Nicolas Dodman, angeblicher Wegbereiter der modernen Tierpsychologie kommt mir vor wie ein unseriöser Märchenonkel, der sich entschlossen hat mal aus dem Nähkästchen seiner Katzenpatienten zu plaudern, weil das bei seinem Hundebuch ja auch schon so super geklappt hat. Das Wort "modern" ist hierbei wohl gleichbedeutend mit "medikamentös"- Dodmann löst die Probleme seiner Patienten ganz offensichtlich vorzugsweise auf chemische Art. Im Laufe des Buches wird man mit einem bunten Potpourri aus diversen bewusstseinsverändernden Substanzen konfrontiert, die auch in der menschlichen Psychiatrie zum Einsatz kommen und die man Ende der Lektüre eigentlich nur einen Schluß zulassen: Erziehung der Mietze ist ja schön und gut aber definitv helfen tut eigentlich nur die richtige Pille!
Ich halte diese Ausage weder für richtig noch hilft sie mir in irgend einer Weise im Umgang mit meinen Katzen. Ich werde nach dieser Lektüre definitiv nicht zum Tierarzt meines Vertrauens gehen und ihn bitten mir bitte Valium, Prozak oder sonstige Psychopharmaka für meine Katze aufzuschreiben, weil sie sich aggressiv, ängstlich oder hyperaktiv aufführt und ich im Buch von Dr. Dodman gelesen habe, dass das hilft. Meiner Meinung nach liegt ein derartiges Verhalten in erster Linie beim Besitzer oder in der Haltung des Tieres und man macht es sich als Katzenbesitzer ganz schön einfach, wenn man auf Dr. Dodman hört. Er erwähnt beispielsweise nicht mit einer Silbe homeopatische Mittel, wie Bachblüten o.ä, sondern probiert lieber direkt am Tierversuch mit verschreibungspflichtigen Medikamenten, was ihm wohl auch den Ruf des "modernen" Tierpsychologen eingebracht hat...
Des weiteren hat mir auch der Erzählstil des Buches überhaupt nicht gefallen. Anstatt sachlich und seriös zu bleiben, scheint Dodman seine Rolle als Ich-Erzähler zu geniessen und versucht durch völlig überflüssige Randbemerkungen den witzigen Alleinunterhalter zu mimen. So interessiert es mich beispielsweise überhaupt nicht, daß er seit Wochen so beschäftigt ist, daß er keine Hausbesuche mehr machen konnte aber dann bei Patientin XY eine Ausnahme macht weil es eine Bekannte seiner Frau ist und seine Frau ihn schon seit Wochen damit nervt und dass es ein wunderschöner Herbsttag ist als er aufbricht und er den verschüchterten Patienten bereits in der sonnendurchfluteten Auffahrt sitzen sieht wie er sich das bedauernswerte dünne Fell putzt etc etc etc. Wenn ich einen Katzenroman hätte lesen wollen, dann hätte ich mir keinen medizinischen Ratgeber zur Hand genommen. An dieser Stelle sind die banalen Anekdoten Dodmans einfach völlig fehl am Platz und untergraben zudem seine Seriösotät, weil ich mich dem Gefühl nicht erwehren konnte, daß hier einer mal ganz froh ist den Gechichtenerzähler spielen zu dürfen.