Wenn ich mein Lieblingsalbum von Klaus Lage benennen sollte, so würde die Wahl auf „Katz & Maus" von 1994 fallen. Hier wagte Lage den entscheidenden Schritt und setzte sich von seinen früheren Werken musikalisch ab, hier erschafft er ein Album, das problemlos mit dem zehn Jahre zuvor erschienen Klassiker „Schweißperlen" mithalten kann.
Die individuelle Klasse von „Katz & Maus" liegt in der Verbindung von intelligenten Texten und musikalischer Vielfalt, wobei letzteres vor allem hervorsticht. Leichtigkeit ist gepaart mit Melancholie, ernste Lieder treffen auf gefühlvolle Balladen.
Der erste Titel, „Bankgeheimnis" spricht offen die Profit- und Machtgier des Bankensystems an und steht im Zeichen früherer Gesellschaftskritiken wie „Monopoli".
„Weil ich sie liebe" besticht durch temporeiche Gitarrenriffs und ist ein unkompliziertes, launiges Liebeslied - ganz im typischen Stil von Lage.
Ein echtes Highlight und der vielleicht beste Song des Albums ist das sechsminütige „Der Sänger", in welchem Klaus Lage kritisch über seinen eigenen Beruf reflektiert.
Der Titelsong knöpft an den neuen, kraftvollen Stil an und ist im Ganzen ein kraftvolles Zeichen deutscher Rockmusik.
Die erste Ballade des Albums, „Schweigen" schlägt stillere Töne an. Ein entspannter Lage philosophiert über die Kraft der Liebe und bringt uns zum nachdenken.
In die gleiche Kerbe schlägt „Halt aus", eine ehrliche, berührende Ballade über eine Liebe im Wechsel der Zeiten. Eine kurze Reprise mit Orchester findet sich am Schluss des Albums.
Der Song „Frankfurt" könnte laut einem Kommentar Lages im Booklet auch über jede andere Großstadt geschrieben werden. Kritischer, desillusionierter Kommentar zum Niedergang der sozialen Kultur der Großstädte.
„Weil Du anders bist" ist eine deutsch-italienische Ballade im Duett mit Irene Grandi. Schöne, eingängige Ballade und Singleauskopplung.
Typische für den 80er-Lage ist dann wieder „Bist duu das?". Humorvolles Lied über ein Klassentreffen und die Erkenntnis, das Menschen sich verändern.
Einen ironischen Seitenhieb erhalten auch die Beamten auf dem ihnen gewidmeten Lied.
Ein weiteres Highlight ist die Gänsehautballade „Ich lass dich nie mehr gehn": Nur Lage mit Klavier und Orchester. Unvergleichliche Stimmung und enorm kraftvoll.
Der eigentliche Schluss ist dann „C'est la vie", ein ironischer Blick auf die menschliche Existenz und der Erkenntnis: „Wer nichts wagt, kann nur verlier'n".
Im Booklet sind alle Texte plus Kommentare von Klaus Lage enthalten. Vielmehr muss man nicht zu diesem Album sagen: Eines der besten - wenn nicht das beste - Album von Klaus Lage. Schwachstellen gibt es nur ganz selten, dafür Highlights am Stück. Hohes Niveau, musikalisch wie textlich. Mit diesem Album hat Klaus Lage ein Zeichen gesetzt. Und eines der besten Deutschrock-Alben weitab von Kommerz und Masse.