'Schonend gegarte Filetstreifen mit Lachs' oder 'Zarte Stückchen vom Rind'. Klingt doch eigentlich ganz lecker, was Sheba da auf den Teller bringt. Oder? Hans-Ulrich Grimm räumt mit 'Katzen würden Mäuse kaufen. Schwarzbuch Tierfutter' ordentlich mit dem Saubermann-Image von Pedigree, Whiskas, Eukanuba und Konsorten auf und nimmt dem Haustierhalter die Illusion vom schmackhaften 'Ragout in Sauce'.
Bereits vor der Auslieferung des Buches musste der Deuticke Verlag eine Einstweilige Verfügung gegen den Pressetext von 'Katzen würden Mäuse kaufen' einstecken. Und nach der Lektüre des Buches kann man die Sorge von Masterfoods, die die Einstweilige Verfügung erzielten, nachvollziehen, ja, man wird fast ein wenig mitleidig. Schließlich gibt der Konzern jährlich Millionen für die Öffentlichkeitsarbeit aus ' und dann das! Jemand der aufdeckt, dass die bunten Kügelchen in den Trockenfutterbeuteln und die saftigen Brocken in den Dosen nicht mehr sind als der Versuch, auch noch den letzten Müll zu Geld zu machen. Wer würde hinter so wohlklingenden Bezeichnungen wie 'Variationen mit Geflügel in Gelee' schon Klärschlamm, Erbrochenes, Blut und Kot vermuten?
'Katzen würden Mäuse kaufen' ist ein hervorragend recherchiertes Buch über die Machenschaften der Futtermittelkonzerne und die 'innige Nähe zwischen Wirtschaft und Veterinären' und wer sich weiter mit dem Thema beschäftigen möchte wird seine helle Freude an der Bibliographie haben. Wer jedoch hinter dem Titel ein Buch vermutet, dass sich ausschließlich der Futtermittelherstellung für Haustiere widmet, liegt falsch. Über weite Strecken wird detailliert die Ernährung von Nutztieren auseinander genommen. Was natürlich wichtig für das Thema ist, aber sicher nicht das, was man sich unter dem Titel vorstellt. Um das ganze Elend etwas aufzulockern, schweift Grimm in teils sehr themenfremde Welten ab. Für Geschichtsinteressierte gibt es Exkurse in die Zeiten von König Friedrich dem Großen oder dem Pfalzgrafen Hermann, Naturfreunde werden an den schönen Thuner See in der Schweiz entführt und über 'merkwürdige Missbildungen an den Geschlechtsteilen' bei Fischen aufgeklärt, und Sportfans werden mit dem Korruptionsskandal im belgischen Fußball von 2006 konfrontiert. Auch die Kunsthistoriker kommen nicht zu kurz, natürlich finden auch die belgischen Meister wie Rubens und Bruegel Erwähnung. Und für alle, die schon immer wissen wollten, dass Karl Friedrich Louis Dobermann die nach ihm benannte Rasse aus Deutschen Doggen, Pinschern und Rottweilern züchtete, gibt es auch noch eine ausführliche Einführung in die Zuchtgeschichte der 'Kampfhunde' und den Einsatz von Kriegshunden im alten Griechenland. Dies sind nur einige der Episoden, die zwar unterhaltsam vorgebracht werden und sicher an anderer Stelle ihre Berechtigung haben, hier aber mit dem eigentlichen Thema herzlich wenig zu tun haben.
Doch die Nerven der Leser werden noch weiter strapaziert. Da stolpert man über aufgezwungene Alliterationen, wenn Grimm sich über die 'Spezialisten für die Seelen von Settern, Siamkatzen, Sittichen' lustig macht oder man ärgert sich über doppelt vorkommende Zitate. Und noch etwas stört den aufmerksamen Leser bereits ab dem zweiten Kapitel: Grimms zeitweilige Unfähigkeit, einen Sinnzusammenhang zwischen dem von ihm Erzählten und dem eigentlichen Thema herzustellen. Besonders unbeholfen wirkt seine verzweifelte Suche nach Kohärenz in Kapitel 6, wo er nach seitenlangen Ausführungen über Hundezucht offensichtlich merkt, dass er etwas zu weit abgeschweift ist und das Kapitel abrupt mit folgendem Satz beendet: Chemie im Futter und es freut sich das Tier?
Weiterhin fallen die großen Defizite des Autors im Bereich Hundeverhalten auf. So brillant er Fertigfutterzusammensetzungen und eigentlichen Bedarf von Hunden recherchiert hat, so wenig Ahnung hat er von den sonstigen Bedürfnissen der Vierbeiner. Wie sonst ist es zu erklären, dass er sich über Hundesportarten wie Dogdancing lächerlich macht und laut seine Verwunderung darüber, dass Hunde auch geistige Auslastung brauchen, kundtut? Das ein oder andere Mal vergreift er sich auch mächtig im Ton, wenn zum Beispiel das 'Pfötchenhotel' sein Fett wegkriegt oder er sich der 'Knochenfresserbewegung' annimmt und damit Rohfütterer meint.
Natürlich gibt es auch glanzvolle Höhepunkte in 'Katzen würden Mäuse kaufen'. So zum Beispiel wenn er von Aromastoffen mit Geschmacksrichtung 'Heu&Kraut' für Pferde berichtet oder den Einsatz von Waldmeister-Aromen zur 'Kaschierung von medizinischen, metallischen und chemischen Noten bei Mineralfuttermischungen' erläutert. Weiterhin wird der Zusammenhang zwischen der minderwertigen Ernährung der Haustiere und ihrem schlechten Gesundheitszustand hergeleitet und auch auf die Vermenschlichung der Vierbeiner geht er ausführlich ein. Er erzählt von Menschen, die bei ihrem Wocheneinkauf auf jeden Cent achten, für ihr Tier jedoch Unmengen ausgeben. Und er wundert sich: 'Fürs Schnitzel wollen sie nichts ausgeben, aber bei den Schlachtabfällen kennen sie keine Grenzen'.
Insgesamt ist 'Katzen würden Mäuse kaufen' ein gut zu lesendes und amüsant geschriebenes, vor allem aber sehr informatives Buch, das seine Leser teils schockiert und teils zu einem Lächeln animiert. Insbesondere für Hundehalter, die an manchen Stellen dem Drang, das Buch an die Wand schmeißen zu wollen, widerstehen können, ist es ein durchaus empfehlenswertes Buch, das die alltäglichen und absolut legalen Schweinereien der Haustierfuttermittelhersteller mit viel Charme aufdeckt. Wer nicht vorher schon gebarft oder selbst für seinen Hund gekocht hat, wird dies nach der Lektüre nun ernsthaft in Betracht ziehen.