Sechs Kurzgeschichten, die sich um den Gardasee lagern wie ein undurchsichtiger Nebel. In ihnen ist nichts schön und touristisch sondern vielmehr undeutlich, geheimnisvoll, zeitweise auch furchterregend.
Egal, ob es sich um die Erinnerungen eines 5-jährigen Buben handelt, der mit seinen Eltern der 68er - Generation den Urlaub dort verbringt oder um einen Mann der 50 wird und von einer 14-jährigen Lolita verführt wird oder um einen Bootsausflug, der mitten im See endet; alles bei Kirchhoff hat von Anfang an einen Geschmack, bei dem man sich nicht sicher ist, worauf es hinausläuft. Und ist dabei so nüchtern und unspektakulär geschrieben, dass man sich fragt, warum man eigentlich so ein komisches Gefühl beim Lesen hat.
Kirchhoff gelingt es wie immer auf subtile Weise den Leser vom sicheren Ufer in den - hier - offenen See zu locken und ihn dort dann mit seinen Gedanken alleine zu lassen. Seine Geschichten führen eine parallele Existenz zur Realität, aber so knapp, dass man glaubt diese Parallelen berühren sich zeitweise. Was sie rein mathematisch gar nicht können, bringt ihnen Kirchhoff bei.
Einziges Manko: zwei der Geschichten wurden bereits vor Jahren in „Ferne Frauen" veröffentlicht, weshalb ein paar Dutzend Seiten weniger Neues vor sich hat.