Wer sich mit den Trends von heute und morgen auseinander setzt und gerne Informationen aus erster Hand hat, kommt um den Wälzer "Erlebnisgesellschaft" von Gerhard Schulze nicht herum. Doch ausgesprochen sinnlich verabreicht uns Schulze sein geballtes Wissen nicht. Anschaulich und auf das Wesentliche reduziert ist jedoch das Buch des in Hamburg lehrenden Professors Horst W. Opaschowski. Das liegt wohl auch daran, dass er seit 1979 das Freizeit-Forschungsinstitut der Tabakmultis B.A.T. leitet. Denn der britische Konzern möchte wahrgenommen werden.
Besonders gut gefallen, hat mir der Ansatz des Autors, auch die Argumente der Kulturpessimisten aufzunehmen. Denn sie berufen sich bei der Wertung von Illusion, Simulation und Erlebniswelten noch immer gerne auf Aldous Huxley, der ihnen scheinbar die Vorlagen liefert, um möglichst abschreckende Teufel an die Wand zu malen. Opaschowski sieht das Ganze zum Glück etwas nüchterner und eher als logische Wiederholung romantischer Genussvorstellungen.
Im Teil 1 fasst Opaschowski zusammen, was Reproduktionskultur und Erlebnisgesellschaft bedeuten, um dann im zweiten Teil darauf einzugehen, wer sich Lebenslust überhaupt käuflich erwerben kann und will. Im dritten Teil zeigt der Autor auf, wo am meisten los ist, gibt Begriffe und eine sehr nützliche Systematik, lässt Anbieter, Kritiker und Besucher zu Wort kommen und definiert Events als neue Kulturform. Im 4. Teil wird die EXPO 2000 als Fallbeispiel vorgestellt, bevor Opaschowski im letzten Kapitel Konsumtempel für Erlebnishungrige vorstellt.
Das im Germa Press Verlag erschienene Büchlein ist ein hervorragend gemachter Überblick über die Eventkultur. Gleichzeitig finden wir aber auch zahlreiche Analysen mit eigenständigem Charakter. Das Layout ist gewöhnungsbedürftig und erinnerte mich an Schulbücher aus dem lateinischen Sprachraum. Und wenn wir schon bei der Sprache sind, so muss ich mein Befremden loswerden, dass in einem Buch über Zukunft und Trends noch immer die alte Rechtschreibung verwendet wird.