Da wollte wohl jemand mal etwas loswerden, zu einem Thema, über das aber auch mal gar kein Wissen vorhanden ist. Das alleine ist ja nicht wirklich schlimm, man kann ja nicht über alles bescheid wissen. Dann sollte ich aber zumindest ein gewisses Interesse an den Tag legen, ein Interesse, welches es dem Zuschauer ermöglicht mit der Filmemacherin gemeinsam auf eine Reise gehen zu können, um ein neues Feld praktisch zu erforschen. Von dem ist hier aber nichts vorhanden. Neben ganz eindeutigen Fehlinterpretationen, ist die Tatsache, dass sich eine Dokumentation namens "Kategorie C" (reisserischer gehts ja kaum noch)ausschließlich mit den Tretern einer einzigen Stadt beschäftigt (Sachsen und Lok Leipzig)schon mal eher schwach, aber auch nicht wirklich schlimm, schließlich ist die Rivalität zwischen den Hools beider Vereine ja auch eine besondere. Aber dann nicht auf die Gründe einzugehen, dass es sich neben anderen Dingen mittlerweile um eine klassische "rechts-links" Nummer handelt, ist beschämend. Auch die Geschichte der Leipziger Vereine bis zum heutigen Tag wäre zumindest ein paar Worte mehr wert gewesen, um eventuell Zusammenhänge verstehen zu können.
Der Film wurde mit öffentlichen Geldern bezahlt, vielleicht ist das der Grund, warum auf eine detailierte und wahrheitsgetreue Beschreibung der Szene verzichtet wurde. Warum die Rolle der Polizei, sofern ich es richtig in Erinnerung habe, mit keinem einzigen Wort erwähnt wird, warum einige Interviewte eher wie gecastete und profilgeile "Wannabes" wirken und in kaum einem Wort auf die Veränderung des Fussballs eingegangen wird, von einem Sport, der für viele der Mittelpunkt des Lebens war und ist, ja, auch für Hools, hin zu einem gewinnbringenden Großunternehmen mit eingeplanten Zuwächsen in Vorderasien und daraus resultierenden dämlichsten Anstosszeiten, eventgeilem und bespassungsbereitem Publikum als Hauptklientel der Vereine, Ticketpreise die kein Mensch mehr bezahlen kann, personalisierte und begrenzte Auswärtstickets - und ja - einer unverhältnismäßigen Hochstilisierung überschaubarer Ausschreitungen rund um den Ground, um genau die beschriebenen Veränderungen durchzusetzen, in dem Fans und Ultras eben als prinzipiell unangepasste und krawallsuchende Vollidioten hingestellt werden, um sie schlußendlich aus den Stadien prügeln lassen zu können, ist mir schleierhaft. Aber wahrscheinlich hatte der Film eine andere Intention und liebäugelte mit einer späteren Ausstrahlung im Nachtprogramm von RTLII, man weiss es ja nie so genau.
Deutsche Hooligans (so der Untertitel) kommen nicht nur aus Leipzig und darum wäre es wünschenswert gewesen, zumindest einen kleinen Abriss über die Szene darzustellen. Denn die Freunde der 3. Halbzeit begannen schon in den 20. Jahren eine gewisse Freude an der Rivalität auf der Vereinsebene zu entdecken, die mittels schlagkräftiger Mittel unterstrichen wurde. Und schon bevor sich "Lokis" und "Schemiker" mittlerweile bandenartige Auseinandersetzungen lieferten, knallte es zwischen Vereinen wie Schalke-BVB, HSV-Bremen, SGE-Kickers und anderen weit heftiger.
Eine weitere Kritik ist eindeutig der völlig zusammenhangslose Schnitt, das Springen von Thema zu Thema, um dann wieder zurück zu kommen, um schlussendlich wieder beim Anfang zu beginnen. Gerade das Eingehen auf ein Freundschaftsspiel Lok gegen FC United of Manchester hätte ein guter Grund sein müssen, um auf das Thema näher einzugehen. Wer sich wirklich mit der Thematik "Hooliganismus und Wald und Wiesen Spiele" beschäftigen will, sollte seinen Internetzugang dafür benutzen, eine der zahlreichen guten Dokus auf Youtube oder Google Video anzusehen oder eines der massenhaft vorhandenen Bücher über den Hooliganismus zu lesen, welche es aus verschiedenen Sichtweisen gibt, ich persönlich tendiere da zu "In kleinen Gruppen, ohne Gesänge" (da hat man wenigstens noch was zu lachen), denn dort "lernt" man weit mehr, als über pseudo-informative Dokus wie dieser.
Naja und wer gar nichts wissen will, weil er schon alles weiß und lieber n paar actiongeladene Aufnahmen von Hauereien und Massenansammlungen sehen möchte, ist hier auch vollkommen falsch, gibbet hier nämlich auch nicht!
Zugegeben, extrem langer (klugscheissermäßiger) Text zu einem schlechte Film,....aber das musste mal gesagt werden. Also Fazit: Kann man besser machen. Muss man besser machen!