Schimunek erweist sich in diesem Roman wieder als Meister des passenden Vergleichs. Vielmehr kommen darin jedoch seine journalistischen Fähigkeiten zum Tragen, denn man muss sich in das Leipzig von 1920 erst einmal hineindenken können. Dazu zählt nicht nur die genaue Recherche des damaligen Straßenbildes und der baulichen Situation, sondern auch die der Zeit entsprechende Entwicklung der Personen und Charaktere. Wohltuend der zu heutigen Krimiromanen, in denen es unter verrückten Massenvergewaltigern, -kinderschändern und -mördern gar nicht mehr geht, eher zahme Fall. Wohltuend auch die Welt in der der Roman spielt, geht es doch vor allem um den Alltag der "kleinen Leute", der sich in den einzelnen Episoden widerspiegelt. Schimunek macht es auch erlebbar, wie sehr sich der Erste Weltkrieg und seine Folgen auf die 1920er-Jahre in Deutschland auswirkten. Der Fall findet seinen Ursprung in Greueltaten, die sich während der deutschen Frühjahrsoffensive 1918 ereigneten. Diese Weltkriegsereignisse hätten vielleicht noch ausführlicher behandelt werden können. Das Ende stimmt versöhnlich, da die Bösen ihre gerechte Strafe und die "kleinen Leute" ihr Glück finden.