"Kauderwelsch -- Polnisch" ist nach dem bewährten Muster der hosentaschenfreundlichen Kauderwelsch-Reihe aufgebaut: Neben einem alltagsnahen Grundwortschatz, Ausspracheregeln, thematisch geordneten wichtigen Sätzen für alle Fälle und einem Grundkurs "Wie die Polen sind" und "Die katholische Kirche in Polen" ;-) wird man auch ein klein wenig in die Grammatik eingeführt; mit ein wenig Sprachgefühl kann man auf dieser Grundlage gut seine eigenen Sätze zusammenbasteln. Das macht nicht nur Spaß und vermittelt nicht nur die ein oder andere Einsicht, sondern dürfte auch den ein oder anderen Pluspunkt bei Einheimischen einbringen.
Freilich sollte man die eigenen Ansprüche den eigenen Vorkenntnissen anpassen -- so sind die polnischen Ausspracheregeln eine Wissenschaft für sich: "przystanek" z.B. bedeutet, klar doch, "Haltestelle"...
Ebenfalls wartet die polnische Grammatik mit allerlei unerwarteten Tücken auf, auf die auch dieser Sprachführer nur am Rande eingehen kann. Wer bereits Grundkenntnisse einer anderen slawischen Sprache hat (z.B. Tschechisch, Russisch, Serbokroatisch), wird sich damit leichter tun, während blutige Anfänger die recht ausführlichen Abhandlungen etwa zum Aspektsystem besser erst einmal nur lesend zur Kenntnis nehmen -- der Pole ("als solcher" ;-)) unterscheidet z.B. sprachlich streng, ob man gerade etwas tut oder gerade am Tun war, oder ob man eine Tätigkeit beendet hat. Die Verfasser tun gut daran, in der vorderen Umschlagklappe mit so hilfreichen Sätzen wie "Sprechen Sie bitte etwas langsamer" oder "Ich verstehe nicht" Erste Hilfe zu leisten. Freilich wären gerade hier Aussprachehilfen angebracht; die wortwörtliche Übersetzung dieser überlebensnotwendigen Sätze nützt hier den wenigsten.
Erfreulich sind dafür die Auflistung samt Erklärung polnischer Nationalgerichte, die den relativ hohen Wodka-Bedarf logisch erscheinen lassen, und die gegenwartsbezogenen Redewendungen für den Umgang mit Ämtern etc. Fehlt nur noch der Hinweis, dass man vor allem bei der älteren Generation besser mit Französisch als mit Englisch durchkommt, wenn doch mal alle Stricke reißen.
Wer allerdings an die Struktur herkömmlicher Sprachführer gewöhnt ist, muss sich erst ein wenig einfinden in das "Kauderwelsch-Konzept": Der Einführung in die Grammatik-Basics folgen, gegliedert nach relativ typischen Situationen, in die der Reisende geraten kann ("Begrüßung", "Wohnen und Leben", "Unterwegs", "Essen und Trinken", "Bank und Post" usw.), Beispielsätze und spezifische Vokabellisten.
Hingegen enthalten die Wörterlisten Polnisch-Deutsch und Deutsch-Polnisch im Anhang nicht alle Vokabeln, die im Hauptteil enthalten sind; das polnische Wort für "(Auto-)Batterie" z.B. findet man nicht im Anhang, sondern nur im Kapitel "mit dem Auto" -- Gewöhnungsbedürftig, wie gesagt, mitunter auch zeitaufwendig, also sicher nicht ideal.
Pluspunkt der "Kauderwelsch"-Reihe sind auch hier vor allem die wörtlichen Übersetzungen (Interlinearübersetzungen) polnischer Sätze, die einem ein wenig ein Gefühl für den fremden Satzbau vermitteln: Man wird aufmerksam auf die Besonderheiten der Sprache, auf spezifische Eigenschaften ihrer Grammatik oder ihres Satzbaus, sodass man nach einiger Zeit nicht nur auf das Nachstottern der Standard-Sätze angewiesen ist, sondern auch mal bei geduldigen Einheimischen "Polnisch aus eigener Schlachtung" ausprobieren kann.
Im Zweifelsfall hilft die Zusammenstellung der allerwichtigsten Phrasen in der hinteren Umschlagsklappe weiter -- findet man im Hauptteil z.B. nur die Frage "Haben Sie Milch?" (Komisch eigentlich, dass die Verfasser von Sprachführern im Ausland nie einen Supermarkt vermuten), so findet man hier die Retter in der Not: "Wieviel kostet das?", "Haben Sie...?", "Wie komme ich nach/zu...?" und ähnlich unentbehrliche Passepartouts sind hier zusammengestellt und auf einen Blick zugänglich.
Empfehlenswert für Reisende, die zwar keine Zeit oder keine Lust für einen einschlägigen Sprachkurs haben, aber doch ein wenig Interesse für die Sprache mitbringen.