Den "Kauderwelsch"-Band "Georgisch" habe ich mir nicht als Sprachführer für eine Urlaubsreise gekauft, sondern weil ich ein klein wenig über diese Sprache erfahren wollte -- und außerdem ist eine Freundin von mir Georgierin, und da wollte ich doch bei besonderen Gelegenheiten einen muttersprachlichen Satz in petto haben. Andere erschwingliche und praxisnahe deutschsprachige Bücher übers Georgische waren nicht aufzutreiben; zur Wahl standen nur noch das schon weitaus umfangreichere englische "Teach Yourself Georgian" und ein russisches Lehrbuch, das aber dem Lernwilligen nahezu übermenschliche Disziplin abverlangt.
Gleich vorweg: "Kauderwelsch -- Georgisch" hat mich nicht enttäuscht.
Immer wieder aufschlussreich bei der "Kauderwelsch"-Reihe sind vor allem die wörtlichen Übersetzungen (Interlinearübersetzungen) der fremdsprachlichen Sätze, die einem ein wenig ein Gefühl für den fremden Satzbau vermitteln: Man wird aufmerksam auf die Besonderheiten der Sprache, auf spezifische Eigenschaften ihrer Grammatik oder ihres Satzbaus.
Letzteres ist in bezug aufs Georgische besonders interessant; war ja auch der Grund, warum ich mir diesen Sprachführer gekauft habe: Georgisch ist nämlich anders strukturiert als die meisten anderen europäischen Sprachen, gehört in struktureller Hinsicht zu den sog. "Ergativ-Sprachen" (muss man nicht wissen). Man kann's so ausdrücken: Das Georgische funktioniert anders, und schon beim "Zusammenbasteln" einfacher Sätze muss man umdenken, kann nicht auf bereits vorhandene Fremdsprachenkenntnisse zurückgreifen. Gerade deswegen war für mich der Grammatik-Teil sehr interessant. Hier wird nachvollziehbar erklärt, welche Kategorien wie ausgedrückt werden müssen, was alles zu berücksichtigen ist usw. Und hinterher ist man tatsächlich ein wenig schlauer und hat eine vage Ahnung, was die Besonderheiten von Ergativ-Sprachen wie z.B. dem Georgischen ausmacht.
Auch in anderer Hinsicht sind die wortwörtlichen Übersetzungen einfacher Sätze aufschlussreich -- "gamardshoba!" z.B., das georgische Äquivalent zu "Grüß dich!", bedeutet wörtlich: "Sei siegreich!". Das gibt zu denken, nicht nur in sprachwissenschaftlicher Hinsicht...
Aber die meisten werden sich dieses Büchlein im alltagstauglichen Allzeit-griffbereit-Format wohl eher zu Reisezwecken kaufen. Auch wenn ich hier nur vermuten kann: Dieser Sprachführer ist bestimmt auch dann nützlich, wenn man ihn zu seinem eigentlichen Zweck benutzen will. Er ist übersichtlich aufgebaut, nach dem bewährten Muster der "Kauderwelsch"-Reihe:
* Einführung in Alphabet (praktischerweise auf der vorderen Umschlagklappe abgedruckt) und Ausspracheregeln
* Ein auch für Laien verständlicher Schnellkurs Grammatik
* Thematisch geordnete wichtige Sätze für alle Fälle des Lebens, darin integriert ein Grundkurs "Landes- und Mentalitätskunde"
* Alltagsnaher Grundwortschatz Georgisch-Deutsch und Deutsch-Georgisch. Die georgischen Vokabeln sind hier allerdings nur in der lateinischen Umschrift wiedergegeben, aber schließlich will "Georgisch Wort für Wort" keine wissenschaftliche Abhandlung sein, sondern ein praktischer Sprachführer, also geht das in Ordnung.
Mit ein wenig Sprachgefühl kann man auf dieser Grundlage gut seine eigenen (einfachen) Sätze zusammenbasteln (kann ich bestätigen). Das macht nicht nur Spaß und vermittelt nicht nur die ein oder andere Einsicht, sondern bringt auf Reisen bestimmt auch den ein oder anderen Pluspunkt bei Einheimischen.
Ein kleines "Kauderwelsch"-typisches Manko hat dieser Sprachführer allerdings, doch will ich ihn deswegen nicht überbewerten, weil es derzeit nichts Vergleichbares in deutscher Sprache gibt: Die Wörterlisten Georgisch-Deutsch und Deutsch-Georgisch im Anhang enthalten nicht alle Vokabeln, die im Hauptteil enthalten sind; mitunter muss man ins zuständige Kapitel zurückblättern -- das ist sicher nicht ideal. Im Zweifelsfall hilft die Zusammenstellung der allerwichtigsten Phrasen in der hinteren Umschlagklappe weiter. Hier sind unentbehrliche Passepartouts griffbereit zusammengestellt und auf einen Blick zugänglich.
Hilfreich ist hingegen, dass im Konversationsteil die georgischen Wörter und Sätze in lateinischer Umschrift abgedruckt sind -- schließlich will die Zielgruppe dieses Buches vor allem reden können, ohne dauernd zum Alphabet zurückblättern zu müssen ("Welcher Buchstabe war nochmal das kleine 'm' mit dem Mäuseschwänzchen vornedran?"). Was die Zuverlässigkeit der Angaben angeht: Die wurde mir von einer Muttersprachlerin mit hervorragenden Deutschkenntnissen bestätigt.
Der "Kauderwelsch"-Band "Georgisch" dürfte damit auch dann noch erste Wahl sein, wenn andere Verlage weitere Georgisch-Sprachführer herausbringen sollten.