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Katia Mann: Die Frau des Zauberers
 
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Katia Mann: Die Frau des Zauberers [Taschenbuch]

Kirsten Jüngling , Brigitte Roßbeck
4.6 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (8 Kundenrezensionen)
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Produktinformation

  • Taschenbuch: 415 Seiten
  • Verlag: List Taschenbuch; Auflage: 1., Aufl. (1. Oktober 2004)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3548604811
  • ISBN-13: 978-3548604817
  • Größe und/oder Gewicht: 18,2 x 12,6 x 2,4 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.6 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (8 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 460.494 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

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Produktbeschreibungen

Aus der Amazon.de-Redaktion

"Die Buddenbrooks, das sind doch keine Herrschaften", ließ sich Katia Mann später oft vernehmen -- ein eindeutiger Seitenhieb auf die Familie Mann. Bereits Katias Eltern hatten sich von den Heiratsplänen ihrer Tochter wenig begeistert gezeigt. Mutter Hedwig bezeichnete den künftigen Schwiegersohn herablassend als "rechten Pimperling, der nicht viel verträgt". Ihr kunstsinniger und millionenschwerer Gatte, Geheimrat Pringsheim, schien in dem Jungschriftsteller, der in seinem Haus neuerdings aus- und einging, vorwiegend den nüchtern kalkulierenden Emporkömmling zu sehen. Eher zähneknirschend gab er seine Tochter im Februar 1905 Thomas Mann an die Hand.

Auch in der zweiten großen Katia-Mann-Biografie -- nach Frau Thomas Mann von Inge und Walter Jens -- bewegt eine Frage: Was hat die talentierte Katia Pringsheim, immerhin Enkelin der Frauenrechtlerin Hedwig Dohm und in liberal-großbürgerlichem Münchner Milieu groß geworden, dazu bewogen, ihre Karriere aufzugeben, um sich mit der Mutterrolle im Schatten eines Dichters zu bescheiden?

Im Gegensatz zum Ehepaar Jens und seiner säuberlichen Biografie-Arbeit aus gemessenem und edlem Abstand, schlüpfen Birgit Roßbeck und Kirsten Jüngling zum Erkenntnisgewinn auch schon mal zwischen die Laken des Ehepaares. Dort allerdings fand schon früh nur Ernüchterndes statt. Schon den Flitterwöchner "Tommy" beschäftigten in nobler Züricher Herberge Hartleibigkeit und Beschaffenheit seines Stuhls derart intensiv, dass man an ein erotisches Honeymoon-Feuerwerk so recht nicht glauben mag. Der Einstieg ins Eheleben, ein "sonderbarer und sinnverwirrender Vorgang", führte sogar kurzzeitig zum schöpferischen Leerlauf.

Zahlreiche Briefdokumente aus der Hinterlassenschaft der Mann-Kinder lassen die Nahaufnahme eines Ehemodells feinst ausgewogener Machtstrukturen entstehen. Sohn Golo erwähnt den Jähzorn des Vaters, der der "logisch-juristischen Intelligenz der Mutter nicht gewachsen war", während Katia sich ihrer Rolle als Motor eines stotternden Familienbetriebs durchaus bewusst war. Am Ende bleibt die Qual der biografischen Wahl. Während das Ehepaar Jens mit kühl-distanziertem Germanistenblick seziert, haben Jüngling und Roßbeck die Teppiche der Literatenfamilie gelupft und (durchaus vergnüglich) psychologisch Erhellendes zu Tage gefördert. --Ravi Unger -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.

