Vorweg: Die Rezension wurde eigentlich für die LP-Version geschrieben, daher sind die Titel nach "Seite" sortiert. Die Reihenfolge entspricht aber der, der CD Version.
Sie sind also wieder zurück: Frittenbude hatten mit ihrem ersten Album "Nachtigall" vor allem in Indie- und Elektropunk-Szene Bekanntheit gewonnen. Nach der Veröffentlichung der Vorabsingle "Und täglich grüßt das Murmeltier" waren viele der angestammten Fans etwas enttäuscht. Auch ich war etwas stutzig: Das klang so garnicht nach dem, was man durch "Nachtigall" und Live-Auftritte von Frittenbude gewöhnt war.
Also war ich auch etwas skeptisch, als (leider, aus mir nicht bekannten Gründen, 3 Tage zu spät) das vorbestellte Album endlich auf dem Plattenteller landete.
Doch die Skepsis war schnell verflogen. Die A-Seite (Titel 1-3) überzeugte mich sofort. Zwar hat sich im Sound einiges getan seit Nachtigall. Aber das in die richtige Richtung.
Der Opener "Onychectomy" besteht zwar zur ca. Hälfte aus Intro, ist jedoch trotzdem Tanzbar und auch außerhalb der Tanzfläche gut hörbar. Mit dem zweiten Titel "Unkenrufe" geht es dann ersteinmal ruhiger weiter. Hier liegt der Focus etwas mehr auf dem Text. Der dritte Titel "Schandenschmuck" ist eine Hommage an die Fans der Band. Der Text erinnert etwas an "Irgendwie lieb ich das" vom Vorgängeralbum und wird auch ähnlich präsentiert. Dabei ist das Tempo etwas geringer, als beim vermeintlichen Vorbild.
Die B-Seite (Titel 4-7) gaben meiner Begeisterung dann ersteinmal einen kleinen Dämpfer. "Und täglich grüßt das Murmeltier" hat einen für Frittenbude überraschend gut ausgebauten Text, (wer "Mindestens in 1000 Jahren" kennt, weiß, was ich meine) auch musikalisch gibt es nichts auszusetzen. Einziger Makel: Zum Tanzen ist es eher weniger geeignet. "Ob es reicht sie zu finden" wird sehr deutlich sehr gesellschaftskritisch im Text. Der ist auch erfreulicherweise ungewohnt gut gemacht. Blos wirkt die musikalische Seite etwas lahm und einfallslos. Der nächste Titel, "Durch den Wind", ist textlich ein Windbeutel: Eine Aussage sucht man vergebens. Das ist aber auch nicht nötig. Der Song ist merklich auf Tanzbarkeit getrimmt, und das ist auch gut so, nachdem die beiden Vorgänger ihr Augenmerk ja eher auf der Botschaft der Gesellschaftskritik gerichtet hatten. Der vierte Titel der Seite, der siebte insgesamt, "Vom Fliegen", war und ist für mich immernoch etwas enttäuschend. Zwar ist der Track gut tanzbar, aber der Text bleibt sehr eintönig und wenig begeisternd. Er ist eher melancholisch und passt so meiner Meinung nach weniger zum Tanzen.
Seite C macht aber alle Melancholie wieder wett. Gleich der erste Titel, "Fetter als Gelb", ist tatsächlich fetter Sound zu fetten Beats und gekonnt getexteten Lyrics. Der Song bringt auf den Punkt, was vielen Jugendlichen, aber auch Erwachsenen, an Deutschlands Politik nicht passt. Gleichzeitig fordert er auf: "geht auf die Straße und fordert ein, was euch gehört" und will so die Politikverdrossenen wieder zur Aktivität auffordern. Eins der Glanzstücke des Albums. "Jetzt ist der Moment" heißt der nächste Song. Zwar bleibt unklar, wofür eigentlich der Moment ist, aber der Song bleibt auch insgesamt sehr anspruchsvoll. Nicht unbedingt Partymusik, sondern eher für's wieder Runterkommen geeignet. "2 + 4 = 0", von einigen Fans als bester Titel des Albums gesehn, enttäuscht mit dieser Erwartung keinesfalls. Ich würde nicht sagen, der beste Titel, aber einer der besten sehrwohl. Wieder ist die Stimmung im Text melancholisch, diesmal wird dies aber auch von der Melodie mitgetragen. Der titelgebende Song "Katzengold" schließt Seite C ab. Elektrosound vom feinsten, ohne Anspruch auf textliche Finesse: Katzengold bleibt das einzig gesungene Wort.
Nun zur letzten Seite: Der erste Titel, "Seifenblase", ist leider sowohl musikalisch, als auch textlich nicht sehr originell. Trotzdem ist die erzählte Geschichte sehr schön anzuhören. Der vorletzte Track des Albums, "Ein Mensch rennt", holt nochmal raus, was es rauszuholen gibt: Der Text bietet Abwechslung, sowohl zum Rest des Albums, als auch in sich selbst. Interessant: Während in "Und täglich grüßt das Murmeltier" die immerwährende Gleichheit des Alltags angeprangert wird, heißt es in diesem Titel "Das einzige was gleich bleibt, ist die Veränderung". Der letzte Song, "Bilder mit Katze" ist für mich die größte enttäuschung am Album. Zwar ist die erzählte Geschichte schön, und auch die musikalische Umsetzung ist angemessen. Aber leider ist das Lied viel zu lang. Schon etwa nach der Hälfte des Songs sehnt man sich nach dem Ende. Das wiederum ist enttäuschend: Es bleibt offen, obwohl man sich doch so sehr nach einem Happy-End gesehnt hat. Ebenfalls störend: Ständig wird das eigene Label gelobt und gepriesen, sogar die Band selbst taucht im Text auf. Eigenlob stinkt nicht immer, in diesem Fall ist es aber deutlich zu viel des Guten.
Unterm Strich bleibt zu sagen: Wer ein zweites "Nachtigall" sucht, der wird bitter enttäuscht werden. Musikalisch hat sich die Band doch weit von den Anfängen entfernt. Das allerdings nicht zum schlechteren, im Gegenteil: Während Nachtigall keinen einzigen Song enthält, der auf einem Konzert zum Durchatmen geeignet wäre, liefert Katzengold gleich mehrere. Die Qualität der Live-Auftritte dürfte durch die größere Abwechslung und Vielfalt steigen. Auch textlich hat sich Frittenbude sehr viel weiterentwickelt. Auf Nachtigall klangen die meisten Texte noch nach Klamauk und waren schlecht gereimt. Auf Katzengold gibt es zwar immer mal wieder einen kleinen Schnitzer oder logische Sprünge. Doch insgesamt ist eine enorme Weiterentwicklung festzustellen.
4 Sterne hat das Album meiner Meinung nach definitiv verdient. Und weil es in der Limited Edition auch noch eine CD mit Remixes, ein Poster und einen Sticker dazugab, gibt es von mir fünf.