Leseprobe. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.
Beim Thema Fremdfuttern sehe ich eine Szene aus den Simpsons vor mir. Homer schleicht sich nachts hinaus, um in Moes Taverne ein Bier zu trinken. Unterwegs begegnet ihm seine Katze Snowball. Snowball hat sich angewöhnt, jedes Mal wenn sie das Haus verlässt, das Halsband abzulegen und zu verstecken. Erst dann geht sie auf Tour. In dieser Szene sieht man Homer und Snowball Auge in Auge. Beide starren sich misstrauisch an. Etwa zehn Sekunden lang. Dann sagt Homer: "Okay. Wenn Du nichts sagst, sag ich auch nichts."
Katzen gehen fremd. Viele jedenfalls. Das ist völlig normal und kein Grund zur Sorge. Jedenfalls solange nicht, wie die Zweit- oder Drittmenschen nicht Besitzansprüche erheben. Das passiert allerdings selten. Die meisten Katzen spüren, wenn Menschen in diese Richtung tendieren und besuchen sie nicht mehr. Dass Katzen fremdgehen hat im Gegensatz zu verbreiteten Auffassungen nichts damit zu tun, dass sie bei anderen Menschen besonders leckeres Futter bekommen. Sie bekommen AUCH leckeres Futter. Häufig spielen aber noch andere Punkte hinein. Katzen suchen sich eben ihre Menschen aus. Dieser Prozess ist nicht abgeschlossen, sobald sie ein festes Zuhause haben.
Eifersucht ist an dieser Stelle völlig fehl am Platz. Witzigerweise kann es passieren, dass die Zweitmenschen ihrerseits eifersüchtig werden auf die Drittmenschen. So etwas haben wir bereits mit Hutch erlebt. Die Situation war kurios. Nach einem Umzug in eine Wohnung, die wir ursprünglich gar nicht wollten - die eigentliche war nicht rechtzeitig fertig geworden und wir mussten binnen drei Tagen eine Alternative finden - fand sich Hutch, wie gewohnt, schnell in seinem Revier zurecht. Das Haus machte zum Hof hin einen Knick um etwa 45 Grad. Unser Balkon stieß ganz nah an das Fensterbrett unserer Nachbarin, die dieses Fenster auch meist einen Spalt geöffnet hatte. Hutch gewöhnte sich an, über das Geländer auf das Fensterbrett zu wandern, in die Wohnung einzubrechen und dort zu schlafen.
Die Nachbarin beklagte sich häufig darüber, dass er wie ein Wilder an ihrem Fenster kratzte, wenn es geschlossen war. Wir suchten nach einer Lösung, ihm das abzugewöhnen, aber er ließ sich nichts einreden. Die Nachbarin war ihrerseits trotz aller Klagen sichtlich stolz darauf, dass der Kater sie ausgesucht hatte. Eines Tages aber beklagte sie sich bitterlich über ihn. Der Anlass war ein Drittmensch. Im gleichen Haus wohnte im Parterre ein junger Mann, der seine Terrassentür nachts häufig offen stehen ließ. Unsere Nachbarin konnte den jungen Mann nicht leiden. Unser Kater schon. Hutch orientierte sich zunehmend auf Besuche in dessen Schlafzimmer. Sobald die Tür offenstand, wanderte er hinein, legte sich ins Bett und schlief. Dem jungen Mann gefiel das offenbar auch. Die beiden schliefen friedlich nebeneinander. Wir wussten davon nichts. Wir glaubten, der Kater sei auf nächtlicher Jagd. Bis eben eines Tages unsere Nachbarin sich über Hutch beschwerte, der sie so schnöde betrog.