Neue Zürcher Zeitung

Frau Thomas Mann

Zwei Biographien porträtieren Katia Mann

Neben Richard Wagner und den Seinen fasziniert kein deutscher Künstler-Clan die Gemüter so sehr wie Thomas Mann und seine Familie. Was den Amerikanern die Kennedys sind und den Engländern die Windsors, scheinen uns die Manns zu sein: Projektionsfläche für voyeuristische Blicke in menschliche Abgründe ebenso wie Matrix für beflügelnde Traumbilder eines gefeierten und sich selbst feiernden, klassenbewussten Kultur- und Bildungsbürgertums, das es in dieser Form nicht mehr geben kann. Seit der Veröffentlichung der Tagebücher Thomas Manns hat eine Flut biographischer Forschungsarbeit den geheimsten Facetten seines Innenlebens und, nicht zuletzt, denen seiner Familie nachgespürt. Ein Ende dieser fast zwangsläufig auf das Private und seine Widerspiegelung im Werk abzielenden Wahrnehmung ist nicht abzusehen. Zu verführerisch, zu «romanhaft» ist die Fülle der biographischen Quellen, zu pedantisch hat der Autor selbst dafür gesorgt. Jüngste Früchte der, wie Thomas Manns Enkel Frido es kürzlich ausdrückte, «grassierenden Mannomanie» sind zwei gleichzeitig erschienene Biographien über Katia Mann. Sie nimmt in den bisherigen Darstellungen zwar einen ehrenvollen Platz ein, beide Bücher präsentieren jedoch, weit ausholend und mit kaum verhohlenem Behagen, zahllose unbekannte oder bisher nur verstreut zugängliche Einzelheiten. Ein prosperierender Familienkonzern Die Frau des «Zauberers» sprengte trotz manchen einschlägigen Vorbildern alle tradierten Muster einflussreicher Dichtergattinnen dank ihrem weitsichtigen, mitdenkenden und mitplanenden, selbstlos tätigen und aufopferungsvollen Einwirken auf das Leben und den Erfolg ihres Mannes. Als Richard Dehmel, einer der ersten Schriftstellerkollegen, die den Rang Thomas Manns erkannten und es ihn umgehend wissen liessen, zu Beginn des 20. Jahrhunderts von der «soliden Firma» sprach, die ihn selbst und seine zweite Frau Ida zusammengeschmiedet habe, konnte er sich nicht vorstellen, zu welch prosperierendem Familienkonzern es dieser Autor und seine für ihre Schönheit, ihren Reichtum und ihre Intelligenz gleichermassen gefeierte Professorentochter Katia Pringsheim über zwei Generationen hinweg bringen sollten. Je mehr sich der offenbar noch immer unerschöpfliche Reichtum der Quellen erschliesst, desto mehr offenbart sich, wie schwer oft die Autorschaft Thomas Manns und das Mitwirken seiner Ehefrau zu trennen sind. Allein die jetzt von Inge und Walter Jens vorgelegten Zeugnisse für das Echo von Katia Manns eigenen, ihrer Mutter detailliert berichteten Davos-Erlebnissen im «Zauberberg» – leider sind die Briefe verschollen, die sie während ihres Sanatoriumsaufenthalts an den Gatten schrieb – lassen erkennen, dass sich Katia Mann nicht nur als «Frau an seiner Seite» bewährte. Das mag so ähnlich auch für andere Dichter-Ehen gelten, doch findet sich wohl nirgendwo eine so umfangreich dokumentierte Beweislast. Fragt man sich, was wohl aus Thomas Mann noch geworden wäre, wäre er der klugen Stütze seiner Existenz nicht im Jahre 1904 in München begegnet, so darf man vermuten, dass es zumindest die strahlende Repräsentationswürde des zeitlebens qualvoll gegen die Irrungen und Wirrungen seiner erotischen Problematik ankämpfenden und anschreibenden Erzählers schwerlich gegeben hätte. Mit seiner Ehe habe er sich, so meinte Thomas Mann mit kühler Sachlichkeit, «eine Verfassung gegeben» – sie hat den Bürgersohn aus Lübeck ein halbes Jahrhundert lang auf seiner stets von äusseren und inneren Katastrophen begleiteten Lebensreise von München in die Schweiz, an die Ost- und Westküste der Vereinigten Staaten von Amerika und zuletzt wieder in die Schweiz (über deren Bevölkerung Katia Mann in einem Brief vom 17. Januar 1958 an Lion Feuchtwanger schlecht gelaunt meinte, sie sei «fremdenunfreundlich, ungastlich und engherzig») zu dem werden lassen, was er immer sein wollte: dem literarischen Heros seines Jahrhunderts. Für die erst beharrlich umworbene, dann wie eine bürgerliche Prinzessin vor den Traualtar geführte, 1883 in Feldafing am Starnberger See geborene jüdisch-bayrische Professorentochter, die Mutter von sechs vielseitig begabten, aber gefährdeten Kindern wurde – die Eltern sollten ihre liebe Mühe und Not mit ihnen erleben, taten aber für sie, was immer sie konnten –, musste das Leben an der Seite eines so produktiven Erfolgsautors Erfüllung wie Last bedeuten. Sechs Jahre nach Thomas Manns Tod bekannte sie zwar gegenüber ihrem Zwillingsbruder Klaus Pringsheim, sie habe in ihrem Leben «nie das getan, was ich tun wollte», doch dankte sie ihm gleichzeitig noch einmal dafür, dass er «diese Ehe gestiftet» habe. Sie wusste, dass sie als weibliches Familienoberhaupt keine geringere Leistung vollbracht hatte als ihr Ehemann, auch wenn der Glanz seiner Genialität ihr abverlangte, hinter ihm zurückzutreten – es erschien ihr selbstverständlich. Resolute Familienmutter Die Frage, was die einstige