"Aber ich hab ihn nun mal nicht, diesen Charme der Besiegten, ich hab den Kampf aufgenommen, und ich will gewinnen! ... - Wie sieht der Sieg einer Katze auf dem heißen Blechdach aus? - ... Dass sie es durchsteht, nehme ich an, solange sie nur kann." (Maggie in "Die Katze auf dem heißen Blechdach")
Die Tennessee-Williams-Adaption von 1958 gehört zu den Klassikern des amerikanischen Kinos. Der Kampf der leidenschaftlichen Maggie um die Liebe ihres Mannes Brick, der seine Versagensängste im Alkohol ertränkt, ist eine Klasse für sich, zumal die Chemie zwischen Paul Newmann und Liz Taylor stimmt. Obwohl im gesamten Film keine richtige Liebesszene vorkommt (abgesehen von der Umarmung zum Schluss), knistert es vor Erotik. Williams Stück wurde zwar entscheidend entschärft, die Dialoge lassen aber an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig. Zum Beipiel Maggies Analyse: "Wir leben nicht zusammen, wir bewohnen nur den selben Käfig." Oder etwas wenn Maggies nur scheinbar naive Schwiegermutter Big Mama auf deren Ehebett zeigt und sagt: "Wenn eine Ehe auf Grund läuft, liegt der Grund hier- genau hier." Ja, es geht natürlich um Sex. In der Fassung von 1955 geht es weniger um Big Daddy, sondern um Bricks Homosexualität und seine Depressionen aufgrund des Todes seines Freundes (und vermutlich Liebhabers) Skipper. Schon in der Broadway-Fassung von Elia Kazan erhielt die Rolle des Big Daddy ein größeres Gewicht, bei Bricks vollzieht sich eine stärkere Veränderung seiner Gefühle und Maggie wird deutlich sympatischer gezeichnet.
In der Verfilmung von Richard Brooks sind diese Veränderungen fortgeführt worden, so dass die (latente) Homosexualität Bricks nur angedeutet wird, sein Alkoholmissbrauch primär auf das gestörte Verhältnis zu seinem Vater zurückgeführt wird (Zitat Brick: "Alles, was ich wollte, war ein Vater. Keinen Boss. Ich wollte, dass du mich liebst."). Maggie schließlich wird Bricks entscheidende Stütze, sich der Wahrheit zu stellen. Die Versöhnung mit seinem Vater ebnet Brick auch den Weg zurück in Maggies Bett.
Es ist zwar dramaturgisch nicht neu, ein Gewitter zu zeigen, wenn sich große Gefühle den Weg bahnen, aber dieser Film zeigt die wahre Könnerschaft Brooks. Die Aussprachen im strömenden Regen gehören zu den emotionalen Höhepunkten des Films. Einige "Gemeinheiten" Williams bleiben aber auch in der entschärften Version erhalten. Coopers Frau Mae mit ihren "halslosen Monstern" ist die Zielscheibe des Spotts des intellektuellen Homosexuellen gegenüber dem Ergebnis heterosexueller Vereinigung. Während alle übrigen Personen eine Katharsis durchleben, bleibt Mae genauso gehässig und unbelehrbar wie zu Beginn des Stücks.
Anmerkung zu den Dreharbeiten: Während des Drehs verstarb Liz Taylors damaliger Ehemann, der Produzent Mike Todd. Die Dreharbeiten standen kurz vor dem Abbruch, als Liz Taylor nach einer kurzen Pause sich entschloss weiter zu drehen. Sie verstand den Film als "Therapie", um nicht den Verstand zu verlieren. Dabei ist ihr eine der besten Darstellungen ihrer Karriere gelungen.
Es ist natürlich der Anspruch der Kultur-Redaktion der "Süddeutschen Zeitung", die besten Filme zu veröffentlichen, warum sie allerdings dieses ungewöhnliche Format für die DVD-Hülle gewählt hat, erschließt sich mir nicht ganz. Anyway: Einen außergewöhnlichen Film kann nichts verschandeln.