Ich habe früher eine Zeit lang immer mal hin und wieder ein bisschen Rechtsrock gehört. Es waren zwar nur Trinklieder oder sonstige Proletentexte und nicht die einschlägig politischen Songs, aber nach dem Hören von "Willkommen in Deutschland" war ich angewidert über mich selber, dass es Bands aus dem rechten Sektor in meinen CD-Player geschafft haben.
Die Toten Hosen haben sich sozusagen in mein "Gewissen" gesungen - so lautet auch ein weiterer Titel, der einen sehr nachdenklich stimmt, jedoch ohne runterzuziehen (wobei das natürlich auch auf den Hörer ankommt).
Doch mein absoluter Albumfavorit ist "Gute Reise". Es ist beschämend, wie lieb- und ahnungslos Wikipedia über diesen Song berichtet (im Artikel zum Album). Da heißt es, der Song beschreibe das Werbeversprechen, für wenig Geld ins Paradies auf Erden zu fliegen. Doch wer sich den Text mal genau zu Gemüte geführt hat, für den ist es eindeutig, dass es hier erstens um einen Drogentrip geht und zweitens dass der Drogenkonsum keinstenfalls verherrlicht, sondern eher noch davor gewarnt wird.
"Hier liegt ein Meer aus tausend Gefühlen, die man alle auf einmal spürt -
von einem unsichtbaren König werden sie regiert."
Das dürfte eigentlich alles sagen und es ist außerdem ein Beispiel von vielen, was für lyrische Höchstleistungen sich auf dieser Platte befinden.
Eine ebenfalls geniale Textzeile, die man ins Herz schließt, ist die aus dem Song "Hilfe!": "Kann sein, dass das ein Fehler ist, der mir nicht sehr gut tut. Doch dann weiß ich wenigstens für mich: ich habe es versucht!". Manchmal muss man einfach alles auf eine Karte setzen, auch wenn man eine große Niederlage einstecken kann. Wer nicht wagt, der nicht gewinnt... Wer wagt, der kann immerhin gewinnen.
Texte, Schlagzeug, Gitarren, Gesang... hier stimmt irgendwie alles. Ein wirklich tolles Album!