Mathematikstudentin Katia Mann «wirklich» gewollt hätte, wäre ihr Leben in anderen Bahnen verlaufen, grundiert beide Biographien, und es kann nicht überraschen, dass es darauf keine befriedigende Antwort gibt. Sie wusste es vielleicht selbst nicht. Doch eines stand für sie von Anfang an fest: Nichts war ihr wichtiger als ihre Familie, für sie lebte und liebte sie. Die «Firma Thomas Mann» hatte die vielseitig begabte, energiegeladene Gralshüterin eines literarischen Kosmos in eine dienende Funktion gedrängt. Aber ohne die Souveränität der resoluten Familienmutter, ohne seine durch sie abgesicherte «Verfassung» wäre der Autor von den Verlockungen des Eros und der Einwirkung der historischen Ereignisse vielleicht in die Knie gezwungen worden. Man muss nur an die Rolle denken, die Katia Mann gegenüber ihrem wankelmütigen Partner bei der Emigration aus Deutschland spielte. An politischer Weitsicht war sie (wie ihre Kinder Erika und Klaus) ihrem Thomas zweifellos überlegen. Was unterscheidet die gelegentlich die Gefahr hagiographischer Hingabe streifenden, aber liebevoll um Gerechtigkeit und psychologische Genauigkeit bemühten Biographien? Welche verdient den Vorzug? Das Gespann Kirsten Jüngling und Brigitte Rossbeck, als Biographenteam bereits ausgewiesen, entwickelt den breiter angelegten, materialreicheren Erzählteppich. Zwar gleitet ihr zitatgesättigter Positivismus gelegentlich ins allzu Jovial-Vertrauliche ab, aber das liegt bei so offen sympathisierenden Rechtfertigungsbemühungen in der Natur der Sache. Das wortreiche Bestreben um Einfühlung und Nähe wird mehr als aufgewogen durch die sorgfältig belegten Ergebnisse einer detektivischen Spurensuche, die sich allerdings – anders als das Buch von Inge und Walter Jens – oft von bereits zugänglichen Befunden der Sekundärliteratur leiten lässt. Zwei verdienstvolle Hommagen Kirsten Jüngling und Brigitte Rossbeck warten mit vielen Trophäen ihres gewaltigen Fleisses auf. So nimmt die Frühgeschichte der Familie Pringsheim, ihr Aufstieg aus Wirtschaft, Wissenschaft und Kunst bei ihnen einen grösseren Teil ein. Gerade in diesem Abschnitt finden sich viele bisher nicht oder kaum bekannte eindrucksvolle und amüsante Details über den Aufstieg einer durch und durch assimilierten deutsch-jüdischen Patrizierfamilie. Katias brillanter, kluger und generöser Vater als vergnügter Schürzenjäger, die Mutter Hedwig Dohm als Diva des Sachsen-Meininger Hoftheaters – solche und andere Fakten werden ebenso lebendig vorgetragen wie die Früchte der übersetzerischen Leistung Katia Manns (William Thackerys tausendseitiger Roman «Jahrmarkt der Eitelkeiten») oder deren halsbrecherische Fahrkünste, die ihr zur weithin hörbaren Erbitterung zuletzt den Führerscheinentzug einbrachten. Die staunenswerten Fähigkeiten Katia Manns auf den Gebieten der Haushaltsführung, des Entwerfens, Bauens und Mietens oder Einrichtens der einzelnen Domizile im Ausland, des Wirtschaftens (vom Überwachen der Zahlungseingänge bis zum Verfassen von amerikanischen Steuererklärungen), des souverän-diplomatischen Makelns, des Schreibens und Organisierens für ihren Mann, der unermüdlichen Hilfe gegenüber Menschen in Not (nicht nur gegenüber Schwager Heinrich und den Kindern, sondern auch gegenüber Verfolgten der Nazidiktatur oder der DDR) und natürlich immer wieder der ehelichen Fürsorge – das alles ist spannend zu lesen und rundet sich zu einem gewinnenden Lebensbild. Inge und Walter Jens, ausgewiesene Archivforscher und stilsichere Erzähler, gehen ihren Gegenstand etwas konzentrierter und, vor allem, analytischer an. Sie beschränken sich weitgehend auf originale Quellen, unter denen sich viele bisher unbekannte Briefe befinden. Dazu gehören insbesondere solche an Katia Manns einzige vertraute Freundin, Molly Shenstone, der sie sich anschloss, als diese Thomas Mann während seiner Princeton-Jahre mit Korrespondenz und Schreibarbeiten zur Hand ging. Das stets taktvolle, gleichfalls von viel Sympathie getragene Buch des Ehepaares Jens (beide werden die eine oder andere Parallele zur eigenen Arbeitssymbiose entdeckt haben) ist, obgleich anschaulich und gelegentlich auch amüsant erzählt, «akademischer», scheut nicht vor literaturwissenschaftlich kompetenten Betrachtungen zurück. Ihr Porträt fällt in seinen Ergebnissen kaum anders aus als das ihrer Konkurrentinnen, es setzt seine Akzente jedoch etwas deutlicher. Beide Bücher sind eine verdienstvolle Hommage an eine grossartige Frau und unterschätzte Heroine der Literaturgeschichte. Wer sich der «Mannomanie» nicht zu entziehen vermag – und dafür gibt es gute Gründe –, sollte sich an beide Darstellungen halten. Zusammen mit Herrmann Kurtzkes glorioser und Klaus Harpprechts detailverliebter Thomas-Mann-Biographie ergeben sie das psychologisch und historisch äusserst fundierte Bild eines Autors und seiner Familie, wie sie in einem Jahrhundert (wenn überhaupt) nur einmal vorkommen dürften. -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.


