller auch nur daran, dass ein leidenschaftlicher, überragender Al Pacino als Shylock sie alle überstrahlt. Als Kostümfilm wurde der Film im realen Venedig gedreht und Regisseur und Drehbuchautor Michael Radford hat dem venezianischen Ambiente einen recht düsteren Charme verliehen. Im Gegensatz zum bunten und freundlichen Belmont, wo Bassanio um Portia (Lynn Collins) freit, wirkt die Serenissima geradezu morbide. Auch hat Radford (bewusst?) auf einige Facetten des Shakespeare-Originals verzichtet, die Vielschichtigkeit der shakespeareschen Hauptfiguren kommt nur bei Shylock zum Vorschein, die anderen Helden bleiben eindimensional. Schade drum, aber kein Grund um Sterne abzuziehen, denn Al Pacino hat alleine schon 100 Sterne verdient. Und einen extra Stern gibt es von mir für das wunderbare Shakespeare Englisch (auch die deutsche Synchronisation ist ausgezeichnet), das gekonnt gesprochen, dennoch gut verständlich ist und für mein Ohr eine wahre Orgie darstellte ;-). DVD: Typ 9, 16:9 Widescreen, 2.35:1, Laufzeit 126 Minuten, Deutsch, Englisch, Untertitel: Deutsch, Englisch, Türkisch, Dolby Digital 5.1 Bonusmaterial: Kommetnare: Michale Radford und Lynn Collins, Making of, verschiedene Trailer. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
10 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Atemberaubend, kontrovers, poetisch,
Von Tark "Tras" (Schweiz) - Alle meine Rezensionen ansehen
Rezension bezieht sich auf: Der Kaufmann von Venedig (DVD)
Dieser Film ist ein atemberaubendes, künstlerisches Erzeugnis. Da wäre an erster Stelle die überaus kontroverse und ungewöhnliche Thematik, welche der Film beinhaltet. ein allseits verschmähter Jude fordert nach einer Bürgschaft sein Recht in Form eines ihm zustehenden Pfandes ein, wie es nicht seltsamer sein könnte. Die Liebe zu einer Frau ist die Ursache dieses Missstandes. Mehr will ich an dieser Stelle auch nicht verraten. Kombinationstechnisch präsentiert er sich als eine gekonnte Verschmelzung von tragisch-komödischen Elementen. Einige sehr überraschende Wendungen im Gefüge der Ereignisse machen den Film durchweg zu einer wahren Achterbahnfahrt der Leidenschaften und Gefühle. Die schauspielerischen Leistungen sind permanent äusserst bestechend und virtuos, es wird hingebungsvoll interpretiert, die Besetzung wurde ausserordentlich treffend gewählt. Atmosphärisch legt dieser Film aber noch einen drauf. Das berauschende Kostümdesign trägt viel zur Authentizität, aber auch zur atmosphärischen Dichte des Filmes bei. Wunderschöne Schauplätze und Kulissen sorgen für ein ungemein stimmiges Gesamtbild. Wenn hier im Hintergrund erst noch die traumhafte Musikuntermalung erklingt, kann man sich einfach nicht mehr halten. Die allgemein hochklassige Bildqualität unterstreicht die sinnliche Ästhetik des Streifens noch etwas weiter. Zu all dem wird in einer unglaublich schönen, poetischen, dichterischen Sprache miteinander gesprochen. Manchmal erscheint es dem Zuschauer wie ein Rätsel, das er erst noch entziffern muss. Wer aber etwas Fantasie mitbringt, wird hier keine grosse Mühe im Verständnis haben.Fazit: Ein hochwertiges, künstlerisches Filmwerk. Selten etwas Derartiges gesehen. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
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