Die ganz überwiegende Anzahl aller Menschen sehen in einer eigenen Immobilie eine der besten Anlagemöglichkeiten überhaupt, allein schon wegen der gesparten Miete könne es doch eigentlich nichts Klügeres geben.
Demzufolge ist es als geradezu revolutionärer anzusehen, wenn dieser Mythos einmal konkret hinterfragt bzw. angezweifelt wird. In dem ersten Teil, welcher 140 Seiten des Buches umfasst, versucht der Autor anhand nachvollziehbarer Quellenangaben aufzuzeigen, welche Renditen tatsächlich zu erwarten ist. Zunächst wird fundiert und verständlich aufgezeigt, welche Auswirkungen Inflation, Kreditfinanzierung, Nebenkosten, Instandhaltungen, Wertsteigerungen usw. auf die zu erwartende Gesamtrendite haben. Sodann wird berechnet, welche Kosten bei einem Mieter anfallen würden bzw. welche Beträge diesem für die Geldanlage zur Verfügung ständen. Es folgen dann nachvollziehbare konkrete Vergleichsberechnungen, wobei als Alternative jeweils die Wohnung zur Miete und die gleichzeitige Anlage in verschiedene alternative Vermögensklasse erfolgt. Bei der Auswertung stelle man dann fest, dass die Überlegenheit der eigenen Immobilie, zumindest unter reinen Risiko-Rendite-Aspekten, nicht so eindeutig ist wie von vielen angenommen.
Vollkommen zu Recht wird jedoch der eine oder andere Leser einwenden, dass solche Vergleichsberechnungen immer "nur" von Durchschnittswerten ausgehen kann. Es ist nachvollziehbar, dass man allein schon durch die Nutzung von Direktbanken und die Wahl kostengünstiger Produkte (z.B. ETFs) erheblich höhere Renditen erzielen würde im Vergleich zu einem typischen Filialbankkunden. Das gleiche gilt natürlich auch für ein Eigenheim, bei dem sich durch Eigenleistung beim Bau und den Instandhaltungsaufwendungen, wenn man denn über die entsprechenden Fähigkeiten verfügt, ebenfalls hohe Summen einsparen lassen. Dies hat der Autor auf geniale Weise gelöst, indem er dem Buch eine CD-Rom mit einem kleinen Berechnungsprogramm beilegte. Dort können dann die Vorgaben des Autors modifiziert werden und man erhält, sofern die Eingaben realistisch sind, ein aussagekräftiges individuelles Ergebnis.
Es folgen dann ca. 10 Seiten mit einem Vorschlag, wie eine Alternativanlage zu einem Eigenheim aussehen könnte und ca. 60 Seiten mit Vorschlägen über den Immobilienkauf und deren Finanzierung. Nach meiner Auffassung wurde da schlicht das eigentliche Buchthema verfehlt, da es nicht mehr um die Entscheidung des Mietens oder Kaufens geht, sondern darum, wie man die getroffenen Entscheidung am besten umsetzt. Außerdem ist dieser Teil auch nicht mehr ganz so fundiert, so sind die Erklärungen zur sinnvollen Zinsbindungsfrist nicht überzeugend und die Hinweise zur Vorfälligkeitsentschädigung teilweise missverständlich formuliert.
Insgesamt bleibt es aber ein sehr lesenswertes Buch welches ich jedem, der eine Immobilienanlage in Erwägung zieht, nur empfehlen kann.