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Kundenrezensionen

Die hilfreichsten Kundenrezensionen
22 von 25 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Format:Gebundene Ausgabe
Das Buch von Brigitte Roßbeck und Kirsten Jüngling befriedigt
alle Neugier über die Person Katia Mann.
Die umfassende Recherche der Autorinnen eröffnet dem Leser eine Materialfülle, die in keinem anderen Buch über Katia Mann so verdichtet geboten wird. Sehr kurzweilig wird über das voreheliche Leben der Katia Pringsheim berichtet, deren persönliche Eigenständigkeit beachtlich war.ES schließen sich spannende Schilderungen über das Leben im Elternhaus Pringsheim an. Schon diese Kapitel stellen für Liebhaber des intellektuellen und gesellschaftichen Lebens in München um 1900 ein Muß dar.
Die überzeugende,klare Gliederung des Buches erleichert dem Leser
sich in die verschiedenen Rollen Katias, über den Tod Thomas Manns hinaus, zu vertiefen.
Die beiden Autorinnen haben sich dem Menschen Katia verschrieben
und sind erfrischenderweise einer Legendenbildung um diese Frau
großräumig aus dem Weg gegangen.
War diese Rezension für Sie hilfreich?
7 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Ein Kunde
Format:Gebundene Ausgabe
Katia Mann, ein halbes Jahrhundert Ehefrau, Mutter und nicht zuletzt erfolgreiche Managerin Thomas Manns, blieb als Einzelperson bislang unbeschrieben. In diesem Buch wird sie nun detailliert unter die Lupe genommen und ein ausführliches Bild der Katia Pringsheim, verehelichte Mann gezeichnet. Der Leser lernt ihre Familien und deren Lebensumstände schon aus der Zeit von vor ihrer Geburt kennen, kann sich ein Bild des Milieus in dem sie aufgewachsen ist und von ihrer ungewöhnlichen Jugend machen. Er erfährt witzige Details aus Thomas Manns Werben um die Braut und so manch wissenswertes Neues aus ihrem Leben, das die beiden Biografinnen entdeckt haben. Sie beschreiben auch die besondere Beziehung zwischen den Eheleuten und ihre Wandlung im Lauf der Jahrzehnte. Man erlebt Katias Toleranz zu den homoerotischen Neigungen des Gatten, ihren Umgang mit der schwierigen Familie. Kann sich einfühlen in ihre Neigung, sich durch Krankheiten Freiraum zu verschaffen. Und bekommt nicht zuletzt Achtung vor dieser Frau, die souverän ihre Familie durch Freud, Leid und viele Klippen des auch durch die politischen Zeiten bewegten Lebens gesteuert hat. Ferner zeichnen die Biographinnen ein plastisches Bild der Künstlerszene durch die Jahrzehnte, sei es im München des beginnenden 20. Jahrhunderts oder im Exil. Eine sorgfältig recherchierte und anspruchsvolle Lektüre, auf die es sich einzulassen lohnt.
War diese Rezension für Sie hilfreich?
1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Redaktion Literaturtipp.com TOP 50 REZENSENT
Format:Gebundene Ausgabe
Gerade gedachte man ihres 120. Geburtstages; Katia Mann rückt endlich ins Licht der Öffentlichkeit, nachdem alle anderen Familienmitglieder Mann zuvor ihre Biografen gefunden hatten. Ihr, die sich zu Lebzeiten stets im Hindergrund, aber die Fäden der Familie fest in der Hand hielt, sind nun gleich zwei Biografien gewidmet: "Katia Mann - Die Frau des Zauberers" ist eine davon.

Die beiden Autorinnen, Kirsten Jüngling und Brigitte Roßbeck, erzählen das Leben von Katia, wie sie genannt werden wollte. Ihre anderen Namen waren Katharina Hedwig, Käte, Kati, Katju, Katja. "Katia Mann" handelt von der Kindheit Katias in der großen Villa der Pringsheims, von ihren vier Brüdern, davon, wie klug sie war, und dass sie als eines der ersten Mädchen in München das Abitur machte und später Mathematik studierte, von ihren wohlhabenden Eltern und davon, dass sie Thomas Mann ziemlich lange auf ein Verlöbnis warten ließ; später dann von ihrer Ehe mit dem Dichter, ihren Kindern, den zahlreichen Umzügen, dem Exil und den letzten Jahren in der Schweiz.

Kirsten Jüngling und Brigitte Roßbeck haben gründlich recherchiert und in ihrem Buch teilweise noch unveröffentlichte Quellen verwertet. Jedes Zitat im Text ist mit einer Fußnote belegt, so dass die Biografie eine Fülle von Anmerkungen enthält. Diesen Anmerkungen ist auch die Herkunft des Untertitels zu entnehmen: Peter Mendelsohn war der Erfinder des Beinamens "der Zauberer" für Thomas Mann. Am häufigsten zitieren die Autorinnen aus Katia Manns "Meine ungeschriebenen Memoiren" und den Tagebüchern Thomas Manns.

Die Autorinnen schreiben flüssig, spannend und humorvoll: "Die Hochzeitsnacht hatte es (das Paar Anm. d. Red.) in Augsburg (...) verbracht, nichts wissen wir definitiv von ihr. Signifikant unterschiedlich von der anderer unerfahrener Hochzeiter dürfte sie kaum verlaufen sein". Kirsten Jüngling und Brigitte Roßbeck stellen in ihrem Buch die Frage, wie die reiche und schöne Katia Mann den damals noch unbekannten Dichter heiraten konnte. Sie versuchen, an dieser und an anderen Stellen Katia Mann psychologisch zu deuten. "Sie schöpfte ihr Selbstbewusstsein aus der Verbindung von Reichtum und Bildungsbürgertum".

Thomas Mann kommt nicht immer gut weg: "Dem Bruder gegenüber übte er sich in Koketterie, indem er seine Ehe mit einer goldenen Kugel an jedem Bein verglich. Doch war de facto wohl weniger das Gewicht von Bedeutung als vielmehr das Edelmetall." Die Autorinnen setzen seine Tagebücher in Beziehung zu den realen Ereignissen in Katia Manns Leben. Es fällt auf, wie wenig Thomas Mann der Tod der Schwiegermutter bewegte. - Aber immerhin hat über seine Frau gesagt: "So lange Menschen meiner gedenken, wird ihrer gedacht sein."

Die Biografie "Katia Mann - Die Frau des Zauberers" enthält ein achtseitiges Personenregister, zahlreiche schwarz-weiß Fotos, die zusammengefasst nach dem jeweiligen Lebensabschnitt abgedruckt sind, und eine umfangreiche Bibliografie. Die Quellenangabe umfasst 55 Seiten und berücksichtigt sogar schon das Buch zum Film "Die Manns" von Heinrich Breloer. Kirsten Jüngling und Brigitte Roßbeck legen eine willkommene Ergänzung der Literatur über Thomas Mann vor und zugleich eine Vervollständigung der Portraits der Mann-Familie. Eine Pflichtlektüre, die Spaß macht, für alle Literaturfreunde und alle biografisch interessierten Leser.

"Katia Mann - Die Frau des Zauberers" ist ein interessantes, lesenswertes und gleichzeitig amüsantes Buch über eine ungewöhnliche Frau!
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